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Türschutz statt Tierschutz

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Von: Thomas Stillbauer

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Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt beschützt Tiere, die nicht jeder mag.
Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt beschützt Tiere, die nicht jeder mag. © peter-juelich.com

Eine kaputte Tür zählt vor Gericht offenbar mehr als ein Taubenleben.

Tiere sind keine Sachen. Paragraf 90a BGB sagt es wörtlich, und weiter: „Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.“ Nämlich durch das Tierschutzgesetz, dessen Paragraf 1 sagt: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Ob das auch für Tauben gilt, daran scheiden sich offenbar die Geister. Der Amtsrichter in Frankfurt sagt, eine Taube sei kein „taugliches Rechtsgut“, im Klartext: Das Überleben einer oder mehrerer in einem Dachboden eingesperrter Tauben rechtfertigt nicht die Beschädigung einer Tür. Das Stadttaubenprojekt soll der ABG Schadenersatz zahlen. Das bedeutet: Der Wert der Sache, also der Tür, zählt mehr als das Leben der Taube. Da nutzt es ihr wenig, dass sie vor dem Gesetz keine Sache ist, wenn letztlich die Sache über ihr steht. Wäre sie ein Hund und gehörte jemandem, hätte sie wohl mehr Glück.

Vielleicht sollte sich das Stadttaubenprojekt umbenennen und künftig als Stadthundeprojekt wirken. Wer sich um beliebte Tiere kümmert, hat es im Leben und vor Gericht leichter. Und ganz unironisch: Die ABG hat den Prozess gewonnen. Ob es sie sympathischer macht, wegen einer kaputten Tür den Tierschutz zu verklagen, muss sie selbst wissen. Die Friedenstaube hat jedenfalls schon bessere Zeiten erlebt.

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