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Ukrainer - geistreich und beweglich

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Von: Stefan Behr

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An der Frankfurter Goethe-Uni sind ukrainische Studierende traditionell stark vertreten.
An der Frankfurter Goethe-Uni sind ukrainische Studierende traditionell stark vertreten. © peter-juelich.com

Die Ukraine kommt als harter Gegner daher, vor allem was die körperliche Leistungsfähigkeit betrifft. Im Frankfurter Stadtbild ist das Land in Osteuropa eher rar.

Wir sollten gewarnt sein! Bei den Ukrainern handelt es sich wohl überwiegend um Bewegungswunder. Wer’s nicht glauben mag: Unter dem schönen Titel „Ukrainer in Frankfurt am Main, Tanzabend mit Nelli Syupyur“ ist ein beachtenswertes Video zu sehen, das die körperliche Leistungsfähigkeit der Osteuropäer eindrucksvoll unter Beweis stellt. Da fragt man sich, wie man an denen vorbeidribbeln soll.

Der Ukrainer als solcher macht aber nicht nur als Athlet, sondern auch als Denker und Verfasser von Aphorismen auf sich aufmerksam. Das geistreiche Bonmot „Wenn die Fahnen wehen, steckt der Verstand in der Trompete“ wird zumindest im Internet hälftig jeweils dem ukrainischen Volksmund oder der rumäniendeutschen Schriftstellerin Herta Müller zugeschrieben – wir entscheiden uns während der EM jedenfalls für die Ukrainer, weil Herta Müller von Fußball nun wirklich keine Ahnung hat.

Ukrainische Metropolregion

Wieviel Ukraine aber steckt eigentlich in Frankfurt? Die statistische Antwort: geht so. Laut des jüngsten Statistischen Jahrbuchs lebten am Silvesterabend 2014 exakt 2050 Ukrainerinnen und Ukrainer in Frankfurt. Bei 1403 davon handelte es sich um Ukrainerinnen, das entspricht einem Anteil von 68,4 Prozent, was den Verdacht nahelegt, dass die restlichen 31,6 Prozent maskulin oder transgender sind – dazu aber schweigt das Statistische Jahrbuch. Wobei solche Zahlen ohnehin mit Vorsicht zu genießen sind. 2012 etwa vermeldete eine renommierte Frankfurter Zeitung, derzeit lebten etwa 3500 Ukrainer in der Stadt.

In der Vilbeler Straße in der Innenstadt findet sich das Generalkonsulat der Ukraine. Das Konsulat ist neben Hessen auch noch für das Saarland und Rheinland-Pfalz zuständig, was Frankfurt dann doch irgendwie zu einer ukrainischen Metropolregion macht.

Im Stadtbild hingegen drängt sich die Ukraine nicht gerade auf. Eine Ausnahme bietet das Restaurant Watra im Westend.

Liliana und Isaak Herzlich verließen vor 20 Jahren die Ukraine; heute betreiben sie das „Watra“. Hier gibt es etwa ukrainisches Bier (Yammi), die Speisekarte vereint in seltener Harmonie russische und ukrainische Elemente. „Wie bei der russischen Oma, aber gar nicht so fett“, urteilt ein Besucher im Internet, auch wenn das der russischen Oma gegenüber nicht sehr höflich formuliert ist.

Vor allem aber das Gründerpaar Liliana und Isaak Herzlich, die vor etwa einem Vierteljahrhundert an den Main gezogen sind, ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit minimalen Grundvoraussetzungen erstaunliche Ergebnisse erzielen kann. Als sie im Januar 1992 nach Frankfurt kamen, verrieten die beiden vor ein paar Jahren der FAZ, hätten sie nichts im Koffer gehabt als Kinderspielzeug, Noten und Bücher von Tolstoi und Tschechow. Und die einzigen deutschen Ausdrücke, die sie kannten, waren „Hände hoch“ und „Hitler kaputt“.

Traditionell stark sind ukrainische Studierende an der Frankfurter Uni: etwa 400 gibt es dort. Und es war die Goethe-Universität, an der die ukrainische Schriftstellerin Hanne Kulessa im April 2014 forderte: „Frankfurt soll Charkiw, Lemberg oder Iwano-Frankiwsk als Partnerstadt bekommen!“ Hat bislang nicht geklappt.

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