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Der elfjährige Tristan kümmert sich um eine vermeintlich Verletzte und legt ihr eine Rettungsdecke um.

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Trockenübungen mit Kunstblut

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Beim Kreiswettbewerb des Jugendrotkreuzes messen sich Kinder und Jugendliche in Erster Hilfe.

Das sieht gar nicht gut aus: Dunkelrot klafft eine Platzwunde an Corinnas Stirn, daneben Pia, deren Knöchel blau-rot angelaufen ist. Und noch schlimmer: Azra liegt auf dem Boden, ist bewusstlos.

Jetzt muss es schnell gehen – das wissen die Jugendlichen, die sich am Samstagvormittag beim jährlichen Kreiswettbewerb des Jugendrotkreuzes (JRK) plötzlich in solchen Situationen organisieren müssen.

„Wichtig ist, nicht die Ruhe zu verlieren“, sagt Sila danach. Sie ist eine der Schulsanitäterinnen an der Luise-von-Rothschild-Schule und versucht gemeinsam mit ihren Schulkameraden Angelina, Tuana und Vincenzo, die Gruppe „Blood Shots“ zum Sieg zu bringen. Ihr ganzes Wissen aus Grundkurs und dem wöchentlichen Treffen in der Sanitäter-AG muss das Team jetzt anwenden: stabile Seitenlage, Verband anlegen, Schwellung kühlen, Wärmedecke umlegen – und natürlich den Notruf absetzen.

Das Tückische: Anders als es aussieht, ist nach dem vermeintlichen Sportunfall die Bewusstlose am schwersten verletzt. Erst nach Atemtest und Ansprechen kommt sie in der stabilen Seitenlage wieder zu sich. „Sie hatte eine Amnesie und wusste nicht mal, wo sie ist und was passiert war“, lautet Vincenzos Diagnose.

Weitere Informationenzum Jugendrotkreuz gibt es unter www.jrkfrankfurt.de

Alle Verletzungen wurden vorher mit Haut- und Wundenwachs, geleeartigem Wundenfüller, Puder und Kunstblut geschminkt. „Das ist auch etwas, was man bei den Treffen des Jugendrotkreuzes lernen kann“, sagt Franz Bachmann, Kreisleiter der Jugendorganisation des Deutschen Roten Kreuzes, die in Frankfurt 600 Mitglieder hat.

Viele würden die Kinder- und Jugendgruppen in Dornbusch, Bergen-Enkheim und der Innenstadt besuchen, es gebe aber auch zahlreiche Kooperationen mit Schulen, in denen im Rahmen von Projektwochen Kindern wichtige Erste-Hilfe-Tipps vermittelt werden. Außerdem bietet das JRK Infoveranstaltungen zum Gesundheitssystem, Berufsberatung für soziale Berufe und Babysitterkurse für Jugendliche an, alles kostenlos.

Am dritten Kreiswettbewerb im Stadthaus in der neuen Altstadt nahmen 60 Kinder und Jugendliche teil, darunter auch Mini-Bambini ab drei Jahren. „Natürlich sind die Prüfungen an die jeweilige Altersgruppe angelehnt, aber auch die Kleinsten können sich schon kümmern, wenn sich jemand geschnitten oder gestoßen hat, oder den Notarzt rufen“, sagt Bachmann.

Die Praxis-Station wird durch eine Theorie-Prüfung ergänzt. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, gibt es auch einige Spiele-Stationen, an denen Geschicklichkeit, Allgemeinwissen und Teamarbeit geprüft werden. Auch der Archäologische Garten mit Ausgrabungen, der sich unter dem Stadthaus befindet, wurde in den Wettbewerb eingebaut.

„Wenn man selbst in so eine Situation kommt, will man ja auch, dass jemand hilft“, sagt Vincenzo über seine Motivation. In der Schule wäre zum Glück noch nichts Schlimmes passiert. „Die meisten brauchen nur ein Pflaster oder ihnen ist übel. Einmal hat ein Mädchen schlecht Luft bekommen“, erzählt er. Oft helfe aber schon, sich zu unterhalten und zu beruhigen, so die Erfahrung der Schüler.

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