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Der Grünen-Politiker Daniel Mack.

Deutsche Bahn Rassismus

"Nicht in der afrikanischen Bummelbahn"

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Der Grünen-Politiker Daniel Mack sieht sich erneut durch Sicherheitsleute der Deutschen Bahn rassistisch behandelt. Als er in einem Zug nicht schnell genug seine Fahrkarte aus der Tasche ziehen kann, soll ihn ein Kontrolleur angeherrscht haben. Die Bahn will den Vorfall klären.

Als Daniel Mack noch Abgeordneter im Hessischen Landtag war und mit Berufsticket Bahn fuhr, hätten Kontrolleure öfter mal geglaubt, er habe seine Fahrkarte gefälscht, sagt der 27-jährige Grünen-Politiker. Vielleicht, weil Mack als „junger Typ“ nicht in das Bild passte, dass sich Kontrolleure von einem Abgeordneten machten, mutmaßt er. Oder weil Mack nicht weiß ist. Sein Vater kommt aus Sri Lanka.

Das führte im Oktober dazu, dass Mack von Sicherheitsleuten der Deutschen Bahn aufs heftigste rassistisch beschimpft wurde. Er hatte sich eingemischt, als sie einen Schwarzen mit Schlagstöcken malträtierten. Die Deutsche Bahn entschuldigte sich und gelobte Besserung.

Nun aber hat Mack erneut ein unschönes Erlebnis über Twitter öffentlich gemacht, das ihm in einem Regionalexpress zwischen Frankfurt und Fulda widerfuhr. Mitarbeiter der DB-Sicherheit hätten die Fahrscheine kontrolliert, sagt Mack. Als er um einen Moment Zeit bat, um sein Ticket aus der Tasche zu ziehen, habe ein Kontrolleur ihn angeherrscht: „Mach hin, wir sind hier nicht in der afrikanischen Bummelbahn.“

Bahn verspricht Aufklärung

Auf Anfrage der FR versprach eine Sprecherin der Bahn, den Vorfall zu klären. „Sollte sich der Fall tatsächlich so ereignet haben, wäre das nicht das Verhalten, das wir von unseren Mitarbeitern erwarten.“ Die Sicherheitskräfte sollen befragt werden.

Das DB-Sicherheitspersonal werde „jährlich 48 Stunden im Umgang mit Situationen und Menschen geschult“, um „in Deeskalations- und Verhaltenstrainings“ zu lernen, „Situationen richtig einzuschätzen und zu entschärfen“. Mack, der täglich auf der Strecke pendelt, sagt, in 98 Prozent der Fälle machten die Kontrolleure ihre Arbeit korrekt. Im eigenen Interesse des Unternehmens sei es aber notwendig, mehr gegen Rassismus zu tun.

Der Politiker wundert sich zudem, dass die mit Handschellen und Schlagstöcken ausgerüsteten Sicherheitsleute überhaupt als Kontrolleure eingesetzt wurden. Dies sei „sehr untypisch“. Laut der DB-Sprecherin werden Sicherheitsleute jedoch „im Regionalverkehr vieler Bundesländer beauftragt, in den Zügen für Sicherheit und Ordnung“ zu sorgen und zu kontrollieren. Mack bemängelt, an der Uniform keinen Namen oder Nummernkennung gesehen zu haben. Während die Bahn via Twitter mitteilte: „Grundsätzlich ist jeder Mitarbeiter in Unternehmensbekleidung verpflichtet, das vorgesehene Namensschild sichtbar zu tragen“, sagte die Sprecherin: „Zum Schutz der Mitarbeiter werden die Namen nicht offen getragen.“ Sie seien aber verpflichtet, eine ID-Karte mit Bild und Unternehmensbezeichnung zu tragen.

Den Twitter-Dialog finden Sie hier und hier.

Hier die Antwort der Deutschen Bahn auf Daniel Macks Frage nach einer Kennzeichnung von Kontrolleuren.

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