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Ein Streifenwagen der Polizei im Einsatz bei einem Unfall. (Symbolbild)
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Polizei, Unfall (Symbolbild)

Gericht

Unfall in Bornheim: Lkw-Fahrer konnte Opfer wohl nicht sehen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Nach einem tödlichen Unfall auf der Berger Straße erweist sich die Beweisführung als schwierig. Weil der Fahrer das Opfer wohl nicht sehen konnte, wird das Verfahren eingestellt.

Frankfurt - Es ist ein schrecklicher Unfall, der sich am 9. Februar 2016 gegen 13.45 Uhr in Bornheim ereignet. Der Fahrer eines Sattelschleppers befährt, von einer Baustelle kommend, entgegen der Einbahnregelung die Berger Straße, will nach links in die Höhenstraße abbiegen und überrollt dabei eine 54 Jahre alte Fußgängerin, die gerade die Straße überqueren will. Die Frau ist sofort tot.

Bereits kurz nach dem Unfall schieben sich Baustellenleitung und Verkehrsdezernat gegenseitig die Schuld zu. Die Baustellenbetreiber sagen, sie hätten eine Genehmigung gehabt, die Berger in falscher Richtung zu befahren. Das Verkehrsdezernat dementiert – und hat, wie sich später zeigt, recht.

Unfall in Bornheim: Verfahren wird eingestellt

Am Mittwochmorgen (24.11.2021) nun müssen sich der 62-jährige Sattelschlepperfahrer und die 57-jährige Baustellenleiterin wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Eigentlich hätte auch noch der 44 Jahre alte damalige Einweiser auf die Anklagebank gesollt, aber der ist schon lange nach Portugal zurückgekehrt und nicht auffindbar.

Die 57 Jahre alte Angeklagte, die es versäumt haben soll, einen Antrag zur Berger-Befahrung entgegen der Einbahnstraße einzureichen, dementiert, dort jemals Baustellenleiterin gewesen zu sein. Stattdessen sei sie ganz neu im Unternehmen und lediglich auf der Baustelle gewesen, damit es eine Ansprechpartnerin gegeben hätte, die Deutsch versteht. Die Beweisführung ist knifflig, da diese Baustelle so funktionierte wie seit Jahren sämtliche Baustellen in Deutschland: Die Betreiber beauftragen Subunternehmen damit, Sub-Subunternehmen zu finden, die dann die Arbeit machen. Neben Lohndumping und Abgabenvermeidung sind verwirrende Zuständigkeiten ein weiterer Effekt dieser Praxis.

Der Lkw-Fahrer beteuert, die Frau nicht gesehen zu haben. Von den 29 geladenen Zeugen variieren die Erinnerungen der 15 angehörten in Details, einig aber sind sich alle, dass der Lkw-Fahrer Schrittgeschwindigkeit gefahren sei. Nach der Aussage des Sachverständigen, nach seinen Berechnungen habe „der Fahrer die Frau gar nicht sehen können, auch nicht vor dem Unfall“, ist die Sache so ziemlich gelaufen – und das Verfahren gegen beide Angeklagten wird am frühen Abend eingestellt.

Unfall in Bornheim: Lkw-Fahrer kann nicht mehr fahren

Der Gutachter sagt, dass vermutlich selbst ein zweiter Einweiser den Unfall nicht verhindert hätte. „Die Leute hören nicht, das können Sie vergessen!“ Einweiser würden bestenfalls ignoriert, meistens aber auch beschimpft. Und es werde immer schlimmer. Erst am Vortag habe er einen Unfall aufgenommen, bei dem sämtliche Verkehrsteilnehmer über die Absperrungen gefahren seien, laut zeternd, sie müssten ganz schnell irgendwohin.

Dem Lastwagenwagenfahrer ist der Unfall noch sehr gegenwärtig. Bis zu diesem Tag sei er unfallfrei gefahren, „ich habe immer ganz besonders auf Fußgänger geachtet“. Nach dem Unfall habe er der Frau zu Hilfe eilen wollen, aber da sei nichts mehr zu machen gewesen. Dafür hätten ihn plötzlich etwa 30 Passanten umringt, als „Mörder“ beschimpft und ihn bedrängt. „Ein Kollege mit Schaufel“ und ein Helfer vom Roten Kreuz hätten ihn dann gemeinsam vor den Wütenden gerettet.

Für kurze Zeit habe er noch Lkw fahren können, aber dann habe ein Kollege ein Mädchen totgefahren, das habe ihn „getriggert, alles kam wieder hoch, und ich konnte einfach nicht mehr fahren“. Und dann? „Psychologische Klinik, Reha-Klinik, Trauma-Klinik … und dann haben die mich ausgemustert , einfach in Rente geschickt.“

Einer seiner als Zeuge geladenen Ex-Kollegen, der nach fünf Stunden Warten ungehört entlassen wird, nutzt die Wartezeit, um die Zeugenliste im Aushang zu studieren. „So viele Menschen gab es auf der ganzen Baustelle nicht“, staunt er. Und glaubt nun vermutlich, das Amtsgericht Frankfurt beschäftige für die Zeugenladung ein Subunternehmen, das nach Stückzahl entlohnt wird. (Stefan Behr)

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