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Engangiert sich für den Klimaschutz: der zehnjährige Moritz von Winning.

Kinder in Frankfurt

Frankfurter Junge will die Welt verändern

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Der Frankfurter Moritz von Winning ist Botschafter einer Kinderinitiative für das Klima. Die Erwachsenen, sagt der Zehnjährige, tun zu wenig für den Klimaschutz. Kinder wie er wollen die Welt wirklich verändern.

Moritz von Winning kann gut reden. Dass er aufgeregt ist, merkt man dem Zehnjährigen beim Interview im Büro seiner Mutter in Bornheim kaum an. Er hat auch eine klare Botschaft. „Ein Kind in meinem Alter“, sagt Moritz, „wird voraussichtlich noch 70 bis 80 Jahre hier sein“. Er macht sich Sorgen, wie die Welt dann aussehen wird. „Wenn alles so weiter geht, kann ich als Opa nicht mehr auf dieser Erde leben“.

Es tröstet ihn wenig, dass jetzt alle vom Klimawandel reden. Die Erwachsenen, sagt er, tun zu wenig. Kinder wie er wollen die Welt wirklich verändern. Deswegen engagiert sich Moritz in der Umweltschutzorganisation „Plant-for the-Planet“, die 2007 von dem damals neunjährigen Felix Finkbeiner in Bayern gegründet wurde. Das Ziel bis zum Jahr 2020 steht fest. „Wir wollen 1000 Milliarden Bäume pflanzen“, sagt Moritz von Winning. Das klingt viel, doch die Bilanz seit Bestehen der Initiative kann sich sehen lassen. Rund 14 Milliarden Bäume haben Kinder aus 93 Nationen nach eigenen Angaben weltweit schon gepflanzt. Am Montag ist Tag des Baumes, da werden wohl wieder viele dazukommen. Auch Moritz hat seinen Teil dazu beigetragen. Er hat sich auf einer Plant-for-the-Planet-Akademie zum Klimabotschafter ausbilden lassen. Zwei Freunde kamen mit. Sie fuhren vergangenen Herbst für ein Wochenende nach Wiesbaden, trafen andere Kinder und andere Klimabotschafter, hörten Vorträge und pflanzten 350 Bäume. „Und ich habe mich verpflichtet, selbst Vorträge zu halten“, sagt Moritz. Das hat er schon in seiner Schule eingelöst.

Moritz besucht die fünfte Klasse auf der integrierten Gesamtschule IGS Nordend, hat auch in der Parallelklasse über schmelzendes Meereis, den Treibhauseffekt und die ungerechte Verteilung des CO2-Ausstoßes in reichen und armen Ländern referiert. „Viele sind meiner Meinung, aber es gab auch welche, die das nicht interessiert hat“, sagt er. „Pech für sie, es ist ja ihre Zukunft.“

Neue Argumente holt sich Moritz bei der Kinderkonferenz der Klimabotschafter am Starnberger See an diesem Wochenende, bei dem auch Workshops angeboten werden. Das dreitägige Seminar kostet lediglich 35 Euro Unkostenbeitrag, „Plant for the Planet“ ist gemeinnützig, die Botschafter die zwischen Zehn- und 18 Jahren alt sind, wollen die Idee der Klimagerechtigkeit in Schulen, bei Freunden und Verwandten verbreiten.

Akademie in Frankfurt

Gründer Felix Finkbeiner ist mit seiner Mission schon um die ganze Welt gereist, hat vor den Vereinten Nationen und auf Einladung der chinesischen Regierung gesprochen. 2010 wurde eine Umwelt-Stiftung gegründet, mit Baum-Geschenken, dem Verkauf fair produzierter Schokolade, Patenschaften und Spenden wird die Arbeit finanziert.

Auch Moritz hat Ziele. Seine Lehrerin will ihm einen Auftritt vor der ganzen Schule ermöglichen, auch zur IHK Frankfurt gibt es Kontakte, und vielleicht schafft er es sogar als Redner auf eine Fraport-Veranstaltung. Dort arbeitet sein Vater, es dürfte also häufiger Klima-Diskussionen zu Hause geben. Mutter Alexandra von Winning ist Nachhaltigkeitsberaterin. „Ich möchte, dass Wirtschaft für den Menschen da ist“, sagt sie: „Fortschritt ist nötig, aber nicht zu Lasten der Natur“. Sie freut sich über das Engagement ihres Sohnes, der auch in Frankfurt eine Akademie organisieren will. „Wann weiß ich noch nicht“, sagt er. Denn das ist viel Arbeit. Die Räume müssen gefunden werden, dazu Sponsoren, die die Bäume spendieren. Und Moritz ist schließlich nicht nur Klimabotschafter, sondern auch ein guter Schüler, der viel Sport treibt: „Tennis, Basketball und Schwimmen“, sagt er. Dass er jeden Tag mit dem Rad in die Schule fährt, versteht sich von selbst. Er mag auch Bäume, besonders Birken, „mir gefällt das Weiß“.

Bei Stadtteil-Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit ist er mit seiner Mutter oft dabei, hat kürzlich Samenbomben in Bornheim verteilt. Auch seine Berufswünsche sind noch breit gestreut: „Ingenieur oder Tierschützer“, sagt er und zögert kurz: „oder Autodesigner“. Bis es soweit ist, wird Moritz von Winning erstmal Bäume pflanzen.

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