1. Startseite
  2. Frankfurt

Protest gegen Autobahnen in Frankfurt: Gegen „Klimakollaps“ und die „aktuellen Machtverhältnisse“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

In Frankfurt sind am Samstag (8. Oktober) rund 300 gegen den Riederwaldtunnel, Ausbau der A5 und die „aktuellen Machtverhältnisse“ auf die Straßen gegangen. 

Frankfurt – Rund 300 Menschen haben am Samstag (8. Oktober) im Osten Frankfurts gegen den Bau des Riederwaldtunnels protestiert. Dazu aufgerufen hatte ein breites Bündnis, darunter jenes gegen den Autobahnausbau Frankfurt. Die Proteste sind nicht neu, haben aber zuletzt Rückenwind auf politischer Ebene erhalten, nachdem die Frankfurter Grünen-Fraktion den Bau des Riederwaldtunnels erneut auf den Prüfstand stellen will.

Alexis Passadakis von Attac Frankfurt zeigte sich über die jüngste Entwicklung erfreut: „Daran sieht man, dass Waldbesetzung und Proteste wirken, das ist ja nicht vom Himmel gefallen.“ Er hofft, nun auch noch bei den anderen Parteien der Römer-Fraktion durchzudringen. „Was ist eigentlich mit Volt, gibt’s die noch?“, fragt Passadakis provokant, um dann weiter auszuführen: „Dass Menschen am Riederwald durch den Bau entlastet werden, ist ein Märchen. Das ist eine Instrumentalisierung der Menschen, die dort wohnen“. Das nächste Ziel sei nun, den Druck auf die Landes- und Bundesebene zu erhöhen.

Protest in Frankfurt: 2,7 Hektar sollen für den Bau weichen

Simone Kühn geht es bei ihrem Protest mehr um die Umwelt. Die 2,7 Hektar Wald, die für den Bau gerodet werden müssten, seien ein schwerer Eingriff in intakte Natur. Angekündigte Ausgleichsmaßnahmen hält die Biologielehrerin für „unwirksam“. So seien in einem Waldstück am Hessen-Center etwa 60 bis 80 Fledermauskästen aufgehängt worden in der Hoffnung, dass die geschützte Bechsteinfledermaus ihren angestammten Platz im Fechenheimer Wald aufgebe und umsiedle.

Forderungen wie diese bei der Demo gegen den Riederwaldtunnel gibt es immer häufiger in Frankfurt. Rolf Oeser
Frankfurt: Forderungen wie diese bei der Demo gegen den Riederwaldtunnel gibt es immer häufiger. © Rolf Oeser

„Die Fledermäuse sind aber sehr ortstreu“, so Kühn. So werde keiner der Kästen von Fledermäusen, sondern von Meisen und Eichhörnchen genutzt. Als Ausgleichsfläche für den Wald, der gerodet werden soll, seien am Schwanheimer Ufer einige Bäume gepflanzt worden. „Das ist aber kein Ersatz für 200 Jahre alte Eichen“, betonte Kühn, die von der Beteiligung an der Demonstration ein bisschen enttäuscht war.

Protestcamp in Frankfurt

Treffpunkt war am Ostpark, von dort zogen die Menschen weiter durch den Riederbruch bis zu dem betroffenen Waldstück, in dem es seit gut einem Jahr auch ein Protestcamp gibt. Bevor die Demonstrierenden sich auf den Weg machten, gab es aber noch einige Wortbeiträge von der Ladefläche eines bereitgestellten Pritschenwagens. Zwei Aktivist:innen von „Ende Gelände“, die ein bisschen mehr maskiert waren, als es Pandemievorschriften hergeben, wollten die Proteste nicht nur gegen den Bau des Riederwaldtunnels verstanden wissen.

600 Millionen Euro für ein 40 Jahre altes Infrastrukturprojekt auszugeben, sei in Zeiten, wo viele sich kaum noch leisten könnten, in der Stadt zu leben und zu heizen, einfach unzumutbar. Es gehe also auch „um den Kampf gegen die aktuellen Machtverhältnisse“, in den alte weiße Männer an ihren Führungspositionen festhielten. „Sich nur über die Grünen zu ärgern, ist noch kein Kampf gegen den Klimakollaps“, mahnte ein Aktivist.

„Es ist zu laut“ in Frankfurt: Initiative richtet sich gegen den Ausbau der A5

Ungeachtet dessen waren am Samstag nicht alle erschienen, um nur gegen den Riederwaldtunnel zu protestieren. So wies Hans Christoph Stoodt auf die neu gegründete Initiative „Es ist zu laut“ hin, die sich gegen den Ausbau der A5 in den Stadtteilen Rödelheim, Griesheim, Goldstein und Gallus wende. Dieser Ausbau von acht auf zehn Fahrspuren sei, anders als viele vermutlich dächten, quasi schon beschlossene Sache, führte Stoodt aus und wies auf ein Telefonat mit der Stadtverwaltung hin.

Der Ausbau bedeute schwere Eingriffe in die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort bis hin zur möglichen Enteignung von Gärten und Häusern. Mit Sicherheit brächte der Ausbau eine weiterer Verlärmung, die schon jetzt an manchen Orten „schier unerträglich ist“, führte Stoodt aus. (Oliver Teutsch)

Zuletzt wurde die A66 bei Frankfurt für zwei Stunden durch Aktivist:innen blockiert.

Auch interessant

Kommentare