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Überfallkommando Frankfurt feiert 100-jähriges Bestehen

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Von: Oliver Teutsch

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Beamte des Überfallkommandos sichern nach einem Banküberfall den Tatort ab. Peter Jülich
Beamte des Überfallkommandos sichern nach einem Banküberfall den Tatort ab. Peter Jülich © peter-juelich.com

Spezialeinheit hilft immer dann, wenn Beamte auf den Revieren nicht weiterkommen.

Das Einsatzteam des Überfallkommandos ist an diesem Nachmittag nicht zu beneiden. Denn während die Festgäste leichte Sommerhemden oder Kleider tragen, mussten sie sich in ihre „Ausrüstung schwer“ zwängen. Da kommt nicht nur sonst, sondern auch bei mehr als 30 Grad im Innenhof des Polizeipräsidiums wenig Freude auf. Doch der Anlass ist ein erfreulicher, denn das Überfallkommando Frankfurt feierte am Montag sein hundertjähriges Bestehen. Genauer gesagt 101 Jahre, denn die angedachten Feierlichkeiten im vergangenen Jahr mussten wegen der Pandemie ausfallen.

Das im Polizeipräsidium stationierte Überfallkommando kommt immer dann zum Einsatz, wenn die normalen Streifenbesatzungen „an ihre Grenzen kommen“, wie es Frankfurts Noch-Polizeivizepräsident Björn Gutzeit formulierte. Bei Wohnungseinbrüchen mit akuter Gefahr, Schlägereien oder Raubüberfällen sind die Revierstreifen dankbar, wenn sie Unterstützung vom „ÜKDO“ erhalten, wie es in der polizeilichen Abkürzung genannt wird. Die Angehörigen jener Spezialeinheit sind für solche brenzligen Lagen nicht nur besser ausgebildet, sondern auch besser ausgerüstet. Die „Ausrüstung schwer“ besteht aus einer Panzerung mit Spezialglas und Keramikplatten. Dazu verfügt das Überfallkommando immer über die nicht ganz unumstrittenen Taser, die Aggressoren mittels Stromimpulsen außer Gefecht setzen.

Die bessere Ausstattung war schon immer eine Besonderheit der ältesten noch amtierenden Spezialeinheit Deutschlands. 1921 etwa, damals in der Gutleutkaserne stationiert, verfügte das Überfallkommando bereits über eine Notrufnummer und ein motorisiertes Fahrzeug. Fünf Männer gehörten der Einheit damals an, heute sind es zehn Mal so viele. Während die besonderen Einheiten in anderen Städten des ehemaligen Preußens irgendwann abgeschafft wurden, gibt es sie in Frankfurt noch heute. Durchschnittlich 2500 Einsätze pro Jahr zeigen, dass die Einheit durchaus noch ihre Berechtigung hat.

In früheren Jahren war das Überfallkommando auch noch bei Schießereien zuständig. Dann kam die Flugzeugentführung durch RAF-Sympathisanten 1977 und die Erkenntnis, dass für solche Lagen noch besser spezialisierte Kräfte gebraucht werden. In der Folge wurden die Spezialeinsatzkommandos (SEK) geschaffen, die immer dann gerufen werden, wenn Schusswaffen im Einsatz sind. Innenminister Peter Beuth (CDU) bezeichnete das Überfallkommando als „goldene Mitte zwischen SEK und Streifendienst“.

Doch auch das Überfallkommando hat im Laufe der Jahre eine immer bessere Ausbildung und zusätzliche Aufgaben erhalten. Mit den Terroranschlägen von Paris 2015 reifte die Erkenntnis, dass eine Metropole wie Frankfurt gut daran tut, seine Einheiten zusätzlich zu befähigen. Daher darf das „ÜKDO“ auch Notintervention bei Terroranschlägen oder Angriffen vornehmen, bei denen Aggressoren Hieb- und Stichwaffen einsetzen. Als etwa im vergangenen Jahr im Bahnhofsviertel ein Mann mit einem Messer wahllos um sich stach, war das Überfallkommando zur Stelle und soll so mindestens einem Opfer das Leben gerettet haben. Dafür trägt man doch gerne mal die schwere Ausrüstung, auch bei mehr als 30 Grad.

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