Justiz

Mobbing-Urteil: Unhöflich, aber keine Demütigung

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Das Amtsgericht entscheidet gegen eine Schülerin, die sich gemobbt fühlt und ihr Schulgeld zurück wollte.

Mitunter kann das Amtsgericht auch durchaus ein vollwertiger „Germany’s Next Topmodel“-Ersatz sein. Dies beweist etwa das Urteil in einem Rechtsstreit zwischen einer ehemaligen Kosmetikschülerin sowie ihrer einstigen Kosmetikschule. Das Gericht hat geurteilt, dass Streit zwischen Mitschülern und unhöfliche Äußerungen von Dozentinnen einer Kosmetikschule eine Schülerin nicht zur fristlosen Kündigung des Ausbildungsvertrags berechtigen, wenn sich die Streitigkeiten im Rahmen des sozial Üblichen hielten und die Äußerungen weder beleidigend seien, Mobbingcharakter trügen noch sonst einen schweren Vertrauensbruch darstellten.

Soweit das Generelle, nun zum Speziellen: Eine Frau, die bereits seit drei Jahren wegen angeblichen Mobbings in fachärztlicher Behandlung war, begann 2017 eine einjährige Ausbildung zur staatlich geprüften Kosmetikerin in einer Kosmetikschule der Beklagten - und zahlte für diese Ausbildung 5200 Euro im Voraus.

Doch bereits kurz nach Schulbeginn kam es zu einer ernsthaften Krise zwischen Auszubildender und Ausbilderin, weil der erstgenannte laut Amtsgericht „bei einem Probeschminken ein Kosmetikprodukt ins Auge geriet und sie ein schmutziges Stirnband aufsetzen sollte“. Die Klägerin fing daraufhin bitterlich zu weinen an, doch ihre Tränen vermochten das Herz der Dozentin nicht zu erreichen. Stattdessen schlug sie der Schluchzenden vor, „sie solle aufhören zu weinen, denn das ziehe bei ihr nicht“.

Ernsthaft an sich arbeiten

Damit nicht genug: Anschließend besprach die Lehrerin den Vorfall vor der gesamten Klasse, der sie mitteilte, die Schmerzensreiche habe „aus einer Mücke einen Elefanten“ gemacht und müsse ernsthaft „an sich arbeiten“. Auch der Hinweis der Schülerin, , sie habe einen Trauerfall in der Familie zu beklagen und habe darum derzeit nahe am Wasser gebaut, entlockte der Lehrerin zuerst lediglich ein heidiklumeskes „Boah, was denn nun schon wieder los?“. Anschließend aber gab sie der Klagenden dann doch einen Tag trauerfrei.

Aber da war das Verhältnis bereits zerrüttet. Und die Schülerin zog vor Gericht. Immer wieder, so die Klagende, hätte die Lehrerinnen einzelne Schülerinnen, vor allem aber sie gerügt, weil sie in ungebügelten Kitteln und ungeschminkten Lippen zur Schule gekommen seien. Sie fühle sich „durch von ihr als überheblich und eingebildet empfundenes Verhalten der Dozentinnen an den Pranger gestellt und gebrandmarkt, gemobbt und fortwährend gedemütigt“, kündigte den Ausbildungsvertrag und wollte mindesten 3800 Euro Schulgeld retour.

Zu Unrecht, urteilte das Landgericht. Zwar sei „vor allem die Zurechtweisung wegen des Tränenausbruchs und die Reaktion anlässlich des Trauerfalls durchaus unhöflich gewesen, die Vorfälle seien aber nicht als Mobbing oder Demütigungen zu bewerten“. Die „ insgesamt für eine fristlose Kündigung erforderliche Erheblichkeitsschwelle sei nicht überschritten“ worden. Zumal andere Reaktionen der Dozentinnen „ durchaus nachvollziehbar“ gewesen seien: „Die Beklagte habe – dem Ausbildungszweck in der Kosmetik entsprechend – auch auf ein gepflegtes Aussehen achten dürfen.“ Auch die behandlungsbedürftige seelische Vorbelastung der Klägerin berechtige nicht zur fristlosen Kündigung, weil diese schon bei Abschluss des Ausbildungsvertrags bekannt gewesen sei.

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. AZ: C 2036/18 (24)

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