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Mustafa Pekdemir (links) berichtet Rainer Maucher, Hertie-Stiftung, von der Lage der Käs.

Kabarett- und Kleinkunstbühne

Unerwartete Hilfe für die Frankfurter „Käs“

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Die Frankfurter Kabarett- und Kleinkunstbühne Die Käs ist nach der Corona-Zwangspause wieder offen. Sie erhält 10 000 Euro von der Hertie-Stiftung.

Mustafa Pekdemir, Geschäftsführer der Frankfurter Kabarett- und Kleinkunstbühne Die Käs, muss grade gut jonglieren können. Seit 25. August ist sein Haus in der Waldschmidtstraße nach der Corona-Zwangspause wieder offen, die neue Saison begann kurzfristig eine Woche früher als eigentlich geplant. Auch am Montag, bisher Ruhetag der Käs, wird nun gespielt. „Wir haben grade 14-Stunden-Tage“, sagt Pekdemir.

Die langfristige Programmplanung ist Makulatur: Viele Künstler sagten ihre Auftritte ab, manche hatten hingegen nun auch ganz kurzfristig Termine frei. Bei anderen lief der Vorverkauf so schlecht, dass sich ein Auftritt nicht gelohnt hätte. Und dann gibt es noch Konzerte, die sind seit mehr als einem halben Jahr ausverkauft, doch statt der damals noch möglichen 199 Sitzplätze darf die Käs aktuell maximal 60 bis 80 Zuschauer beherbergen - da muss man wirklich ein guter Jongleur sein.

Der hohe Saal in der historischen Industriehalle bietet immerhin ganz gute Bedingungen für einen Theaterbetrieb in Pandemiezeiten. „Wir haben eine hervorragende Lüftung und setzen die einzelnen Besuchergruppen weit voneinander weg“, berichtet Pekdemir. Ganz langsam laufe der Besucherbetrieb wieder an.

Kamen in den ersten Tagen gerade mal 30 Gäste, spricht es sich nun offenbar herum, dass die Käs wieder da ist. „Wir brauchen Leute, die Karten kaufen und weitererzählen, dass sie hier waren“, betont Pekdemir. Die jüngsten Auftritte seien schon recht gut besucht gewesen, fast an der Kapazitätsgrenze. „Wenn das so bleibt, können wir eine Weile überleben“, hofft der Geschäftsführer. „Aber Corona wird sicher nicht von heute auf morgen verschwinden. Ich bin optimistisch, dass wir die Kurve kriegen.“

Für die fünf Angestellten waren es schwierige Monate. Die Einnahmen des rein privat finanzierten Theaters waren weggebrochen. „Wir haben zu unseren Mitarbeitern gehalten, aber das ging an die Substanz“, sagt er. Die frei beschäftigten studentischen Hilfskräfte verloren allerdings ihre Einnahmen. Wenigstens gehört die Immobilie des vor 23 Jahren vom Ehepaar Sinasi Dikmen und Ayse Aktay gegründeten Theaters der Stadt Frankfurt, so ist die Miete noch bezahlbar.

Die Käs hatte aber doch auch ein bisschen Extra-Glück: Die Hertie-Stiftung, die ihren Sitz in Frankfurt hat, konnte etliche Kultureinrichtungen unterstützen. 10 000 Euro bekam die Bühne, ähnlich hohe Summen gingen an das English Theatre, Michael Herls Stalburg-Theater, das Neue Theater Höchst und den Verein Kulturzeiterin. Insgesamt machte die Stiftung sogar 300 000 Euro für Frankfurter Einrichtungen locker, unter anderem für den Kobelt-Zoo oder für Lerncamps für Schüler.

„Normalerweise verlangen wir ein genaues Konzept, wenn wir etwas fördern“, sagt Rainer Maucher, Geschäftsführer Vermögensmanagement der Stiftung. „In diesen Zeiten haben wir aber bewusst darauf verzichtet, das an Bedingungen zu knüpfen. Wir maßen uns gar nicht an zu wissen, was in dieser Krise am besten hilft. Orte wie die Käs gibt es nicht viele.Wir wollen ein interessantes, vielfältiges Umfeld erhalten.“ Die Käs werde die Zuwendung in neue Technik investieren, erzählt Pekdemir und sagt froh: „Für uns ist diese Hilfe eine Riesenüberraschung.“

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