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Ultras Frankfurt – Der harte Kern

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Von: Georg Leppert

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Ultras Frankfurt
Die Frankfurter Ultras stehen vor allem im Zentrum der Nordwestkurve. © Frey-Pressebild/Deines/Imago Images

Vor 25 Jahren gründeten sich die Frankfurter Ultras, die bei jedem Eintracht-Spiel dabei sind – so lange kein Impfzwang herrscht.

Frankfurt – Ultras neigen nicht zu Kitsch und übertriebener Romantik. Das passt nicht zu den (fast ausschließlich männlichen) Fans. Aber einen gewissen Reiz hat das Aufeinandertreffen dieser Ereignisse schon: Im Jahr, in dem Eintracht Frankfurt den größten Erfolg der Vereinsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte erreichen kann, feiern die Ultras, die den Verein auf ihre Art geprägt haben, ihr 25-jähriges Bestehen.

So feiert Eintracht Frankfurt im Falle des Europa-League-Sieges

Wer auf ein Vierteljahrhundert Ultras zurückblickt, der blickt somit auch in eine Zeit zurück, in der sich Fans der Eintracht vieles vorstellen konnten, aber nicht den Einzug in ein Europapokal-Endspiel. Die Gründung im Sommer 1997 erfolgte ein Jahr nach dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte. Der angepeilte direkte Wiederaufstieg war gescheitert. Die Stimmung befand sich am Tiefpunkt – im Verein und im Umfeld. Zum ersten Spiel der Saison 1997/1998 kamen nur etwas mehr als 18 000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Die Partie wurde gewonnen (3:2 gegen Fortuna Düsseldorf). Trotzdem herrschte in dieser Zeit oft Tristesse im Waldstadion, das seinerzeit noch eine riesige, unwirtliche Betonschüssel war, in der sich nur schwer echte Fußballbegeisterung erzeugen ließ.

Wie die Ultras von Eintracht Frankfurt entstanden

In dieser Situation trat eine Gruppe auf den Plan, die die Anfeuerung für die Eintracht in einer Weise lebte, die bisher vor allem aus italienischen Stadien bekannt war. Lauter und hingebungsvoller als vorher, mit Vorsängern, Pyrotechnik, Choreografien und großen Fahnen.

Das Abbrennen von Pyrotechnik gehört bei den Ultras zum Standard. (Archivfoto)
Das Abbrennen von Pyrotechnik gehört bei den Ultras zum Standard. (Archivfoto) © Florian Ulrich/Imago Images

Erstaunlich wenig hat sich geändert in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Zwar waren viele aus dem harten Kern von etwa 200 bis 300 Fans 1997 noch nicht dabei. Aber an Werten und Einstellung änderte sich nichts. Den Medien traute man nie wirklich, auf Interviews mit der Frankfurter Rundschau hatte man damals wie heute keine Lust. Weitaus schlechter ist aber noch das Verhältnis zwischen den Ultras und der Frankfurter Polizei. Gerade ist wieder einmal ein Tiefpunkt erreicht.

Zu tun hat das vor allem mit der Einstellung der Fans zu Gewalt und zu Pyrotechnik. In Teilen sind die Ultras eine militante Gruppe, Auseinandersetzungen werden manchmal gesucht, zumindest aber nie vermieden. Dabei, so das Credo, soll es nicht gegen Unbeteiligte gehen. Wenn man sich prügelt, dann misst man sich mit der aktiven Fanszene des Gegners. Kurz gesagt: Wenn es kracht, dann zwischen Leuten, die es krachen lassen wollen. Dennoch, so betonte es einmal ein für den Süden Frankfurts zuständiger Polizeidirektor im Gespräch mit der FR, könne die Polizei derartige Auseinandersetzungen unmöglich dulden.

Ebenso wenig wie die Pyrotechnik, die seit 25 Jahren immer und immer wieder gezündet wird. Zahlreiche Versuche der Eintracht und der Polizei, die Fans davon abzubringen, scheiterten. Zuletzt stellte die Polizei als Reaktion auf einige Bengalische Feuer den Ultras eine Sound-Anlage ab, die die Vorsänger nutzten. Die Gruppe reagierte auf ihre Weise: Sie machte auf einem Flugblatt Stimmung gegen den hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) und nutzt seitdem eine andere Anlage, auf die die Polizei keinen Zugriff hat.

Rund zwei Jahre blieben die Ultras den Spielen ihres geliebten Vereins fern. Der Grund: Corona. Zwar waren bei vielen Partien Fans zugelassen, aber nur solche, die sich hatten impfen lassen. Das traf zwar auf die allermeisten Ultras zu, aber eben nicht auf alle. Und wie so oft wählte die Gruppe das Motto: Alle oder keiner. Man schaute die Spiele geschlossen im Fanhaus an der Louisa oder auf einem Parkplatz am Stadion. Die Stimmung in der Arena litt darunter massiv. Manchmal versuchten volltrunkene Jugendliche in der Nordwestkurve die Anfeuerungen zu organisieren und scheiterten krachend. Die Eintracht, deren Fans derzeit europaweit gefeiert werden, musste im eigenen Stadion oft mit sehr wenig Unterstützung auskommen.

Eintracht Frankfurt: Ultras als Taktgeber der Kurve in Sevilla

Das wird morgen in Sevilla anders sein. Die Ultras werden in der Südkurve des Estadio Ramon Sanchez Pizjuan den Takt vorgeben. Sollte die Eintracht gewinnen, wird gejubelt, tagelang und nächtelang.

Glasgow-Profi Leon Balogun im FR-Interview

„Hingabe unserer Fans ist bedingungslos“

Gerade bei den Ultras werden sich danach einige fragen, wie dieser Hype um die Eintracht weitergeht, der mit dem Pokalsieg 2018 begann. Vermutlich werden viele Fans, die unbedingt zum Auswärtsspiel nach Barcelona reisen mussten und viel Geld in weiße Fanklamotten investierten, nicht ins Stadion kommen, wenn es mal schlecht laufen sollte und die Eintracht im Nieselregen Mitte November gegen Augsburg spielt. Aber das sind Luxusprobleme, über die vor 25 Jahren noch niemand nachgedacht hat. (Georg Leppert)

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