Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wer regiert hier demnächst? Angebote werden noch angenommen.
+
Wer regiert hier demnächst? Angebote werden noch angenommen.

RÖMERBRIEFE

Unmoralische Angebote

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
    schließen
  • Georg Leppert
    Georg Leppert
    schließen

Während eines unserer Büros evakuiert wird, geben wir Tipps für Menschen, die doch noch in die Koalition wollen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Römer.

Leppert: Bist du in Sicherheit?

Busch: Ja, ich bin jetzt weit weg von der Bombe.

Leppert: Okay, brauchst du etwas? Wärmedecken, Kaffee, stilles Wasser, Vitaminpillen?

Busch: Wow, du bist besorgt um mich. Sonst fragst du doch immer nur, ob ich eine Nussecke mitbringen kann.

Das ist eine Premiere, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Wir schreiben diese Ausgabe der „Römerbriefe“ während einer laufenden Evakuierung. Denn eine von uns beiden arbeitet derzeit vorwiegend im Nordend. Nur wenige Meter entfernt vom Fundort der Weltkriegsbombe.

Das wollten wir Ihnen erst einmal mitteilen, als eine Art Werkstattbericht. Aber wie schaffen wir jetzt die Überleitung zur Römer-Politik. In den Koalitionsgesprächen war angeblich zuletzt nicht so eine Bombenstimmung, vielmehr ging es bei der Vergabe der Posten im Magistrat recht explosiv zu, besondere Sprengkraft hatte die Personalie... boah, nee, das können wir nicht bringen.

Also, neuer Versuch: Die Bombe wurde im Nordend gefunden, wo sehr, sehr viele Wählerinnen und Wähler der Grünen wohnen. Und auf die ist die CDU mächtig wütend. Also weniger auf die Wähler:innen als auf die Parteiführung. Weil die nämlich gesagt hat: Danke, CDU (genau genommen haben die Grünen noch nicht mal das gesagt), aber wir machen jetzt mal eine andere Koalition mit SPD, FDP und Volt.

Stinksauer waren sie bei der CDU, so sauer, dass sie der SPD sogar ein unmoralisches Angebot gemacht haben. Kommt doch zu uns, bei uns gibt es vier Posten im Magistrat, nicht nur drei, gemeinsam booten wir die Grünen aus. Manche sagen, das sei schlechter Stil, aber bitte: Auch in der Politik kann man bieten und überboten werden. So ist das Geschäft, die anderen Parteien können sich daran ein Beispiel nehmen.

Die Linke etwa ist ja nicht Teil des Bündnisses, weil sie halt links ist. Das mögen die Grünen nicht so, das erinnert sie an die eigene Jugend, als die Männer strickten und alle rauchten und man im Hüttendorf über Emanzipation diskutierte. So’n Zeugs halt. Aber warum sagt die Linke nicht: Liebe Grüne, holt uns in die Koalition, wir sind auch artig und behaupten nach der nächsten Demo im Gallus, man dürfe die Polizei nicht vorverurteilen für ihren Prügeleinsatz, es sei bestimmt auch Gewalt von den Demonstrierenden ausgegangen, und man müsse immer beide Seiten hören. Versprochen.

Oder Markus Frank. Klar ist der Superdezernent bei der CDU. Aber seine Abwahl ist doch kein Automatismus. Fest steht hingegen: Wenn Frank gegen etwas klagt, verliert er (siehe verkaufsoffene Sonntage, Gutleuthafen oder Demo gegen Israel). Deshalb bietet Frank an: Er bleibt im Amt und klagt gegen alles, was der neuen Koalition lieb und teuer ist.

Und Nico Wehnemann von der Fraktion „Die Partei“? Ist auch nicht Teil der Koalition, obwohl das beim Parteitag der Grünen sogar jemand vorgeschlagen hatte. Ernsthaft jetzt. Hier der Deal: Wehnemann bekommt einen Posten im ehrenamtlichen Magistrat. Dafür fährt er nicht nach Usbekistan. Und auch nicht nach Nordkorea.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare