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Umzug Europäische Schule Frankfurt: Hindernisse auf dem Weg zum Festplatz

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Von: Sandra Busch

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Der Festplatz in Frankfurt-Bornheim wird möglicherweise die neue Heimat für die Europäische Schule. christoph Boeckheler
Der Festplatz in Frankfurt-Bornheim wird möglicherweise die neue Heimat für die Europäische Schule. christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Vieles spricht für den Umzug der Europäischen Schule Frankfurt auf den Festplatz, doch ganz einfach ist es nicht. Der Schulleiter hat dabei auch Bauchschmerzen.

Seit Jahren wird nach einem geeigneten Standort für die Europäische Schule in Frankfurt gesucht. Nun geht es auf die Zielgerade. Der Festplatz am Ratsweg soll ihre neue Heimat werden. Wahrscheinlich. „Einen Beschluss für einen bestimmten Standort gibt es noch nicht“, sagen die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Römer, Tina Zapf-Rodriguez und Dimitrios Bakakis. „Der aktuelle Vorschlag könnte eine gute Lösung für alle sein, es sind allerdings noch offene Fragen und Probleme zu besprechen.“

Eine gute Lösung also. Damit ist man sich mit den Koalitionspartnern SPD, FDP und Volt einig. „Es ist von allen Ideen die beste“, sagt Sylvia Kunze, bildungspolitische Sprecherin der SPD. Der Standort sei für eine Schule sehr attraktiv, gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Volt unterstützt die Idee ebenfalls. „Die Fläche ist auch bereits versiegelt“, sagt die planungspolitische Sprecherin Elisa Grote.

Regelmäßig geriet die alte Koalition in Streit über die Standortfrage

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat die Stadt dem Bund einen neuen Standort für die Europäische Schule versprochen. Die wurde 2002 für Kinder von Mitarbeiter:innen der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer europäischer Institutionen gegründet und ist in der Nordweststadt in unmittelbarer Nähe der Ernst-Reuter-Schule beheimatet. Allerdings platzt sie aus allen Nähten. 1600 Schüler:innen werden dort unterrichtet, in den nächsten fünf bis sieben Jahren sollen es rund 2300 sein.

Viele Standorte waren schon für die ESF im Gespräch. Die alte Koalition aus CDU, SPD und Grünen geriet über die Standortfrage regelmäßig in Streit. Mainwasen, Kaiserlei, Erweiterung am Platz in der Nordweststadt – Konsens gab es nie. Beim Festplatz sieht es jetzt besser aus. „Es scheint der Standort zu sein, auf den sich alle einigen können“, sagt Kunze. Und Julia Frank, die planungspolitische Sprecherin der Grünen, meint: „Wir müssen da in die Pötte kommen. Mit der neuen Koalition kommt endlich Bewegung rein.“

Gespräche mit der Messe stehen an

Doch es gibt eben noch einige Probleme auf dem Weg zum Standort in Bornheim. Da wäre der Festplatz. Der, so die Idee, soll dann umziehen auf den Messeparkplatz am Rebstock. Dazu stehen noch Gespräche mit der Messe aus, in denen es um die Zufahrt für Lastwagen an die Messe geht. „Die Messe rechnet in Zukunft mit eher mehr als weniger Lastwagenverkehr“, sagt Kunze. Lösungen müssten gefunden werden. „Aber niemand hat gesagt, dass das gar nicht geht.“

Dann geht es auch um Parkplätze. Die Löwen, die Frankfurter Eishockey-Mannschaft, spielen in der Eissporthalle am Festplatz, das neue Panoramabad wird am Rand gebaut. Ganz ohne Parkplätze geht es nicht. „Um dieses Problem zu lösen, wird auch über ein Parkhaus nachgedacht“, sagt Kunze.

Internationale Schulen in Frankfurt

ERASMUS FRANKFURTER STADTSCHULE,

Ostend, G9-Gymnasium, Grundschule, trilinguale Schule (Deutsch, Englisch, Spanisch).

FRANZÖSISCHE SCHULE LYCEE VICTOR HUGO, Praunheim, Vorschule, Grundschule und Gymnasium, Unterricht in Deutsch und Französisch.

INTERNATIONALE SCHULE, Sindlingen, englischsprachige internationale Ganztagsschule mit täglichem Deutschunterricht, Gymnasium mit Kindergarten sowie Vor- und Grundschule.

JAPANISCHE INTERNATIONALE SCHULE, Hausen, Grundschule und Gymnasium, Unterricht in japanischer Sprache.

METROPOLITAN SCHOOL FRANKFURT,

Rödelheim, Jahrgangsstufen 1 bis 12, Unterricht in Englisch, Deutsch wird auf unterschiedlichen Niveaus unterrichtet.

Und schließlich ist die Größe des Geländes ein Thema. Es ist nicht ganz so groß, wie es nach den Vorstellungen der Schule nötig wäre. „Aus pädagogischer Sicht habe ich wegen der Größe Bauchschmerzen“, sagt Schulleiter Ferdinand Patscheider. Die Schule besuchten Kinder im Alter von vier bis siebzehn Jahren, „und wir haben ein pädagogisches Konzept mit abgegrenzten Räumen entwickelt“. Ein Kindergartenkind etwa brauche eine andere Heimat als ein älterer Schüler. „Und der Festplatz ist noch kleiner als das derzeitige Grundstück.“

Sebastian Papke, planungspolitischer Sprecher der FDP, glaubt, dass der Bau in Bornheim dennoch realisiert werden kann. „Wir können eine Lösung finden, nach der die Schule auf das Grundstück passt“, sagt er. „Kreativer und platzsparender bauen, in die Höhe gehen.“ Wobei für Patscheider ein „fünfstöckiger kompakter Bau“ nur schwer mit dem pädagogischen Konzept vereinbar ist. Aber: „Nichts ist unmöglich, es bräuchte eine sehr gute Planung“, sagt er. „Wir versperren uns nicht.“ Denn die Location sei prinzipiell gut.

Geprüft wird, ob angrenzende Kleingärten genutzt werden können

Geprüft wird auch, ob die angrenzenden Kleingärten dazugeholt werden können. „Aber wenn das nicht machbar ist, kann das kein No-go-Kriterium sein“, sagt Papke. Und laut Frank muss endlich ein Standort gefunden werden, „denn es ist erheblicher Druck drauf, dass das erledigt wird“. Auch nach Kunzes Einschätzung spricht alles für den Festplatz als Standort: „Was Besseres finden wir nicht mehr.“

In den Diskussionsrunden und Whatsapp-Gruppen der Eltern der Europäischen Schule war am Mittwoch einiges los, wie eine Mutter berichtet. Viele begrüßten den möglichen Standort an der Eissporthalle, sagt sie, auch weil die EZB ganz in der Nähe liege. Sie hoffe sehr, dass das rasch umgesetzt werde. „Meine Kinder sind sieben und zehn Jahre alt und in ihrer gesamten bisherigen Zeit an der Europäischen Schule fast nur in Containern unterrichtet worden.“ Sie hoffe, dass es mit einem Neubau schnell gehe.

Ein Vorteil eines großzügigen Neubaus sei auch, dass es dann mehr Platz für Kinder gebe, deren Eltern nicht bei den EU-Organisationen EZB, der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA und der europäischen Weltraumagentur ESA arbeiten. Bisher würden diese nur aufgenommen, wenn noch Plätze frei sind.

Zöge die Europäische Schule auf den Festplatz, wäre auch klar: Als Alternative fürs Gymnasium Ost etwa, dessen ursprünglich geplanter Standort nahe dem Günthersburgpark in der Diskussion ist, käme der Festplatz nicht mehr infrage. Aber für Kunze steht sowieso fest, dass das Gymnasium Ost an den Park ziehen soll, und Frank betont, „die Europäische Schule ist an der Reihe. Sie wartet schon so lange“.

Britta Wollkopf, die bildungspolitische Sprecherin von Volt, betont, eine baldige Entscheidung für den Festplatz werde „die sehr angespannte Lage im Bereich Schulbau für Frankfurt auch insgesamt entlasten“. Die Kosten und Planungen für die ESF trage der Bund, und „es kann überprüft werden, ob der alte Standort der ESF weiterhin für Bildungszwecke genutzt werden kann“. mit aph

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