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Ukrainische Kinder in Kita: Ein kleines Stück strukturierter Alltag

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Von: Timur Tinç

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Bilder ausmalen mögen alle Kinder.
Bilder ausmalen mögen alle Kinder. © Christoph Boeckheler

In der Kita St. Bonifatius in Bonames werden 22 geflüchtete ukrainische Kinder ehrenamtlich betreut. Die Kita und der Ukrainische Verein würden die Drei- bis Sechsjährigen gerne länger als 15 Stunden in der Woche betreuen.

Ganz eifrig nehmen sich die drei- bis sechsjährigen Kinder unterschiedlich farbige Stifte aus einer Box. Vor ihnen liegen Ausmalbilder von Eulen, Fischen und anderen Tieren. Für die 22 Kinder, die in der ukrainisch-sprachigen Gruppe in der Kita St. Bonifatius im Frankfurter Stadtteil Bonames betreut werden, ist es zumindest ein kleines Stück strukturierter Alltag.

Seit Juli werden die geflüchteten Kinder von 9 Uhr bis 12.30 Uhr ehrenamtlich von vier Erzieherinnen und der Leiterin Olga Shendryk betreut. Auch sie sind nach Beginn des russischen Angriffskriegs aus der Ukraine geflohen. Zu Nikolaus haben die Kinder verzierte Plätzchen für die deutschsprachigen Kinder gebacken. Zusammen wurde auch das Erntedankfest gefeiert und Laternenlieder einstudiert. Wenn das Wetter wärmer wird, soll es draußen mehr Begegnungen geben.

Die Kita und die Pfarrei Katharina von Siena stellen den Raum zur Verfügung

Die Kita hat zusammen mit der Pfarrei Katharina von Siena den Gemeindesaal so umgestaltet, dass dort eine Kita-Gruppe Platz findet. „Die Stadtkirche war in Kontakt mit der Ukrainisch-Katholischen Gemeinde und hatte einen Aufruf gestartet, wer Räume zur Verfügung stellen kann“, berichtet Kita-Leiterin Maria Albert. So kam es zur Kooperation mit dem Ukrainischen Verein.

Länger als 15 Stunden in der Woche dürfen die Kinder aktuell nicht betreut werden. „Es läuft unter gemeinschaftlicher Betreuung“, erklärt Albert. Die Räumlichkeiten könnte die Kita auch länger zur Verfügung stellen. Aber dafür müsste die Betriebserlaubnis geändert werden. Das kann nur die Stadt tun.

Der Verein

Der Ukrainische Verein Frankfurt organisiert das Projekt Samstagsschulen. Rund 350 Kinder werden aktuell an der Klingerschule unterrichtet. Dazu gibt es weitere Projekte, wie in der Kita St. Bonifatius, wo Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren ehrenamtlich betreut werden.

Der 2006 gegründete Verein benötigt Spenden, um die Lehrkräfte und Erzieherinnen zu behalten und weitere Projekte zu koordinieren.

Die Bankverbindung lautet: Ukrainischer Verein Frankfurt am Main e. V.

IBAN: DE50 5125 0000 0000 3257 40

BIC: HELADEF1TSK tim

Roksalana Rakhletska vom Ukrainischen Verein Frankfurt hatte schon Kontakt mit dem Stadtschulamt. „Sie haben uns gesagt, die Kinder sollen in die reguläre Kita gehen“, berichtet sie. Es gäbe auch Plätze hieß es. „Nur wo?“, fragt sich Rakhletska. Die Betreuungsplätze sind rar. In der Kita St. Bonifatius werden zwei geflüchtete ukrainische Kinder regulär betreut.

Die Deutschkurse der Mütter sind von 9 bis 13 Uhr. Das macht es schwer, das Angebot wahrzunehmen.

Dabei tun sich weitere Probleme auf. „Wir haben ein Kind aufgenommen und dann hat die Familie eine Wohnung in einem anderen Stadtteil bekommen. Das Ergebnis ist, das sie jetzt eine Stunde Fahrt hierher haben, weil sie dort noch keinen Platz haben“, berichtet Yvonne Funken, die stellvertretende Kita-Leiterin.

Einige der Kinder aus der ukrainisch-sprachigen Gruppe leben in Gemeinschaftsunterkünften. Ein Kind wird aus Bad Vilbel nach Bonames gebracht. Die Anfrage an den Ukrainischen Verein nach weiteren Kita-Plätzen ist groß. „Das Problem ist, dass die Deutschkurse der Mütter von 9 bis 13 Uhr dauern“, erklärt Rakhletska. Ohne eine Erweiterung der Betreuungszeit in der Kita wird es für die Mütter schwierig, ihre Kinder rechtzeitig zu bringen und abzuholen.

Ukrainische Kinder lernen in der Kita schon Lesen und Schreiben

Es gäbe auch weitere Erzieherinnen, sagt Rakhletska. Doch mehr als eine Aufwandsentschädigung kann der Verein nicht zahlen, da er sich ausschließlich über Spenden finanziert. Und diese werden zum größten Teil für die Lehrerinnen und Lehrer in der Samstagsschule verwendet. Mittlerweile werden dort 350 Kinder unterrichtet. Auch dort gibt es schulvorbereitende Kurse für Kindergartenkinder.

Anders als in Deutschland wird ukrainischen Kindern schon das Lesen und Schreiben im Kindergarten beigebracht. „Viele Erstklässler haben gerade Schwierigkeiten, weil die Vorbereitung wegen dem Krieg weggefallen ist“, sagt Rakhletska. Sie ist der Kita St. Bonifatius sehr dankbar, dass einigen Kinder die Betreuung ermöglicht wird. Gedacht war es als Überbrückungsangebot bis es reguläre Plätze gibt. Doch wie viele werden das sein? „Wir müssen im Sommer schauen“, sagt Rakhletska.

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