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Trost fern der Heimat im Frankfurter Ikonenmuseum

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Von: Andreas Hartmann

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Das Frankfurter Ikonenmuseum hat für seine Besucher:innen eine neue App in den Sprachen Deutsch, Englisch und Russisch erstellt. Damit kann man sich durch die Sammlung führen lassen. Foto: Renate Hoyer
Das Frankfurter Ikonenmuseum hat für seine Besucher:innen eine neue App in den Sprachen Deutsch, Englisch und Russisch erstellt. Damit kann man sich durch die Sammlung führen lassen. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

Die Besucherzahl im Ikonenmuseum steigt wegen des Ukrainekriegs deutlich an – jetzt hat das Museum eine neue App vorgestellt, die durch die Sammlung führt

Das Ikonenmuseum am Sachsenhäuser Mainufer zeigt Bilder, die für viele Besucher:innen in einer modern-säkularen Stadt wie Frankfurt heute sehr fern sind. Hier glänzt der Heiligenhimmel der orthodoxen Ostkirchen, gemalt für die Gläubigen zwischen Kiew, Moskau, Athen und Addis Abeba. In den christlich-orthodoxen Kirchen ist diese jahrhundertealte Tradition immer noch lebendig, bis heute entstehen immer neue Ikonen.

Es ist ein stilles Museum, das etwas abseits der touristischen Pfade liegt – wie viele Menschen hierherkommen, könne er gar nicht genau sagen, meinte Matthias Wagner K als Direktor des Museums Angewandte Kunst auch für das Ikonenmuseum zuständig. Zwischen 1000 und 2000 seien es wohl im Monat, sagte er gestern bei der Vorstellung einer neuen kostenlosen Handy-App, die die Sammlung künftig auf Deutsch, Englisch und Russisch besser erklären und vorstellen soll.

Seit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine seien die Besucherzahlen allerdings deutlich gestiegen, sagte Wagner K. „Etwa ein Drittel kommt mittlerweile aus der Ukraine“, schätzt er. Viele Mütter zeigen ihren Kindern die Ikonen, hat Wagner K beobachtet. Sie können hier auch das kostenlose Wlan des Museums nutzen. Museumskuratorin Konstanze Runge, die russisch spricht, sei in Flüchtlingsunterkünfte gegangen und habe die Menschen dort eingeladen, sagte Wagner K.

Das Museum

Das Ikonenmuseum im ehemaligen Frankfurter Deutschordenskloster (Brückenstraße 3-7) entstand aus der Stiftung des Arztes Jörgen Schmidt-Voigt. Es zeigt seit 1991 Werke der orthodoxen Kirchen aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion, Griechenland, Rumänien und Äthiopien. Im März 2021 wurde es nach aufwendiger Renovierung wiedereröffnet.

Geöffnet ist es mittwochs von 12 bis 20 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Die neue Museums-App ist kostenlos, zu finden im App-Store von Apple und Google. aph

„Kultur kann Trost auf der Flucht bieten“, ist Dezernentin Ina Hartwig (SPD) überzeugt – und das ist ja auch der ursprüngliche Sinn der Ikonen. „Es kann ein Stück Heimat sein.“ Flüchtlinge haben laut Hartwig freien Eintritt in die Frankfurter Museen und den Zoo.

Die neue App der Firma Faroart, die durch die Sammlung führt, hat Runge erarbeitet und teilweise auch eingesprochen. Gefördert wird sie von Hartwigs Kulturdezernat. Zweimal im Monat gibt es jetzt auch kostenlose Führungen einer Ukrainerin in russischer Sprache. „Das wird sehr gut angenommen“, berichtete Wagner K. Aber warum ist die App auf Russisch? Das sei in vielen osteuropäischen Ländern immer noch die „lingua franca“, hieß es bei der Vorstellung. Man habe mit der App jetzt schnell an den Start gehen wollen, betonte er.

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