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Biene

Auszeichnung für Frankfurter Projekt

UN zeichnet Bienenprojekt des Frankfurter Garten aus

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Der Lehrpfad im Frankfurter Garten wird am Freitag preisgekrönt. Am Wochenende gibt es dort viel zu erleben.

Die Biene – was wären wir ohne sie? Als Wappentier für den Erhalt der Artenvielfalt gewinnt sie zurzeit weltweit Fans und jede Menge Menschen, die sich für sie stark machen. Zwei von diesen Menschen wird an diesem Freitag hohe Ehre zuteil: Cher und Corina Haurova erhalten den Preis für biologische Vielfalt der UN-Dekade.

Ausgezeichnet wird ihr Projekt „Ein Bienenbaum-Wipfelpfad im Herzen Frankfurts“, und was soll man sagen? Das lässt sich nachvollziehen. Denn wer einmal auf den hölzernen Stufen hinaufgekraxelt ist in die Höhe über dem Danziger Platz, wer auf der Hängebrücke hinübergestiegen ist in den Wipfel der großen Platane, wer das pralle Bienenleben dort droben in einer der Klotzbeuten erlebt hat, der ist fasziniert. Und der will auch mehr darüber erfahren, wie man den Bienen am besten dabei hilft, uns Menschen beim Überleben zu helfen.

Wie leben Wildbienen wirklich?

Klotz- was? Eben. „Früher wurde den Leuten vermittelt, der natürliche Lebensort der Bienen seien diese eckigen Kästen der Imker“, sagt Corina Haurova. „Für viele ist es ein Aha-Erlebnis zu sehen, wie Wildbienen wirklich leben.“ Nämlich beispielsweise in Klotzbeuten. Das sind hohle Baumstämme mit einem Deckel aus Kupfer drauf. Da können sich die Bienen selbst einrichten – und müssen ihren Honig auch nicht an die Menschen abgeben.

Am Freitag, 7. Juni, 15 Uhr, überreicht die Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer (Grüne) den Preis für biologische Vielfalt der UN-Dekade an den Verein Bienen-Baum-Gut im Frankfurter Garten am Danziger Platz. Es gibt Livemusik, Kaffee und Kuchen, alles bio.

Schon um 12 Uhr am Freitag beginnt dort ein großes „Tiere im Garten“-Programm für das ganze Wochenende, unter anderem mit Nistplatzwerkstatt, Suppen-, Gemüse- und Wildkräuterküche, Führungen und Kinderspielen. Manches ist mit Anmeldung. Info: www.neuerfrankfurtergarten.de.

„Wir nennen uns nicht Imker“, sagt Cher Haurova. „Wir sind Naturschützer. Wir geben den Bienen die Möglichkeit, selbstständig zu leben.“

Das war auch der Ursprung des Vereins Bienen-Baum-Gut. Aus dem Engagement für die Bestäuberinnen wuchs sehr bald die Verantwortung für den ganzen Frankfurter Garten am Ostbahnhof, den die Haurovas inzwischen komplett betreiben. Und der auch genaugenommen ein Bienenpfad in sich ist, denn die Frauen betrachten, was sie tun, als ganzheitliche Angelegenheit. Das Gemüse, das sie pflanzen, ist gänzlich bio. Die Tomaten wehren sich gegen ungebetene Knabberinsekten mit Basilikum in der Nachbarschaft – keine Chemie erforderlich. „Die Bienen brauchen die Biodiversität um sich herum“, sagt Cher Haurova, „und die Biodiversität braucht die Bienen.“ Zum Konzept gehören auch die Kupferdeckel der Klotzbeuten. „Bienen können elektromagnetische Strahlung spüren“, erklären die Betreiberinnen. „Magnetische Deckel würden sie stören.“ Ähnliches gelte für Stromleitungen.

Bienenpfad am Danziger Platz in Frankfurt

Der Bienenpfad am Danziger Platz, am Boden und in der Höhe, soll auch darüber informieren, was jeder tun kann für die biologische Vielfalt und was sich politisch ändern müsste. Wer will, kann seine Ideen auf Zettel schreiben und am Baum aufhängen. Mit Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sind sich die Haurovas einig darüber, dass in viel mehr Frankfurter Grünanlagen natürliche Bienenunterkünfte stehen oder hängen sollten. Abgestorbene Bäume etwa, in sechs Metern Höhe gekappt und ausgehöhlt, wären ideal. Grundsätzlich geht es darum, etwas wie Vogelhäuschen zu etablieren – nur eben für Bienen. „Man muss aber auch nicht unbedingt Bienenhotels zur Verfügung stellen“, sagt Corina Haurova. „Holzbienen sind schon mit einem alten Stück Holz zufrieden, die bohren sich selbst ihre Löcher hinein.“

Im Frankfurter Garten, den die beiden Frauen ehrenamtlich mit Spenden betreiben, darf jede und jeder mitarbeiten, lernen, Wissen weitergeben. Wer möchte, kann zur Führung vorbeikommen, am besten mittwochnachmittags gegen 17 Uhr. Kinder sind dann regelmäßig von den Socken: „Ist das ein Baumhaus?“ – „Nein, da wohnen die Bienen.“

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