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Ein Teil der Waldstadion-Choreographie vor dem Spiel gegen Inter Mailand im März. Die Magie darf wieder genauso werden, das Ergebnis aber bitte mindestens um zwei Tore besser als beim 0:0 gegen Milano.

Eintracht gegen Benfica

„Das kann eine magische Nacht werden“

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  • Oliver Teutsch
    Oliver Teutsch
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Die Eintracht will heute gegen Lissabon in die nächste Europapokalrunde einziehen. Die Stimmung in der Stadt ist eindeutig: Wir schaffen das.

Schaffen wir das? Wo man auch hinhört in Frankfurt vor dem Spiel der Eintracht gegen Benfica Lissabon – alle sind sicher: Wir schaffen das. „Da geht noch was!“, sagt etwa Marvin Mendel in der aktuellen Folge des Video-Podcasts „Fußball2000“, eine Art Zentralorgan für die Stimmung in Fußball-Frankfurt, Gründungskreis der „Hinti-Army“, also der Zeugen von Eintracht-Innenverteidiger Martin Hinteregger. „Diese Mannschaft hat all unser Vertrauen verdient“, bestätigt Kollege Basti Red stilecht per Videobotschaft vom Pool aus den USA: „Das kann wieder eine magische Nacht werden!“

Auch im Eintracht-Shop auf der Zeil ist der Optimusmus zum Greifen. Aus den Boxen dröhnt „Im Herzen von Europa“, an der Kasse hat sich eine kleine Schlange gebildet. Gefragt sind unter anderem die Eintracht-Osterhasen und Devotionalien, die es gar nicht mehr gibt. Wann das schwarze Heim-Trikot wieder reinkomme, will ein Kunde wissen. „Gar nicht mehr“, muss ihm der Verkäufer gestehen. Wie das Spiel morgen ausgeht? „Wir gewinnen 5:2 nach Verlängerung.“

Die positive Stimmung in der Stadt, sie könnte ein entscheidender Faktor sein, Kräfte freisetzen, wenn sie sich auf die Fans im Stadion und auf die Mannschaft überträgt. Und sie ist gut, die Stimmung. Fahnen hängen von Balkons, Menschen pfeifen „Im Herzen von Europa“, überall Adler-Aufkleber. Schon direkt nach dem Hinspiel habe jeder gesagt: „Das zweite Tor hilft uns“, heißt es allenthalben, jener Treffer zum 2:4 beim Hinspiel in Lissabon durch Goncalo Paciencia, der das Tor zum Weiterkommen noch einmal öffnete.

Eintracht Frankfurt: Im Waldstadion ist eine gigantische Fan-Choreografie geplant

Fürs Rückspiel tippen alle 2:0 oder 3:1, das würde zum Einzug ins Halbfinale reichen. Und im Stadion laufen seit Dienstag Vorbereitungen für eine gigantische Fan-Choreografie, wie sie schon in den bisherigen Spielen Emotionen erzeugte. Utensilien wurden auf den Rängen verteilt, Besucher des jüngsten Bundesligaspiels gegen Augsburg spendeten kräftig Geld fürs Material. Die Arena wird brodeln heute Abend, das steht fest.

Eintracht Frankfurt spielt...

Auch im Eintracht-Museum: Optimismus pur. „Da denken alle, das geht“, sagt Museumschef Matthias Thoma. „Dass man mal verliert, ist ja klar. Aber gerade die zweite Halbzeit in Lissabon hat ja gezeigt, dass alle Spieler heiß sind und niemals aufgeben.“

Hoffnung macht, dass die Eintracht wieder mal ein Spiel zu elft beenden könnte, also ohne Platzverweis – beziehungsweise sogar zu zwölft, mit dem Publikum im Rücken. Auf Twitter läuft seit Tagen der Hashtag #12gegen11. Thoma verweist zudem auf die Statistik: Bis vor einer Woche habe die Eintracht nie ein Spiel gegen Benfica verloren.

...gegen Benfica Lissabon.

Auf der Internetseite der Eintracht sind die Details nachzulesen. Beim ersten Duell 1961 entzauberte die Eintracht den amtierenden Europapokalsieger der Landesmeister – ebenfalls nach einem Rückstand. Benfica lag 2:0 vorn; Lindner, Schämer und Stein drehten sie Partie. Die portugiesische Sportzeitung „Seculo“ meldete: „Benfica hat verdient verloren und wurde von einer Mannschaft besiegt, wie man sie lange nicht mehr in Portugal gesehen hat. Besonders in der Schnelligkeit und durch die Schlagkraft des Angriffs war die deutsche Elf weit überlegen.“ Also praktisch genau wie heute.

Eintracht Frankfurt: Bis vor einer Woche noch nie gegen Benfica Lissabon verloren

Auch 1962 gewann die Eintracht gegen den erfolgreichen Titelverteidiger des Landesmeisterpokals, diesmal 2:0, und wieder war Eusebio bei Benfica mit von der Partie, die Lichtgestalt des portugiesischen Fußballs. 1965 endete eine weitere Partie 0:0, diesmal ohne Eusebio, der tags zuvor geheiratet und sich spontan freigenommen hatte.

Ein einziges Mal nur ging Benfica als Sieger vom Platz, aber man kann nicht sagen: gegen die Eintracht. Bei jenem von einer Brauerei organisierten Spiel trat eine kombinierte Mannschaft aus Frankfurtern und Offenbachern gegen die Gäste an – und zwar auf dem Bieberer Berg, weil das Waldstadion gerade für die WM 1974 umgebaut wurde. Das zählt also nicht. Es waren auch nur 15 000 Zuschauer da. Man kann sagen: Hat niemand mitgekriegt.

Im Prinzip spricht heute also alles für die Eintracht, jedenfalls aus Sicht ihrer Fans. Sie sehen der Sache gelassen entgegen. „Ich bin da völlig entspannt“, sagt einer, der seinen Namen allerdings nicht nennen will: „Entweder kann ich morgen meinen Urlaub im Mai buchen, oder wir sind eine Runde weiter.“ Die Stimmung in der Stadt sagt: Letzteres.

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