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Er macht gerade schwere Zeiten durch: der Frankfurter SPD-Parteichef Mike Josef.

Mike Josef

„Unanständig, was bei der AWO läuft“

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Mit einer emotionalen Rede versucht Parteichef Mike Josef der SPD Mut zu machen. Die Basis dürfe nicht aus falsch verstandener Solidarität den Mund zu halten.

Die Zeiten waren nie einfach, wir haben es immer geschafft“: In einer emotionalen und kämpferischen Grundsatzrede hat der Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef seine Partei aufgefordert, den Mut nicht sinken zu lassen. Der 36-Jährige sprach zum Auftakt einer SPD-Versammlung im Haus am Dom in Frankfurt. Vor knapp 200 Menschen verurteilte Josef scharf die Vorgänge bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Es ist durch und durch unanständig, was da läuft!“

Die Wohlfahrtsverbände leisteten insgesamt sehr gute Arbeit. „Es kann nicht sein, dass Einzelne versuchen, das in fast schon krimineller Weise für sich auszunutzen.“ Josef warnte die SPD-Basis davor, „aus falsch verstandener Solidarität den Mund zu halten“. Solidarität höre dort auf, wo Fehlverhalten deutlich werde. Der SPD-Chef forderte einen Neuanfang der AWO mit „komplett neuem Personal und neuen Strukturen“. Wer selbst moralische Maßstäbe setze, könne nicht gegenteilig handeln. Bei der AWO aber hätten führende Funktionäre „in Saus und Braus gelebt“.

Kritik kommt aber auch aus den Untergliederungen der AWO: Klemens Mielke, Chef des größten Frankfurter Ortsvereins der AWO in Nied, sucht mit Anderen eine glaubwürdige Führungsperson für einen neuen Anfang.

Josef warnte die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen vor ständigem öffentlichem Streit. „Wenn wir uns nur noch streiten und gegenseitige Vorwürfe machen, haben die Rechtspopulisten ihr Ziel erreicht.“ Sie würden dann bei den Wahlen profitieren, ohne eigene Ideen zu haben.

Josef ging dann darauf ein, dass sein wichtigstes Vorhaben als Planungsdezernent, ein neuer Stadtteil für 30 000 Menschen im Frankfurter Norden, kürzlich gescheitert war. Verwirklicht werden kann jetzt nur noch ein Drittel der geplanten 11 000 Wohnungen. Aus seiner eigenen Biografie heraus könne er sagen, so Josef, dass das Leben Rückschläge bringe. „Es heißt dann, aufzustehen, den Mund abzuwischen und weiterzukämpfen“, sagte der Sozialdemokrat unter dem Beifall der Zuhörer. Josef war als Kind syrischer Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

Er rief die SPD zu „Durchhaltevermögen“ und „Geduld“ auf. Josef kündigte an, die Sozialdemokraten würden die Frankfurter Innenstadt „zu einer Begegnungszone ausweiten“. Es gehe darum, Fußgängern und Radfahrern mehr Raum zu geben sowie attraktive öffentliche Räume zu schaffen. Man werde die Ladestationen für Elektroautos in Frankfurt massiv ausbauen. Es sei klar, dass es dabei Widerstände geben werde, aber durch Widerstände schaffe man sich auch politisches Profil, sagte Josef.

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