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Und täglich grüßt der Schwurbeloffizier

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Von: Stefan Behr

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Beteiligte und Publikum im Frankfurter Prozess gegen Franco A. sind gefangen in einer von dessen Verteidiger verursachten Zeitschleife - ein Entkommen scheint aussichtslos

Der Prozess gegen Franco A. ist mittlerweile so etwas wie der VW Käfer der Frankfurter Strafverfahren: Er läuft und läuft und läuft …

Eigentlich hätte die Beweisaufnahme am vergangenen Verhandlungstag schon beendet sein sollen, da kündigte A.s Verteidiger Moritz David Schmitt-Fricke 15 Beweisanträge ex machina an, von denen er zwei sofort präsentierte. Die restlichen 13 versprach er, am gestrigen Verhandlungstag nachzulegen und zuvor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts per Mail zukommen zu lassen.

Passiert ist von alledem nichts. Als Mail hat der Senat lediglich die zwei bereits gestellten Beweisanträge geschickt bekommen – und das mit einer Anzahl an Schreib- und sonstigen Fehlern, die den Vorsitzenden Richter Christoph Koller dazu zwingen, diese mit ungenügend zu zensieren. Und dem Anwalt zumindest verbal die Eselskappe aufzusetzen: „Sie arbeiten nicht gründlich, Sie halten Absprachen nicht ein. Nehmen Sie diese Verteidigung nicht ernst?“

Die Frage bleibt offen. Als gesichert kann hingegen gelten, dass Schmitt-Fricke nichts zu peinlich ist. Dank der zwei bereits gestellten Anträge wurden am Donnerstag zwei Zeugen aus dem Preungesheimer Gefängnis gehört, in dem A. nach dem missglückten Versuch, eine gebunkerte Pistole am Wiener Flughafen abzuholen, einsaß. A. fühlt sich dort ungerecht hart behandelt, was, wenn das Gericht es ähnlich sähe, sich beim Urteil strafmildernd auswirken könnte, mit der Anklage (Vorbereitung eines Terroranschlags, Betrug, Verstoß gegen das Waffengesetz) aber nichts zu tun hat.

Die fünf Beweisanträge, die Schmitt-Fricke am Donnerstag zumindest mündlich vortrug, betreffen alte Kameraden A.s, die als Zeugen aussagen sollen, dass der Bundeswehroffizier gar kein Antisemit und Verschwörungstheoretiker mit Umsturzfantasien sei. Dass er genau das ist, hat die Beweisaufnahme längst geklärt, und selbst A.s zweiter Verteidiger Johannes Hock hatte unlängst in einem seiner lichteren Momente festgestellt, dass im Prozess zu viel über A.s Gesinnung geredet werde – die sei vielleicht eklig, aber weder strafbar noch Gegenstand der Anklage.

Auf der nach oben offenen Schmitt-Fricke-Skala drohen jetzt noch mindestens acht weitere Beweisanträge. In schier grenzenloser Großmut und wohl auch zur Vermeidung von Revisionsgründen hat Richter Koller nun die Frist für diese Anträge bis zum übernächsten Verhandlungstag am 17. Februar verlängert. Und den Anwalt eindringlich gebeten, diese vorher dem Senat als Mail zu schicken. Der Mann hat Humor!

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