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Ausgebrannte Ruine der Paulskirche im Jahr 1945. 

Frankfurt

Wiederaufbau der Paulskirche nach dem Krieg umstritten

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Der Wiederaufbau der Paulskirche nach dem Krieg war umstritten. Statt demokratischer Symbole wollten viele Frankfurter lieber Wohnraum schaffen. 

Als die Politiker im kriegszerstörten Frankfurt 1946 den Wiederaufbau der Paulskirche auf den Weg brachten, gab es dafür ein Bündel von Motiven. Es ging natürlich darum, insbesondere für Oberbürgermeister Walter Kolb (SPD), zum 100. Geburtstag des Bauwerks 1948 die Ruine durch einen Neubau zu ersetzen. Dabei stand nicht nur das Symbol für einen demokratischen Neubeginn Deutschlands im Fokus.

Kolb hatte auch vor Augen, dass Frankfurt die Hauptstadt des neuen demokratischen Deutschlands werden sollte. Um- so mehr wurde die erneuerte Paulskirche gebraucht. Der Sozialdemokrat rechnete so fest mit dem Hauptstadt-Rang Frankfurts, dass er bereits eine Dankesrede geschrieben hatte, die er im Rundfunk verlesen wollte. Sie wurde nie gehalten, weil sich wider Erwarten das rheinische Bonn durchsetzte.

In Frankfurt war dieser Wiederaufbau der Paulskirche nicht nur unter architektonischen Gesichtspunkten umstritten. Viele Menschen hielten in der stark zerstörten Stadt ganz andere Themen für dringlicher. Die rasche Schaffung von Wohnraum zum Beispiel.

Auch das zeigt die Ausstellung „Paulskirche – eine politische Architekturgeschichte“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) deutlich.

Die Stadtverordneten beschlossen damals auf Drängen der CDU, aber auch der KPD, dass die kriegszerstörte Friedrich-Ebert-Siedlung im Gallus schnell wieder aufgebaut werden sollte. Oberbürgermeister Kolb entschloss sich zu einem politischen Kompromiss.

Am 17. März 1947 gab es zunächst in der Ruine der Paulskirche eine Grundsteinlegung, nur 45 Minuten später folgte die in der Ebert-Siedlung.

Kolb hatte einen deutschlandweiten Aufruf für Spenden zum Wiederaufbau der Paulskirche gestartet – in der Folge ging sogar eine Spende von 10 000 Mark der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) aus Ost-Berlin ein.

Heute ist die Paulskirche der Ort, an dem die Stadt Frankfurt ihre wichtigsten Preise verleiht und Festakte mit überregionaler Ausstrahlung organisiert. Seit 1948 bereits wird der Goethepreis dort verliehen, von 1951 an der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, seit 1977 der Theodor W. Adorno-Preis und seit 2001 der Ignatz Bubis-Preis für Verständigung. Auch der alljährliche Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist hier zu Hause. Der vielleicht prominenteste Redner war am 25. Juni 1963 US-Präsident John F. Kennedy. Er sprach damals über die Beziehungen der USA zum neuen, demokratischen Deutschland.

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