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Ein Investor hat das Gebäude an der Schwarzburgstraße bereits gekauft.

Stadtentwicklung in Frankfurt

Zukunft des Glauburgbunkers noch ungewiss

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Noch ist die Zukunft des Glauburgbunkers im Frankfurter Nordend ungewiss, Wünsche gibt es jedoch viele. Eins ist klar. Der neue Eigentümer will das Gebäude abreißen.

Momentan steht er einfach nur da, mit seinen kahlen weißen Wänden und den rötlichen Schießscharten. Und das seit vielen Monaten schon. Genutzt wird der Glauburgbunker in der Schwarzburgstraße schon lange nicht mehr. Ende 2016 machte das Explora-Museum seine Pforten dicht, die Exponate wurden als Wanderausstellung in die Niederlande verfrachtet. Auch die Tapas-Bar Alhambra ist im Mai 2017 ausgezogen. Sowohl der Ortsbeirat als auch eine Bürgerinitiative haben nun konkrete Vorschläge geäußert, wie es mit dem ehemaligen Luftschutzbunker weitergehen soll.

Dass das Gebäude an einen Investor verkauft wurde, ist bekannt; ebenso dass der neue Eigentümer den nicht denkmalgeschützten Bunker abreißen und Wohnungen auf dem Areal errichten will. Der fürs Nordend zuständige Ortsbeirat 3 hat über einen mehrheitlich beschlossenen Antrag der SPD-Fraktion gleich vier Forderungen aufgestellt. Erstens: Bei einem Neubau soll die Stadt darauf achten, dass die frisch verabschiedete Erhaltungssatzung Nordend-West eingehalten wird, sprich, dass sich das Gebäude nahtlos in die Umgebung einfügt. „Wir wollen nicht, dass das Gründerzeitareal durch einen modernen Klotz kaputtgemacht wird“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch der FR. Zweitens: 30 Prozent der neuen Wohnungen sollen geförderter Wohnraum sein, weitere 15 Prozent für gemeinschaftliches Wohnen genutzt werden. So soll verhindert werden, dass eine reine Luxus-Immobilie entsteht. 

Drittens: Zumindest ein Teil des Neubaus, etwa das Erdgeschoss, soll weiter für einen kulturellen Zweck genutzt werden. Die vor anderthalb Jahren gegründete Bunker-Initiative, die bei der jüngsten Ortsbeiratssitzung ihre Ideen vorstellte, wünscht sich in dem Neubau eine Begegnungsstätte für die Bewohner des Nordends, in der etwa Sprachkurse, Kinoabende, Lesungen oder Seniorentreffs stattfinden könnten. „Das ist ein Vorschlag, den ich ausdrücklich unterstütze“, sagt Sozialdemokrat Koch. Als möglicher Träger hat sich bereits der Verein Die Stadtteilwerkstatt angeboten. Und viertens: Der im Süden angrenzende Glauburgplatz soll während der gesamten Bauarbeiten unangetastet bleiben, also weder als Abstellfläche noch als Zufahrt genutzt werden. 

Die Bunker-Initiative hegt weiter zarte Hoffnungen, dass der Glauburgbunker stehen bleiben darf, ursprünglich hatte sich auch der Ortsbeirat gegen den Abriss und den Bau von Wohnungen ausgesprochen – ohne Erfolg. „Das Ding wird abgerissen werden“, ist Koch mittlerweile sicher. Er sei jedoch zuversichtlich, dass der Wunsch des Ortsbeirats nach einer kulturellen Nutzung erhört wird. „Sonst ist das Ganze nicht vermittelbar.“ 

Der Glauburgbunker beherbergte viele Jahre das Explora-Museum, auch Besitzer Gerhard Stief wohnte in dem Gebäude, das er 1995 der Stadt abgekauft hatte. 2016 gab der Museumsleiter seine Einrichtung aus Altersgründen auf, nachdem er zuvor wegen rassistischer Nachrichten auf Twitter massiv in die Kritik geraten war. Die Stadt und das Land Hessen distanzierten sich von Stief und rieten etwa Schulklassen davon ab, das Museum zu besuchen. 2017 wurde publik, dass der Bunker an einen bislang unbekannten Investor verkauft wurde. Ob Stief noch in dem Gebäude wohnt, ist nicht bekannt. 

Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, bestätigt der FR, dass eine Bauvoranfrage vorliegt, die allerdings noch von der Stadt geprüft wird. Diese sieht „das Errichten eines Gebäudes mit einer Schank- und Speisewirtschaft, einer Anlage für kulturelle Zwecke sowie 43 Wohnungen und einer Tiefgarage mit 30 Stellplätzen“ vor. „Geförderte Wohnungen sind uns wichtig“, betont Gellert. Einer der Punkte, die noch geklärt werden müssen, ist die Tatsache, dass sich die Stadt die Nutzung der Kaserne als Museum hat grundbuchlich absichern lassen. Auf diese, so schrieb der Magistrat in einer Stellungnahme, würde er „nur gegen Zahlung einer angemessenen Entschädigung verzichten“. 

Die Gespräche mit dem neuen Eigentümer führt das Amt für Bau und Immobilien (ABI). Günter Murr, Sprecher des Dezernats Bau und Immobilien, bestätigt, dass die Verhandlungen noch andauern und dass es „verschiedene Interessen“ gibt, ohne ins Detail zu gehen. Wann es zu einem konkreten Bauantrag kommen könnte, will er nicht prognostizieren. 

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