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Pendler auf dem Weg nach Frankfurt. (Archiv)

Coronavirus

Trotz Corona-Fällen: Frankfurt bleibt gelassen

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Auch weil viele Arbeitgeber vorgesorgt haben, ist die Sorge vor einer Infektion bei Frankfurtern gering.

Schon seit Jahren habe er Desinfektionsmittel in der Tasche. „Aber so oft wie in der letzten Zeit habe ich es noch nie benutzt“, gibt ein junger Mann zu, der inmitten einer Traube hungriger Menschen im Einkaufszentrum Pommes frites isst. Seine Arbeitskollegen stimmen zu: Man wasche sich häufiger die Hände, sei vorsichtiger. Aber Angst habe man nicht.

Besonders als Bahnpendler fielen einem aber doch häufiger „verantwortungslose Leute“ auf, die einfach in die Luft oder in die Hand husteten und danach den Türöffner bedienten, sagt eine Frau in der Runde.

„Vor ein paar Tagen im Bus“, erzählt der Kollege, habe es eine richtige Auseinandersetzung gegeben, weil der Busfahrer einen Mann nicht weiter mitnehmen wollte, der offensichtlich … erkältet war? Im Bus hätten sich zwei Lager gebildet, ein paar Mitfahrende hatten Angst, es könnte Corona sein.

Das Virus ist ein Thema. In Toilettenräumen hängen plötzlich Zettel, wie man sich richtig die Hände wäscht. Neben der Seife steht blaue Flüssigkeit. Aber wer in den letzten Tagen den Tipp beherzigt hat, Türen mit dem Ellbogen zu öffnen, dürfte gemerkt haben: Die Vorsorge hat Grenzen.

Auch Arbeitgeber, besonders international vernetzte, haben sich etwas überlegt. Die Strategie, die seine Firma fährt, empfindet Rudolf Wiegand, der an einem Stand zu Mittag isst, als „sehr professionell“. Deshalb sei er auch „sehr entspannt“. Er arbeitet bei einem koreanischen Autohersteller. „Schon in den letzten Wochen wurden internationale Meetings weitgehend abgesagt, persönliche Konferenzen finden so wenig wie möglich statt.“ Es wurden Tipps und Desinfektionsmittel verteilt.

Am Infoschalter im Hauptbahnhof steht eine Geschäftsreisende in der Schlange, die am Nachmittag nach Hannover fährt. Vor ihr ein Mann mit Mundschutz. „Ich mache mir nicht wirklich Sorgen, das Virus ist ja auch nicht viel schlimmer als eine normale Grippe.“ Trotzdem passe sie „ein bisschen mehr auf“.

Ihr Arbeitgeber habe ausdrücklich gebeten, bei Krankheitssymptomen sofort zu Hause zu bleiben und nach Genesung vierzehn Tage in Homeoffice zu arbeiten. „Für den beruflichen Austausch gibt es heute ja auch technische Lösungen“, sagt sie.

Mursal arbeitet an der Kasse eines großen Kaufhauses mit internationaler Kundschaft. Sie sorgt sich sehr. „Ich wasche und desinfiziere meine Hände häufig“, sagt sie. „Ich würde gerne einen Mundschutz tragen.“ Das erlaube der Arbeitgeber aber nicht.

„Anfang nächster Woche wieder“, vertröstet ein Mitarbeiter einer Apotheke im Skyline Plaza immer wieder Kunden. Sonst verkaufe man Mundschutz „so gut wie nie“, in letzter Zeit „extrem viel“, sagt er. Dass so viele Masken gekauft werden, findet er nachvollziehbar, auch „die Desinfektionskette hochzuhalten“, sei wichtig. Als Apotheker sehe er sich „mitverantwortlich, keine Keime weiterzugeben“.

Yvon Kluin kauft bei ihm die „Maximalmenge“ Desinfektionsmittel, drei Fläschchen. Das habe ihr Arbeitgeber am Donnerstag angeordnet. „Ich persönlich bin da entspannt“, sagt sie. Mit den Händen weniger ins Gesicht fassen, in die Armbeuge niesen, keine Handschlag – diese Ratschläge beherzige sie trotzdem. „Ich bin gesund und habe ein gutes Immunsystem“, sagt sie.

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