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Maikel im Juni, wie ihn alle mochten.

Frankfurter Zoo

Wut über Maikels Tod

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Der Flusspferdbulle Maikel im Frankfurter Zoo verendet an einem Darmverschluss. Schuld ist ein Tennisball, den ihm vermutlich ein Zoobesucher ins Maul geworfen hat.

Gerade wird im Zoo über eine neue, schönere Anlage unter anderem für die Flusspferde nachgedacht, da muss die Stadt einen ihrer beliebtesten Dickhäuter betrauern: Flusspferd Maikel ist tot. Man kann durchaus sagen, er wurde umgebracht. Das Tier starb im Alter von 39 Jahren an einem Tennisball, den ihm vermutlich ein Zoobesucher ins Maul geworfen hat.

„Der Verlust eines solchen Tieres, das wir über eine so lange Zeit begleitet haben, wiegt immer schwer und macht uns natürlich sehr traurig“, sagte Zoodirektor Manfred Niekisch. In Anbetracht der Todesursache jedoch „übersteigt die Wut auf diesen unbekannten Besucher die Trauer“.

Leider komme es immer wieder vor, dass Besucher Gegenstände in die Gehege oder sogar ins Maul eines Tieres würfen. In der Tat sind solche Fälle auch aus anderen Zoos bekannt; in der Stuttgarter Wilhelma etwa starb ebenfalls ein Flusspferd an einem Tennisball, ein Eisbär an einem verschluckten Rucksack und ein See-Elefant an einem Stofftier. Im Kronberger Opel-Zoo verendete einst gar ein Flusspferd an einem Regenschirm, der ihm ins Maul gestopft wurde. Aber: „Zoologische Gärten sind keine Hochsicherheitstrakte“, sagte Niekisch. Es gehöre zum Konzept, dass Besucher die Tiere nah erlebten. „Eine absolute Sicherheit vor dem Fehlverhalten einiger weniger Zoobesucher kann deshalb nicht verwirklicht werden.“

Obduktion fördert Ball zutage

Dass Maikel litt, war den Pflegern und Tierärzten schon am Sonntag aufgefallen, er hatte keinen Appetit und auch keinen Stuhlgang. Die Chancen, die Ursache herauszufinden, seien bei einem Zwei-Tonnen-Tier aber stark eingeschränkt, teilte die Zooleitung mit: „Es gab keine Chance, den Tennisball auch nur zu entdecken, geschweige denn zu entfernen.“

Obwohl Pfleger und Ärzte sich intensiv um ihn gekümmert hätten, sei der Flusspferdbulle am Donnerstagmorgen gestorben. Die Obduktion förderte schließlich den Tennisball zutage. Hätte er den Gegenstand nicht verschluckt, hätte er trotz seines stolzen Alters gut und gern noch zehn Jahre leben können, betonten die Veterinäre.

Maikel kam bereits 1978 als Dreijähriger aus dem Zoo von Amsterdam nach Frankfurt. Er zeugte sechs Jungtiere und hatte inzwischen vier Urenkel. Um einen Nachfolger will sich der Zoo zunächst nicht bemühen, solange der Zeitplan für die künftigen Anlagen noch offen ist. Niekisch: „Klar ist, dass wir in die existierende alte Anlage nicht wieder einen großen Flusspferdbullen setzen werden.“

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