Eine Abwasserprobe vom Frankfurter Flughafen wird an der TU Darmstadt analysiert.
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Eine Abwasserprobe vom Frankfurter Flughafen wird an der TU Darmstadt analysiert.

Uni-Forschungsprojekt

Corona-Frühwarnsystem - Abwasser in Frankfurt zeigt Anstieg der Fallzahlen

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Forscher untersuchen Klärwasser aus Frankfurt und vom Flughafen – ein hessenweit einmaliges Projekt zur Corona-Pandemie-Entwicklung in einer Großstadt.

  • Forscher der TU Darmstadt arbeitet an einem Projekt zur Beobachtung der Pandemie-Entwicklung in Städten.
  • In Frankfurt deuten die Analysen der Forscher auf einen Anstieg der Coronavirus-Fallzahlen hin.
  • Auch die Abwässer des Flughafen Frankfurts werden unter die Lupe genommen.

Frankfurt/Darmstadt – Die Fäkalien im Abwasser in Frankfurt als auch der Reisenden und des Personals am Flughafen Frankfurt werden seit Juni von Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Darmstadt auf Spuren von Coronaviren untersucht. Dafür wandern zweimal die Woche Proben der Frankfurter Kläranlagen, die Abwasser von insgesamt über 1,8 Millionen Bürgern aufbereiten, nach Darmstadt. Dort werden sie von Wissenschaftlern der TU auf Spuren von Erbmasse von Coronaviren untersucht.

Forschungsprojekt der TU Darmstadt: Anstieg der Corona-Fälle in Frankfurt kann beobachtet werden

Mit dem hessenweit ersten Forschungsprojekt dieser Art konnte der aktuelle Anstieg der Corona-Infektionen bereits beobachtet werden, bevor er sich in offiziellen Testergebnissen niederschlug, wie Susanne Lackner, Leiterin des TU-Fachgebiets Abwasserwirtschaft der Frankfurter Rundschau am Mittwoch sagte. Nach ersten Ergebnissen könne der Trend zum Anstieg der Infektionszahlen schon ein bis zwei Wochen früher beobachtet werden. Und das auch, wenn infizierte Personen symptomfrei bleiben.

Dass Teile der Erbsubstanz von Coronaviren über den menschlichen Stuhl im Abwasser landen, und dort nachweisbar sind, ist laut Lackner bereits seit dem Frühjahr bekannt. Dieser Tage hatte eine entsprechende Veröffentlichung einer überregionalen Forschergruppe, zu der auch Wissenschaftler der Goethe-Uni in Frankfurt gehören, für Schlagzeilen gesorgt.

Uni-Forschungsprojekt: Ein Corona-Frühwarnsystem für Frankfurt und andere Großstädte?

Das Neue an dem vom Land Hessen geförderten TU-Projekt ist, dass hierfür erstmals ein Konzept entwickelt wurde und dieses in einer Großstadt getestet wird. „Die Analysen in Abwasser haben das Ziel, eine praktisch gut umsetzbare Methode für ein Monitoring auf Sars-Cov-2 zu realisieren“, teilte die TU mit.

Zukünftig könnte die Probenahme erweitert werden, so Lackner. „Wenn wir das Infektionsgeschehen genauer und regionaler, etwa in einzelnen Stadtteilen, verfolgen wollen, müssten Proben häufiger und auch direkt im Kanalsystem entnommen werden.“ Auch die Entnahme von Proben in Darmstadt sei derzeit im Gespräch.

Analyse der Abwässer des Flughafen Frankfurts: Woher stammen die Corona-Erreger?

Ein weiteres Novum: Durch die Analyse der Abwässer des Flughafen Frankfurts wird laut Lackner deutschlandweit erstmals untersucht, woher die Keime stammen. Die ständige Mutation des Erregers sorge dafür, dass man sehen könne, aus welchem Land er komme. Die Daten hierfür würden derzeit noch ausgewertet. „Ich verspreche mir Erkenntnisse über die Diversität der Virenlasten im Vergleich zu den kommunalen Anlagen“, so Lackner. (Claudia Kabel)

Coronavirus-Spuren im Abwasser taugen als Frühwarnsystem. Das haben Forschende aus Frankfurt und Aachen nachgewiesen - ein Durchbruch. In ganz Deutschland infizieren sich die meisten Menschen im Rhein-Main-Gebiet mit Corona. Für die hohen Zahlen rund um Offenbach und Frankfurt gibt es verschiedene Gründe.

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