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Der Musiker und Initiator Arastoo Khosrobeik spielt auf dem Klavier.

Kultur in Frankfurt

Klavierklänge in der großen Halle

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Im Frankfurter Hauptbahnhof steht für einen Monat ein Klavier. Jeder, der will, kann darauf spielen

Ein Hauch von Chopin weht durch die Bahnhofshalle. Noch nicht einmal fünf Minuten steht das Klavier an seinem Platz am Querbahnsteig des Frankfurter Hauptbahnhofs, da hat sich schon ein erster Pianist gefunden. Der Durchreisende nutzt seine Wartezeit, um ein paar Takte des französischen Komponisten zum Besten zu geben. Einige Passanten bleiben stehen, hören zu, machen Fotos.

Arastoo Khosrobeik ist davon begeistert. Die Musikschule des Pianisten und Pädagogen hat das Klavier zur Verfügung gestellt. Das Instrument soll nicht nur ein Ort der Musik, sondern auch der Begegnung sein. „Hier können Leute zusammenfinden, die sich sonst nie getroffen hätten“, sagt der gebürtige Iraner.

Bis zum 17. Juli steht das Instrument in der Bahnsteighalle bei den Gleisen 2 und 3. Jeder, der mag, darf darauf spielen. Ein Schild in verschiedenen Sprachen lädt dazu ein. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Klavier für eine gewisse Zeit  im Hauptbahnhof steht. Von Ende Februar bis Mitte März dieses Jahres stand es in der Halle beim Haupteingang. Zahlreiche Menschen nahmen das Angebot an, die Aktion war ein voller Erfolg.

Dass das Instrument dieses Jahr nicht am Haupteingang steht, hat einen einfachen Grund. „Wir wollten auch mal andere Standorte im Hauptbahnhof ausprobieren“, sagt Corinna Hey. Die stellvertretende Vorsitzende der Werbegemeinschaft der Bahnhöfe Rhein-Main ist zuständig für die Ladenbetreiber und Gastronomen im Hauptbahnhof. „Was das Klavier angeht, sind alle Mieter sehr aufgeschlossen“, sagt sie. Gerade die Gastronomen könnten dadurch den ein oder anderen Gast mehr verzeichnen, wenn Reisende vor dem Klavier einen Moment inne hielten und sich dann entschieden einzukehren. Insgesamt soll für den Bahnhofsbesucher der Aufenthalt attraktiver werden „Wenn ich morgens um sieben aus dem Zug steige, mag ich es, wenn mich schöne Klaviermusik empfängt“, sagt Corinna Hey.

Die Idee zu dem Klavier kam den Initiatoren mit der Schnellzugverbindung Frankfurt-Paris. In der französischen Hauptstadt gehören Klaviere bereits seit einiger Zeit zum Inventar der Bahnhöfe. In Frankfurt dagegen wird das Instrument in vier Wochen wieder abgebaut. Erst einmal soll daraus kein dauerhaftes Projekt werden. Weitere Aktionen sind aber geplant.

Arastoo Khosrobeik freut das. Wenn gerade einmal keiner am Klavier sitzt, greift er mit großem Vergnügen selbst in die Tasten. Eine Dame, die auf ihren Zug wartet, hat auf den Stühlen des benachbarten Cafés Platz genommen. Sie wünscht sich von ihm ein Lied. Khosrobeik spielt Udo Jürgens. So schallt die Melodie zu „Ich war noch niemals in New York“ durch die Halle des Hauptbahnhofs und mit ihr ein Hauch von Fernweh. Irgendwie passend an einem Bahnhof.

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