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Ukraine-Konflikt: Sorge wegen Russland in Frankfurter Community

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250 Menschen haben am Dienstagabend in Frankfurt auf dem Paulsplatz auf die drohende Kriegsgefahr in der Ukraine aufmerksam gemacht. Zu der Mahnwache hatten die Kreisverbände der Grünen, Volt, CDU, SPD und FDP sowie die Europa-Union aufgerufen.
250 Menschen haben am Dienstagabend in Frankfurt auf dem Paulsplatz auf die drohende Kriegsgefahr in der Ukraine aufmerksam gemacht. Zu der Mahnwache hatten die Kreisverbände der Grünen, Volt, CDU, SPD und FDP sowie die Europa-Union aufgerufen. © christoph boeckheler*

Menschen in Frankfurt verlieren die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine.

Frankfurt - „Ich war bis nach zwei Uhr wach und habe alle Nachrichten verfolgt. Es ist einfach beängstigend“, sagt Stepan Rudzinskyy, der Vorsitzende des Ukrainischen Vereins in Frankfurt. Er habe kaum geschlafen, zu sehr kreisten seine Gedanken um die zugespitzte Situation in der Ukraine. „Das hat alles schlimmer gemacht“, urteilt er mit Blick auf die neusten Meldungen aus Russland. Demnach habe Präsident Wladimir Putin die von Separatisten besetzten Gebiete im Osten der Ukraine als unabhängig anerkannt und Truppen entsendet.

Rudzinskyy sieht dies als ersten Schritt von vielen, um die ganze Ukraine einzunehmen. Besonders sorgt er sich um seine Landsleute. „Nicht nur meine Familie lebt dort, das trifft auf ganz viele Ukrainer:innen hier zu. Oft gehen nur einzelne Familienmitglieder in andere Länder“, sagt er. Das verstärke die Bindung zur Ukraine.

„Russland weiß, dass die Ukraine unterlegen ist“

Laut Rudzinskyy hat die Wahrscheinlichkeit für einen großen Krieg deutlich zugenommen. Eine Situation, die ihn hinsichtlich der Lücken im ukrainischen Verteidigungssystem umso besorgter werden lässt. „Russland weiß, dass die Ukraine unterlegen ist.“ Desto dringender sei die militärische Unterstützung seitens anderer Länder. Sein Verein fordert schwerwiegende Sanktionen wie den Stopp von Nord Stream 2. „Die Appeasementpolitik hat nicht funktioniert, Putin geht keinen Schritt mehr zurück“, sagt Rudzinskyy resigniert.

Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Auch Albina Nazarenus-Vetter, die Leiterin der hessischen Interessenvertretung der Deutschen aus Russland, sieht die Lage kritisch. „Ich bin sehr besorgt; das ist das Schlimmste, was jetzt passieren konnte“, sagt sie. Man habe gehofft, dass sich die Krise doch noch anders lösen ließe. „Aber Putin hat damit Fakten geschaffen“, stellt die Russlanddeutsche fest. Diese Fakten würden die Zivilbevölkerung gefährden und Schäden verursachen, die alle Menschen, egal welcher Nation, beträfen. Wie Rudzinskyy so ist auch Nazarenus-Vetter frustriert über die fehlgeschlagenen Dialogversuche.

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Mit der Absage Russlands zu der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen Wochenende sei die vielleicht letzte Möglichkeit für die Diplomatie verstrichen.

„Wir wollen immer an das Gute im Menschen glauben. Wem soll Krieg was bringen?“, fragt sie, in dem Wissen, keine zufriedenstellende Antwort zu bekommen. Dagegen ist etwas anderes für Nazarenus-Vetter umso klarer. „Ich bin absolut solidarisch mit der Ukraine.“ Sie appelliert an Deutschland und die EU, man dürfe sich von Putin nicht destabilisieren lassen. Gerade Deutschland habe zu Beginn nicht deutlich genug Stellung bezogen. „So ein Ex-Kanzler, der Putin verteidigt und ihn als Verbündeten sieht, ist eine Blamage, eine Schande für dieses Land“, prangert sie an.

Ukraine-Konflikt: Sorge um die Souveränität eines Staates

Auch Viktoriya Jost, Vorsitzende des Ukrainischen Vereins Mainz, hatte in der Krise zeitweise das Gefühl, „dass wirtschaftliche Interessen über Menschenleben gestellt“ würden. „Wir dürfen die Ukraine und ihre Einwohner jetzt nicht alleinlassen. Hier stehen nicht nur etliche Menschenleben auf dem Spiel, sondern auch die Souveränität“, sagt sie. Die Souveränität eines Landes und einer Bevölkerung, die genau dafür in der Vergangenheit gekämpft habe. „Das ist der Wille, die Mentalität der Menschen“, so die Ukrainerin.

Sie hat regelmäßig Kontakt zu Menschen im Krisengebiet, ein Teil ihrer Familie lebt dort. Es herrsche der Ausnahmezustand. „Meiner Cousine wurde gesagt, man solle den Kindern im Kindergarten zukünftig ein Bild und ein Kuscheltier mitgeben, um sie nach einem Angriff unter Umständen besser zuordnen zu können“, sagt sie. Einen friedlichen Ausweg sieht auch Jost nicht mehr. Putin verstehe die Sprache der Diplomatie nicht, umso wichtiger sei es, alles dafür zu tun, die Ukraine zu verteidigen. Und dazu seien die Menschen laut Jost auch bereit.

Ukraine-Konflikt: Russlands Konsulat schweigt

„Niemand möchte fliehen. Das muss man sich so vorstellen, jede Oma, die nicht mehr kämpfen kann, kocht Suppe, und die jungen Frauen nehmen Gewehre und ziehen in den Krieg. Die Ukrainer:innen geben ihre Freiheit nicht auf.“

Während die ukrainische Community die Aufmerksamkeit in der Krise sucht, möchten sich weder das russische Konsulat in Frankfurt noch ortsansässige russische Vereine der FR gegenüber äußern.

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