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Eine Gruppe von Schülern diskutiert, wie ihre Standpunkte lauten sollen.

Projekt

„Climonomics“ in Frankfurt: Trump trifft Thunberg

Bei der Veranstaltung „Climonomics“ stellen Schüler eine EU-Klimakonferenz nach und nehmen dafür ungleiche Rollen ein.

Von Janis Berling

Wenn Donald Trump in Frankfurt mit Greta Thunberg, Jair Bolsonaro und Angela Merkel über den Klimawandel debattiert, handelt es sich dabei nicht etwa um einen politischen Fiebertraum, sondern um eine Veranstaltung des „PolECulE-Projects“ der Goethe-Universität Frankfurt. Bei „Climonomics“ kamen am Freitag zwischen 200 und 300 Schülerinnen und Schüler in Bockenheim zusammen, um an einer nachgestellten EU-Klimakonferenz teilzunehmen. Dafür schlüpften die Schüler in verschiedene Rollen.

In Gruppen verkörperten sie neben den erwähnten Protagonisten unter anderem Fraktionen des Europäischen Parlaments, diverse Regierungschefs, Vertreter aus der Wirtschaft und verschiedene politische Organisationen wie Fridays for Future oder Greenpeace.

Die Teilnehmer hatten außerdem die Gelegenheit, während der Debatte auf eine Leinwand Tweets mit Meinungen zu veröffentlichen. Diese Möglichkeit wurde auch regelmäßig genutzt, passenderweise vor allen von der Trump-Gruppe.

Trotz der explosiven Mischung blieb die Veranstaltung friedlich, hoch her ging es allerdings dennoch. Es wurde debattiert über Fragen nach dem menschengemachten Klimawandel, der Verantwortung von Industrie- und Schwellenländern und natürlich über Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Die Diskussion war im Gegensatz zu vielen „echten“ Klimadebatten größtenteils angenehm faktenbasiert, auch wenn die populistischen Gruppen natürlich populistische Positionen vertraten. Aber gerade auch von der Gruppe um den indischen Präsidenten Ram Nath Kovind oder sogar von der Bolsonaro-Gruppe kamen interessante Ansätze zur Situation von Schwellenländern und der Frage nach der Verantwortung für den Klimawandel.

So berichtete die indische Delegation, dass Deutschlands CO2-Emissionen pro Kopf um ein vielfaches höher sein als die der als „Klimasünder“ geltenden Inder. Die brasilianische Gruppe merkte an, dass Brasilien von den Industrienationen über Jahre hinweg im Stich gelassen wurde, ein Vorwurf, der schwerlich wegdiskutiert werden konnte und der auch von der Greenpeace-Gruppe bestätigt wurde.

Auch wenn die Konferenz nicht immer gänzlich ernst blieb, zeigte sich doch, wie politisch interessiert und engagiert jugendliche Schüler sein können, wenn man ihnen den Raum und die Möglichkeit dazu gibt. Insofern waren Organisatoren und Schüler auch sichtlich zufrieden mit dem Verlauf des Tages.

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