1. Startseite
  2. Frankfurt

Umweltverbände fordern: „Wassernotstand für ganz Hessen ausrufen“

Erstellt:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Nahezu alle hessischen Gewässer leiden unter der Folge des sinkenden Grundwassers. Jetzt fordern Umweltschutzverbände einen landesweiten Wassernotstand.

Frankfurt – Gleich mehrere hessische Umweltschutzverbände fordern die Landesregierung angesichts der Dürre auf, den Wasserverbrauch einzuschränken. Etwa durch das Verbot, Pools zu füllen, den Rasen zu sprengen oder Autos zu waschen. Doch das Land verweist auf Städte wie Frankfurt.

Im Rhein laufen die Schiffe auf Grund, die Ernte verdorrt auf dem Acker, Bäche fallen trocken, und aus Wiesen werden Steppen: Die Wassernot in Hessen ist augenscheinlich groß. Nun fordern Umweltschutzverbände einen landesweiten Wassernotstand.

30 Grad und kein Regen weit und breit. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage und Wochen macht wenig Hoffnung, dass die Dürre gemildert werden könnte. Mehrere Umweltverbände haben deshalb nun in einem Offenen Brief Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) aufgefordert, sofort einen landesweiten Wassernotstand auszurufen.

Frankfurt: Das nördliche Mainufer am Untermainkai. Die Wiesen sind vertrocknet wegen der Hitze und der Dürre.
Frankfurt: Das nördliche Mainufer am Untermainkai. Die Wiesen sind vertrocknet wegen der Hitze und der Dürre. © Oeser

Viel Wasser verdunstet - kommt jetzt der Wassernotstand für Hessen?

Bereits seit Beginn der Trockenperiode im Jahr 2018 litten so gut wie alle hessischen Gewässer sowie das Grundwasser unter dem Mangel an Niederschlägen. Aufgrund der hohen Temperaturen verdunste zudem viel Wasser. Weil der Nachschub ausbleibe, seien viele Abschnitte an Bächen bereits biologisch tot, heißt es mahnend in dem Schreiben.

Selbst wenn es in den nächsten Monaten bis in den Winter hinein ausgiebig regnen würde – was nicht zu erwarten sei – könne sich das schwindende Grundwasservorkommen nicht auffüllen, da der Niederschlag nur äußerst langsam durch die ausgehärteten, trockenen Böden dringe. Nun müsse die Landesregierung handeln, bevor die Lage noch prekärer werde.

Unterzeichnet ist der Brief vom Landesverband der Naturfreunde Hessen, der Arbeitsgemeinschaft Rettet den Burgwald, der Schutzgemeinschaft Vogelsberg sowie dem Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Wassernotstand in Hessen gefordert: Auto waschen schon jetzt in mehreren Kommunen verboten

Die Rechtslage, die einen landesweiten Notstand ermöglichen würde, ist indes nicht einfach. Denn eigentlich ist es Sache der Kommunen, eine Reduzierung des Wasserverbrauchs anzuordnen. Einige Städte und Gemeinden beispielsweise im Taunus haben das bereits getan, andere sind kurz davor. Dann sind etwa Rasensprengen und das Befüllen privater Pools oder die Autowäsche untersagt.

In 13 Kommunen ist derzeit die Entnahme von Oberflächenwasser etwa aus Bächen oder Seen eingeschränkt oder ganz verboten. Doch in der Fläche beschränken sich die Verantwortlichen zumeist auf Appelle zum Wassersparen, so etwa auch in Frankfurt als Großverbraucher.

Hessisches Umweltministerium: Kommunen sind für das Ausrufen eines Wassernotstands verantwortlich

Zuständig für das Erlassen einer Gefahrenabwehrverordnung, die dem Wassernotstand entgegenwirken soll, sind also zunächst Städte und Gemeinden, Landkreise und zuletzt die drei hessischen Regierungspräsidien. „Erst wenn diese vorrangig anwendbaren lokalen bzw. regionalen Gefahrenabwehrverordnungen [...] aufgrund deren örtlicher Ausdehnung nicht (mehr) ausreichen, können als ultima ratio [...] Gefahrenabwehrverordnungen für das ganze Land oder Teile des Landes“ erlassen werden, heißt es dazu auf Anfrage aus dem Umweltministerium.

Und weiter: Das Land begrüße das Vorgehen der Kommunen zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser. Diese hätten genug Möglichkeiten, dies umzusetzen. Eine landesweite Verordnung ist damit nicht in Sicht.

Umweltverbände: Hessen muss den Wassernotstand ausrufen

Die Umweltschutzverbände indes halten dies bei weitem nicht für ausreichend. Es sei die Pflicht der Obersten Wasserbehörde, also des Umweltministeriums, juristisch verbindliche Schritte anzuordnen. Da dies ein Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung sei, müsse der landesweite Wassernotstand ausgerufen werden. Nur dann müssten die Kommunen die Anordnungen des Landes umsetzen.

Anfang der 1990er Jahre hatte es in Hessen bereits einmal eine entsprechende Gefahrenabwehrverordnung gegeben, und zwar für den Bereich des Regierungspräsidiums Darmstadt, also ganz Südhessen inklusive der Stadt Frankfurt. Das Regierungspräsidium hatte am 28. Juni 1993 den Wasserverbrauch per Verordnung eingeschränkt. Auch damals gab es eine anhaltende Trockenperiode mit niedrigen Grundwasserständen.

Umweltschutzverbände: Hessen tut nicht genug, um der Dürre zu begegnen

Die Situation heute sei mit damals allerdings nicht vergleichbar, argumentiert das Umweltministerium. So seien seitdem eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen für ein nachhaltiges Wasser-Ressourcen-Management ergriffen worden. Dazu gehörten der Grundwasser-Bewirtschaftungsplan für das Hessische Ried, die Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser im mittleren und südlichen Teil des Rieds, besondere Sorgfalt bei der Erteilung neuer Wasserrechte sowie die Verankerung von sogenannten Grenzgrundwasserständen, also ein Mindestpegel des Grundwassers.

Nach Ansicht der Umweltschutzverbände genügt das allerdings nicht, um der aktuellen und wahrscheinlich noch länger anhaltenden Dürre zu begegnen. (Peter Hanack)

Auch der Frankfurter BUND fordert, mehr Rücksicht auf Wasser zu nehmen.

Auch interessant

Kommentare