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Alte-Oper-Intendant Markus Fein und Zeitzeugin Else Müller. Bild: Monika Müller
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Alte-Oper-Intendant Markus Fein und Zeitzeugin Else Müller. Bild: Monika Müller

Wiedereröffnung der Alten Oper Frankfurt

„Überall funkelte es golden“

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Fast 80 Jahre nach „Peterchens Mondfahrt“ schwärmt Else Müller immer noch vom Glanz des zerstörten Frankfurter Opernhauses, gegen dessen Wiederaufbau sie engagiert gekämpft hat - zum Glück erfolglos, wie sie heute lachend zugibt

Wenn die 87 Jahre alte Else Müller von dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten alten Frankfurter Opernhaus erzählt, dann scheinen fast 80 Jahre kaum vergangen. Was sie mit dem traditionsreichen Haus verbindet, warum ihre Tochter sie auf einem historischen Foto in den Gängen des Hauses entdeckt hat und was das mit der Wiedereröffnung als „Alte Oper“ vor genau 40 Jahren, am 28. August 1981, zu tun hat, das ist eine außergewöhnliche Geschichte.

Markus Fein, Jahrgang 1971 und seit einem Jahr neuer Chef der Alten Oper, lauscht gebannt, als die Seniorin erzählt. Zeitzeug:innen, die sich noch so präzise erinnern können, trifft man ja längst nicht mehr alle Tage. Unglaublich lebendig und intensiv berichtet die gebürtige Frankfurterin, Mutter von FR-Fotografin Monika Müller, von ihrer langen Beziehung zu dem Haus, das Fein heute leitet. Ganz präsent ist ihr immer noch eine denkwürdige Inszenierung, die auf das Kind den größten und im wahrsten Wortsinne bis heute einen nachhaltigen Eindruck gemacht hat. Als Achtjährige sah die spätere Bestsellerautorin, die mit Büchern über Autogenes Training bekannt wurde, hier mitten im Zweiten Weltkrieg eine Inszenierung von „Peterchens Mondfahrt“.

Die Kinderoper von Gerdt von Bassewitz mit der Musik von Josef Achtélik erzählt von der Reise des Maikäfers Herrn Sumsemann zum Mond, und das war auch für die kleine Besucherin ein großartiges Erlebnis. „Am schönsten war für mich die Nachtfee auf der Mondsichel, daran erinnere ich mich noch ganz genau. Und viele Jahre später habe ich meinem ersten Buch den Titel ‚Träumen auf der Mondschaukel‘ gegeben. Das ist mir erst aufgefallen, als es schon erschienen war.“ Die ferne Erinnerung an „Peterchens Mondfahrt“ im alten Frankfurter Opernhaus - als Buch kann man sie heute noch kaufen.

„Es war alles unglaublich prächtig“, schwärmt Else Müller. „Die große Freitreppe, der rote Teppich hoch zum Saal, überall glitzerte und funkelte es golden. Ich habe nie mehr so ein schönes Opernhaus gesehen.“ Das prunkvolle Gebäude des Berliner Architekten Richard Lucae, der nach der Reichsgründung 1871 den Wettbewerb gewonnen hatte, wurde kurze Zeit später, 1944, bei einem Bombenangriff zerstört und moderte danach jahrzehntelang als mächtige, vom Abriss bedrohte Kriegsruine vor sich hin. Die Architektur der Kaiserzeit galt als beispielhaft geschmacklos, die Politik plante wiederholt den Abriss. „Das war ein trauriger Anblick“, erinnert sich Else Müller.

Das Frankfurter OPernhaus - die Alte Oper

Der enorme Reichtum Frankfurts in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt sich auch in einem der prunkvollsten Bauten der Epoche, dem Opernhaus in den Wallanlagen. 67 Frankfurter Bankiers, Kaufleute und Privatiers spendeten für den Bau rund 480000 Gulden. 1869 wurde mit den Planungen begonnen, 1880 wurde die Oper mit Mozarts „Don Giovanni“ eröffnet. Sie galt als eines der schönsten Opernhäuser des Kontinents.

Im Jahr 1944 brannte das Gebäude bei einem Bombenangriff aus, sollte in den 50er Jahren einem Parkplatz und dann einem Neubau weichen. 1954 wurde zumindest die Ruine gesichert.

Von 1964 an sammelte eine der frühesten deutschen Bürgerinitiativen in der „Aktionsgemeinschaft Opernhaus“ insgesamt 14 Millionen DM für den Wiederaufbau. Auch Thomas Mann, der hier in seiner Jugend Wagners „Fliegenden Holländer“ gehört hatte, sprach sich für einen Wiederaufbau aus. Es gab allerdings auch sehr viele Gegenstimmen.
Erst im Mai 1976 beschloss die Stadtverordnetenversammlung einen Wiederaufbau, allerdings nicht mehr als klassisches Opernhaus, sondern, respektlos gesagt, als Mehrzweckhalle mit zwei Konzertsälen. Die Fassaden wurden restauriert, das Innere großteils erneuert. Dabei wurden auch noch erhaltene Bauteile zerstört.

Kosten sollte der Wiederaufbau 148,5 Millionen DM. Zehn Prozent der Summe kamen von den Freunde des Hauses. Mit dem Wiederaufbau beauftragt wurden 1976 die beiden Frankfurter Architekten Helmut Braun und Martin Schlockermann.

Am 28. August 1981, an Goethes 232. Geburtstag, wurde die Alte Oper wiedereröffnet, begleitet von Protesten. Auch Bundespräsident kam zur Feier. Abends spielte das Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Michael Gielen die achte Sinfonie von Gustav Mahler, mehrere Frankfurter Chöre waren an der Aufführung der „Sinfonie der Tausend“ beteiligt.
Seither war hier alles zu Gast, was in der Musikwelt Rang und Namen hat. Daniel Barenboim, Lorin Maazel, Georg Solti, José Carreras, Christa Ludwig, Maurizio Pollini, Elisabeth Schwarzkopf, Anne-Sophie Mutter, Peter Gabriel, Chick Corea, Pink Floyd, Wolf Biermann, Konstantin Wecker oder Peter Alexander - die Liste wäre beliebig zu verlängern. 1992 wurde hier Frank Zappas letztes Orchesterwerk „The Yellow
Shark“ vom Ensemble Modern uraufgeführt.

„Die Geschichte der Neubelebung der Alten Oper ist ein wunderbares Exempel dafür, was das Engagement der Menschen der Stadt bewirken kann“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Alten Oper, 40 Jahre später. Allerdings hatte der neue Intendant Markus Fein im Frühjahr vergangenen Jahres einen schweren Start. Seine Vorstellung als Nachfolger von Stephan Pauly fiel mit dem Beginn der Corona-Pandemie zusammen, die auch die Alte Oper zu zahllosen Absagen zwang,

Fein ist aber doch optimistisch für die kommenden Jahre: „Mit unserer Jubiläumsfeier am 28. August läuten wir eine Spielzeit ein, die all das bereithält, was wir schmerzlich vermisst haben – Konzerte in kleiner und in großer Besetzung, unmittelbare Hörerlebnisse, vor allem aber Nähe und Gemeinschaft. .“ aph

Quelle: Freunde der Alten Oper

Als es dann doch eine hartnäckige Bürgerinitiative gab, die das Opernhaus wiederaufbauen wollte, waren viele Menschen dagegen. Auch Else Müller protestierte gegen einen Wiederaufbau, wie sie heute lächelnd zugibt – obwohl sie doch so schöne Erinnerungen hatte und zudem die beiden Architekten Helmut Braun und Martin Schlockermann gut kannte. „Das waren ganz tolle, bescheidene Leute“, sagt sie. Die verschafften ihr dann trotzdem eine Ehrenkarte zur feierlichen Wiedereröffnung am 28. August 1981, Goethes Geburtstag.

„Das war mir schon peinlich, über den roten Teppich zu laufen“, erzählt sie. Einer ihrer Mitstreiter, ein bekannter Frankfurter Künstler, erspähte sie dennoch. „Pfui, Else!“, schrie er ihr zu. „Da wäre ich am liebsten im Boden versunken!“ Drinnen kam erst mal ein großer Schock. „Ich war ganz deprimiert über die neue Gestaltung. Es war ganz anders als früher, und ich war furchtbar enttäuscht.“

Das berühmte Treppenhaus, das wohl hätte wiederhergestellt werden können, hatten die Architekten geopfert, um mehr Platz für den Großen Saal und den Mozartsaal zu gewinnen. „Als es dann aber zur Wiedereröffnung Gustav Mahlers 8. Sinfonie gab, war die Akustik so fantastisch, dass ich mit dem Haus völlig versöhnt war.“

Die enge Ebene 2 im Stil der späten 1970er Jahre sei in diesem Jahr während der am 28. August zu Ende gehenden Sommerpause umfassend renoviert worden, versichert ihr Intendant Fein. Lichter, größer und moderner sollte sie werden.

In den vergangenen 40 Jahren war auch Else Müller oft hier in der heutigen Alten Oper. Liza Minelli etwa hat sie dort gesehen, Loriot mit seiner legendären Fassung von Wagners „Ring des Nibelungen“ oder die Barrelhouse Jazzband. Die 87-Jährige sitzt oft an ihrem Frankfurter Lieblingsort, im Café der Alten Oper, der 1983 errichtete Lucae-Brunnen plätschert, Tauben gurren, Menschen machen Fotos, es ist heute wieder der wohl schönste Platz der Stadt. Dass er lange als Parkplatz diente, ist längst vergessen

Else Müller klopft auf das Pflaster des Opernplatzes. „Hier drunter, wo heute das Parkhaus ist, war früher das Kulissendepot, wo mein Großonkel, der Vater meiner Patentante, Kulissenmeister des Opernhauses war“, sagt sie und lacht. „Damit hatte ich schon von Anfang an eine ganz besondere Beziehung zu dem Haus.“

Das zerstörte Foyer mit der einst berühmten Treppe auf einer historischen Postkarte, die Zeitzeugin Else Müller geschenkt bekam. Bild: Monika Müller

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