Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wohnen

Überhitzter Wohnungsmarkt

Laut Immoconcept-Studie zogen die Kaufpreise allein im ersten Halbjahr um 17 Prozent an

In Frankfurts Wohnungsmarkt scheint sich eine Blase zu bilden. Im zehnten Jahr in Folge sind Mieten und Kaufpreise angestiegen, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Frankfurter Immobilien- und Beratungsunternehmens Immoconcept. Allein im ersten Halbjahr zogen die Kaufpreise um 17 Prozent an. Investoren hätten „Angst, etwas zu versäumen“ und trieben damit die Preise in die Höhe – und zwar besonders stark im Umland, sagt Immoconcept-Chef Bernd Lorenz.

Warnungen gibt es schon länger: Vor einem Jahr hatte die Schweizer Bank UBS Frankfurt bereits die zweitgrößte Gefahr einer Immobilienblase attestiert – weltweit! Überhitzter sei der Immobilienmarkt nur in München, erklärten die Macher der Studie „UBS Global Real Estate Bubble Index“. Darin schätzen sie die Blasen-Gefahr in Frankfurt höher ein als in Hongkong, Toronto und Amsterdam.

Die UBS definiert eine Immobilienblase, wenn das Preisniveau stark und dauerhaft von der übrigen Entwicklung abweicht, zum Beispiel dem Wachstum von Wirtschaft, Einkommen, Bevölkerung. 2020 war die Zahl der Einwohnerschaft in Frankfurt in der Tat erstmals seit Jahren rückläufig, auch die Wirtschaft schrumpfte coronabedingt.

Dennoch steigen Nachfrage und Kaufpreise weiter, hat Immoconcept nun in seiner seit 2003 jährlich erstellten Studie mit Blick auf die jüngsten zwölf Monate herausgefunden. Interessenten in Frankfurt „wollen jetzt eine Immobilie erwerben in der Furcht, dass sie morgen noch teurer ist“, sagt Bernd Lorenz. Folge: Die Kaufpreise seien in Frankfurt „auf einstelligem Niveau“ weiter gestiegen und im Umland sogar „auf Werte deutlich über dem Inflationsniveau“.

Das spüren die Käuferinnen und Käufer etwa in den Ernst-May-Siedlungen in Praunheim und Westhausen. Für 440 000 bis 480 000Euro wurden dort Reihenhäuser im vorigen Jahr bei Immobilienscout24 angeboten. Heute liegen die Preise bei knapp 630 000 Euro. „Der pure Wahnsinn“, entfährt es einem Familienvater auf Haussuche.

Die höchsten Mieten und Kaufpreise fallen laut Immoconcept in den zentralen Stadtteilen Altstadt, Innenstadt, Westend und Nordend an. Die durchschnittlichen Kaufpreise für Neubauwohnungen liegen hier zwischen 11 000 und 12 000 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten liegen im Schnitt bei gut 15 Euro pro Quadratmeter für Bestandswohnungen, bei über 20 Euro pro Quadratmeter im Neubau.

Das führe dazu, dass vermehrt Käufer:innen und Mieter:innen in die äußeren Stadtteile drängten – wo nun die Steigerungsraten am höchsten sind: Um mehr als elf Prozent ging es in den Stadtteilen Frankfurter Berg, Dornbusch, Bonames und Nieder-Erlenbach nach oben. Immoconcept hatte schon im Vorjahr darauf hingewiesen, dass „die Nachfrage an der Peripherie eklatant gestiegen“ ist.

Deutlich weniger als Kaufende sind Mietende betroffen: Laut der Analysten fiel die Steigerung mit nur 2,65 Prozent viel geringer aus als im Vorjahr, als die Mieten noch um fünf Prozent stiegen. Vor allem im Hochpreis-segment gehe die Nachfrage spürbar zurück und es zeigten sich „erste Sättigungserscheinungen“. Das zeige sich auch an der Rückstellung einiger geplanter Wohnhochhäuser, wo sich eine problematische Vermarktung abzeichne.

Aber ist das Ganze denn schon eine Blase? Dagegen spreche, „dass die Banken in Deutschland ihre Kredite traditionell eher vorsichtig vergeben“, räumt Bernd Lorenz ein. Allerdings gehe die Kluft zwischen Mieten und Kaufpreisen immer weiter auseinander und zugleich entkoppelten sich Kaufpreise und Einkommen. So stiegen die Einkommen von 2012 bis 2020 um 18,9 Prozent, die Mieten jedoch um 34 Prozent und die Kaufpreise – bis Mitte 2021 – sogar um satte 115 Prozent.

Demzufolge rechne sich ein Wohnungskauf in der Stadt inzwischen erst nach 40 Jahresmieten, heißt es in der Immoconcept-Analyse. Ein Durchschnittsverdiener müsse in Frankfurt, wenn er dafür realistische zehn Prozent seines Einkommens ausgibt, für eine Wohnung 134 Jahre lang tilgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare