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Robin Gosens (Deutschland, l) feiert mit Ilkay Gündogan (Deutschland) das Tor zum 1:0 gegen Lettland. Über die niicht korrekte Aussprache von Namen ärgert sich die Frankfurter Künstlerin Emma M. Ceren. Bild: Federico Gambarini/dpa
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Robin Gosens (Deutschland, l) feiert mit Ilkay Gündogan (Deutschland) das Tor zum 1:0 gegen Lettland. Über die nicht korrekte Aussprache von Namen ärgert sich die Frankfurter Künstlerin Emma M. Ceren. Bild: Federico Gambarini/dpa

Zusammenleben

Türkische Namen als Aufreger

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Die richtige Aussprache wird nicht nur bei der EM missachtet, sondern häufig auch im Alltag - das ärgert die Frankfurter Künstlerin Emma M. Ceren.

Der Beginn der Fußballeuropameisterschaft ist für viele Menschen ein Grund zur Freude. Doch nicht jeder ist angesichts der Veranstaltung guter Stimmung. Für Emma M. Ceren, Künstlerin aus Frankfurt, sind einige der Spiele ein Graus, aber aus einem Grund, den wohl niemand vermutet. Ceren findet es unerträglich, dass die Kommentatorinnen und Kommentatoren türkische Namen falsch aussprechen. Das sei aber kein Alleinstellungsmerkmal des Sports, sondern für sie selbst Alltag.

Cerens Nachname wird „Dscheren“ ausgesprochen. Häufig hört sie aber „Tscheren“ oder „Zeren“. Die Projekte der Künstlerin drehen sich häufig um Rassismus, so hat sie etwa ein Banner gegen Alltagsrassismus gestaltet, das sie häufig aufhängt. Die falsche Aussprache der Namen sieht sie auch als einen Bestandteil von Alltagsrassismus, mindestens aber als Ignoranz gegenüber der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland. „Das macht mich krank“, sagt sie.

EM-Eröffnungsspiel zwischen der Türkei und Italien. ARD-Kommentator Florian Naß hat mit den italienischen Namen keine Probleme. Ciro Immobile oder Giorgio Chiellini spricht er richtig aus. Als der türkische Torwart Ugurcan Çakir den Ball bekommt, sagt er „Ugurtschan Tschakir“, doch der Mann wird „Urdschan Tschake“ gesprochen. Nur eines von vielen Beispielen an diesem Abend.

Mittlerweile ist die türkische Nationalmannschaft ausgeschieden, aber die Problematik mit der Aussprache wird bleiben. Auch weil der türkische Schiedsrichter Cüneyt Çakir (Dschüneyt Tschake) wohl noch Partien leiten wird und wie bei seinem Namensvetter im Tor sein Name ebenfalls falsch ausgesprochen wird. In der aktuellen deutschen Nationalmannschaft spielen zwei Spieler mit türkischen Wurzeln.

ZDF-Kommentator Béla Réthy spricht im Spiel gegen Frankreich beide Namen bemerkenswert richtig aus: Emre Can (Dschan) und Ilkay Gündogan (Gündoan). Emma M. Ceren erinnert aber an den ehemaligen Nationalspieler Serdar Tasçi. Sein Name wurde zu Tasci, obwohl er „Taschtsche“ ausgesprochen wird.

Seit Jahren versucht Ceren die Politik und die öffentlich-rechtlichen Sender, die meistens die Spiele übertragen, für das Thema zu sensibilisieren – vergebens. Dabei geht es nicht allein um die falsche Aussprache an sich, sondern darum, dass einige Namen dann eine andere Bedeutung bekommen. Deshalb verändert Ceren absichtlich die Namen der Menschen, an die sie ihre offenen Briefe formuliert. Frank-Walter Steinmeier wird zu Krank-Walter, Angela Merkel zu Ferkel und Jogi Löw zu Söv.

Die Künstlerin will provozieren, nicht selten fühlt sich die Gegenseite beleidigt. Deshalb führt Ceren ein reales Beispiel an. Ahmet Sik ist türkischer Autor und Journalist. Sein Nachname wird „Scheck“ gesprochen und bedeutet übersetzt „elegant“. Sagt man hingegen „Sik“ wird der Name zum türkischen Wort für Penis oder Schwanz.

Doch selbst ohne die Gefahr solcher Verwechslungen wünschen sich auch andere Menschen mit türkischem Namen mehr Sensibilität bei dem Thema. Eine Frau berichtet der FR, dass es eine Frage des Respekts und der Haltung sei. Der Name sei ein Teil der Person.

Yanki Pürsün, FDP-Politiker in Frankfurt und Landtagsabgeordneter, kennt das Problem mit der falschen Aussprache ebenfalls. Sein Vorname wird „Yanke“ gesprochen, nicht „Yanki“. Die richtige Aussprache sei ihm mittelwichtig. „Bei Menschen, mit denen ich viel zu tun habe oder die schon mal einen Hinweis auf die Aussprache bekommen haben, würde ich es schon erwarten, dass sie es nicht mehr falsch aussprechen.“ Er finde es nett, wenn Leute sich bemühten, den Namen richtig auszusprechen.

Dass alle Menschen mit türkischem Namen in Deutschland die falsche Aussprache als Problem wahrnähmen, glaubt er eher nicht. Pürsün merkt zudem an, dass das richtige Schreiben noch ein größeres Problem darstelle. Die übliche Computertastatur kenne die türkischen Buchstaben nicht. Zudem habe er bereits Probleme bei Behörden gehabt, etwa als er seine Briefwahlunterlagen beantragt habe.

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