Erinnerung

Die unerträgliche Schwere

Vom Schreiben, Schaffen, Schuften und Genießen

An einem sonnigen Augustmorgen führten Felix Helbig und ich ein Interview in Aschaffenburg. Nach dem Gespräch eilten wir zurück zum Bahnhof, um mit der nächsten Regionalbahn zurück nach Frankfurt zu fahren. In der Altstadt kamen wir an einem Café vorbei, draußen im Schatten einladende kleine Tische. „Wir könnten jetzt ganz schnell in die Redaktion oder…“, sagte ich. Und dann saßen wir bei einem guten Kaffee und genossen den Morgen. Trotzdem standen am nächsten Tag Felix’ Texte in der Zeitung.

Man musste Felix Helbig nie zweimal fragen, ob er einen Moment genießen wollte. Obwohl er so leidenschaftlich arbeitete, wirkte er nie gestresst und nie abweisend. Zeit für ein Gespräch hatte er immer.

Es ist diese Leichtigkeit, mit der er durch den Redaktionstag wandelte, die mich fasziniert. Dabei arbeitete er hart und ging auch Risiken ein – wie erst vor wenigen Monaten, als er ein großes Neonazi-Konzert im französischen Toul beobachtete, um auf diesen Skandal aufmerksam zu machen.

Es ist nicht möglich, etwas zu finden, was einen über den Verlust dieses wunderbaren Kollegen trösten könnte. Nur der Gedanke beruhigt ein wenig, dass Felix fast die Hälfte seines Lebens beruflich tat, was er innigst liebte.

Sein Lächeln, wenn er in die Redaktion kam, seine herzliche Begrüßungen, wenn man sich beim Stammtisch traf, sein Sprachwitz – aber vor allem seine Leichtigkeit im oft stressigen Berufsalltag werden mir fehlen.

Viktor Funk

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