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Bei Herbstein wurden an einem Bachlauf Teiche angelegt. Damit wird der Hochwasserschutz verbessert und das Grundwasser angereichert. Außerdem sind damit noch Löschteiche bei Waldbränden entstanden.
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Bei Herbstein wurden an einem Bachlauf Teiche angelegt. Damit wird der Hochwasserschutz verbessert und das Grundwasser angereichert. Wolfgang Schleich

Trockenheit

Umweltschützer mahnt: „In Frankfurt früh den Wassernotstand ausrufen“

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Trotz des Regens im Frühjahr ist der Mangel an Grundwasser noch immer groß. Nun will Frankfurt gegensteuern – doch im Vogelsberg, woher viel des Wasser für die Metropole kommt, sind die Zweifel groß.

Königstein im Taunus ruft den Wassernotstand aus, Hessenwasser vermeldet bereits wieder Spitzenwerte beim Wasserverbrauch. Das vergleichsweise feuchte Frühjahr hat offenbar kaum Entlastung gebracht nach den trockenheißen Sommern und niederschlagsarmen Wintern der vergangenen Jahre. Die Ankündigungen aus Frankfurt indes, nun endlich sorgsamer mit dem kostbaren Nass umgehen zu wollen, stoßen im Vogelsberg und dem Burgwald, von wo große Mengen des Frankfurter Wassers kommen, auf Unglauben.

Das Ärgernis ist gut 100 Kilometer lang und transportiert Grundwasser aus dem Vogelsberg gen Frankfurt. Und zwar jede Menge. Rund 45 Millionen Kubikmeter fließen jährlich in das Leitungsnetz der Metropole, ein Drittel des Gesamtbedarfs. Die Pipeline geht auf Beschlüsse des Frankfurter Magistrats von 1872 zurück, und fast ebenso alt ist der Streit ums Wasser.

Endlich mal wieder Schnee

„Der vergangene Winter war ja der erste seit 2003, der ordentlich Schnee gebracht hat. Insofern sind zumindest die oberflächennahen Vorkommen wieder einigermaßen aufgefüllt“, berichtet Hans-Otto Wack. Wack ist Ökologe und Mitglied der Schutzgemeinschaft Vogelsberg. Was er sagt, ist allerdings alles andere als eine Entwarnung. Denn: „Das tiefe Grundwasser hat noch nicht genügend abbekommen.“

Ähnliches berichtet Anne Archinal, die sich für den Schutz der Grundwasservorkommen im Burgwald bei Marburg engagiert. Auch von dort fließt Wasser nach Frankfurt. „Aktuell sieht es oberflächlich etwas besser aus, aber die Vorräte im Boden sind längst nicht aufgefüllt“, sagt sie.

Trinkwasser-Cent wäre gut

Beide blicken mit Skepsis auf die Äußerungen von Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die die vermehrte Nutzung von Mainwasser angekündigt und den Aufschlag von einem Cent auf den Kubikmeter vorgeschlagen hat, um das Vorhaben zu finanzieren. „So ein Cent wäre eine gute Sache, 13 von 16 Bundesländern haben so etwas“, sagt Archinal. Allerdings habe Heilig bereits vor fünf Jahren bei einer Podiumsrunde im Frankfurter DGB-Haus Verbesserungen versprochen. „Passiert ist seitdem fast nichts“, sagt Archinal.

Die Idee eines Trinkwasser-Cents sei zweifelsohne gut, urteilt auch Wack. Ein „Kardinalfehler“ aber wäre es, wenn man mit hohem Aufwand Mainwasser zu Trinkwasser aufbereiten würde, um es dann in die WC-Spülung zu schütten. „Das kann man auch mit weniger aufwendig aufbereitetem Wasser machen“, sagt er.

In Frankfurt gebe es sehr viele Möglichkeiten, Brauchwasser zu nutzen. Für das neue Hochhaus an der Senckenberganlage habe die Schutzgemeinschaft Vogelsberg das durchgerechnet. 20 000 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr könnten dort allein für die Toilettenspülung eingespart werden. „Man könnte bei größeren Bauvorhaben anordnen, eine zweite Wasserleitung ins Haus zu legen, das würde bei Neubauten gerade einmal 20 Euro je Meter Leitung kosten“, sagt Wack. Auch die vier neuesten Hochhäuser, sagt Archinal, würden wieder ohne Brauchwasserleitungen errichtet. Offenbar fehle der politische Wille, so etwas durchzusetzen.

Verschwendung im Taunus

Dass Wasser knapp werden könnte, zeigt auch eine andere Nachricht. So meldet Hessenwasser vor zwei Wochen, die jüngste Hitzewelle habe den Trinkwasserbedarf in der Rhein-Main-Region erstmals im laufenden Jahr auf mehr als 400 000 Kubikmeter pro Tag ansteigen lassen. Genau 404 152 Kubikmeter waren es am 18. Juni – der Spitzenwert liegt bei 426 312 Kubikmeter und wurde am 26. Juni 2019 erreicht.

Angesichts dieser Zahlen ärgert Wack noch etwas anderes. Gerade im Taunus habe die Wasserverschwendung große Ausmaße angenommen. Gegenüber einem Normalwert von 120 Litern pro Person und Tag sei dort – wie auch in Frankfurt – der Spitzenverbrauch im Sommer auf 250 Liter hochgeschnellt. Appelle wie von Heilig, zu duschen statt zu baden und auf das Bewässern des Rasens zu verzichten, hält der Diplom-Ökologe für nutzlos. „Das sind Tipps aus den 90er Jahren“, sagt er. Diese Appelle gingen ins Leere. Das sehe man ja, wenn überall die Swimmingpools befüllt würden.

Notstand in Königstein

In Königstein haben die Stadtwerke bereits die Trinkwasserknappheit ausgerufen. Damit sind verschiedene Einschränkungen verbunden. So dürfen keine Wege, Rasen- und Grünflächen über 200 Quadratmeter aus dem öffentlichen Netz bewässert werden. Verboten ist, private Pools mit mehr als 25 Kubikmetern aus der Wasserleitung zu befüllen.

Wack hält das für den richtigen Weg. „Frühzeitig den Wassernotstand ausrufen, dann hat man eine juristische Handhabe, den Wasserverbrauch einzuschränken. Sonst darf man sich nicht über die Spitzenverbräuche in den heißen Sommern wundern“, sagt er. Schließlich werde die Wasserversorgung zum immer größeren Problem. Seit 2003 fielen die Grundwasserpegel. Für die nächsten 50 Jahre sagten Klimaforscher noch viel längere Heißzeiten als bisher voraus. Auch wenn es derzeit nahezu unbegrenzt aus den Hähnen fließe: „Wasser ist nicht genug da“, sagt Wack. Nicht solange Frankfurt so große Mengen aus dem Umland beziehe wie heute.

Hans-Otto Wack kämpft seit Jahrzehnten für den Schutz des Grundwassers im Vogelsberg. privat

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