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Uni Frankfurt: Teilen statt Kaufen

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Von: George Grodensky

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Judith Busse und Finn Volpert vom Organisationsteam der Drehscheibe. Christoph Boeckheler
Judith Busse und Finn Volpert vom Organisationsteam der Drehscheibe. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Studierende der Goethe Uni etablieren auf dem Campus Westend einen Umsonst-Laden

Teilen ist in. Kartons stehen vor Haustüren, mit Sachen zum Mitnehmen. Menschen teilen sich Autos oder Fahrräder. Dieses Potenzial in der Gesellschaft nutzt eine Gruppe von Studierenden der Goethe-Uni. Sie haben einen Umsonst-Laden gegründet, einen Flohmarkt ohne Feilschen, einen Umschlagplatz für Nützliches und Schönes. Der Name: Drehscheibe.

Judith Busse und Finn Volpert gehören zum Organisationsteam. Sie stellen der Presse das Projekt vor, die anderen können gerade nicht, sind krank, müssen studieren, was junge Menschen eben so tun, wenn sie nicht gerade ihr letztes bisschen Freizeit opfern, um die Welt zu verbessern. Das Konzept der Drehscheibe ist einfach. Menschen kommen vorbei, bringen schöne und gut erhaltene Sachen, die voll funktionsfähig sind. Und nehmen andere Sachen wieder mit. Einfach so. Ohne Geld aus- oder einzunehmen. Ohne Verpflichtung einer Leihfrist.

„Erst hatten wir Sorge, dass viel übrig bleibt“, sagt Busse (27). Die Gruppe hat nur ein paar Regalmeter Stauraum beim Studierendenausschuss. Es funktioniert aber. Bücher, Küchenzubehör bis hin zur Mikrowelle oder Kaffeemaschine, zwei Stepper, ein Plastikgehstock – findet alles ein neues Zuhause. Internationale Studierende profitieren besonders, so ihre Erfahrung. Die kommen mit wenig Gepäck in die Stadt und wollen sie auch nur leicht bepackt wieder verlassen, nach ein, zwei Semestern. Dazwischen brauchen sie aber auch: Sachen.

NÄCHSTE GELEGENHEIT

Nächster Umsonst-Flohmarkt ist am Montag, 20. Juni, von 11-19 Uhr, vor dem sogenannten Random White House. Das ist das ehemalige Bauleitgebäude auf dem Campus Westend, zwischen PA-Gebäude und Mensa. Bei Regen im Saal der Katholischen Hochschulgemeinde, Siolistraße 7. sky

Kontakt zur Drehscheibe über Mail: drehscheibe@goethesgreenoffice.de

Insta: @umsonstladen_drehscheibe Facebook: @umsonstladenggo

Noch ist der Tausch nur einmal im Monat möglich. Dem Team der Drehscheibe fehlt ein eigener Raum. Die katholische Hochschulgemeinde hilft aus, am Montag, 20. Juni, versuchen die jungen Leute es auch mal an der frischen Luft auf dem Campus Westend. Aber mit einem eigenen Raum könnten sie die Öffnungszeiten ausweiten. Zwei- bis dreimal die Woche und dann zu Semesteranfang und -ende nochmal intensiver. Das käme dem Prinzip des Teilens noch näher.

200 Menschen kommen

Idealisten sind sie, das kann man sagen. Träumerinnen und Träumer? Um es mit John Lennon zu sagen: Mag sein, aber alleine sind sie nicht. Im Schnitt schauen 200 Menschen bei einem Drehscheibetag vorbei. Die Teilerei ergibt ja auch Sinn. „Es schont Ressourcen, Sachen mehrfach zu verwenden“, sagt Busse, die Philosophie studiert. Was der ungezügelte Konsum in der Welt an Zerstörung anrichte, sehe man ja. Es sei auch günstiger, nicht ständig was Neues zu kaufen.

Volpert, der angehende Soziologe, betont noch die gesellschaftlichen Implikationen des Teilens. „Es ist inklusiv.“ Alle dürfen mitmachen, alle haben Zugriff auf die Sachen. Wenn sie denn da sind. Wenn sie gerade irgendwo genutzt werden, sollen sie da auch bleiben. Aber sobald man sie nicht mehr braucht, gehen sie zurück an die Allgemeinheit. So entsteht ein Kreislauf. Eine Bohrmaschine sei im Durchschnitt in ihrer ganzen Lebenszeit nur zehn Minuten in Betrieb, sagt Volpert. Sie könnte doch auch irgendwo anders nützlich sein. Und irgendwann geht es dann gar nicht mehr um die Sachen an sich. „Ein Umsonst-Laden ist einfach eine andere Form des Miteinanders“, sagt der 23-Jährige.

Die Idee möchte er nun auch in die Stadtgesellschaft hinein- tragen. Volpert ist Stipendiat der „Stadtteilbotschafter“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die unterstützt junge Menschen dabei, Projekte zugunsten der Allgemeinheit zu realisieren. Volpert tritt im Stadtteil Rödelheim an, sucht also auch dort einen Raum.

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