Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurt

Trends aus Fernost nachspüren

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
    schließen

Der Fachbereich Japanologie der Goethe-Universität feiert dieser Tage 40-jähriges Bestehen

Die Japanologie ist kein Orchideenfach. Da ist Lisette Gebhardt ganz bestimmt. Sie bekleidet eine der zwei Professuren am Fachbereich. Geschichte und Sprache stehen natürlich auf dem Stundenplan, auch Kunst und Kultur. Der Geist der Japanologie sei aber stets erfüllt von aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Trends. Die, meist von weltweiter Tragweite, produziere die Inselnation im Pazifik regelmäßig.

Seit 1981 existiert die Japanologie als eigener Fachbereich in den Ostasienwissenschaften der Goethe-Uni. Wegen der Pandemie beschränkt sich die Feier zum 40-Jährigen auf eine liebevoll kuratierte Seite im Internet mit Videogrußworten, historischen Abhandlungen, schriftlichen Grüßen. Gebhart ist richtig erstaunt, was da alles zusammen kommt.

„Man arbeitet ja meist so vor sich hin“, sagt sie. Jetzt hat der Fachbereich ein überwältigendes Feedback bekommen, viele Ehemalige melden sich zu Wort, schwärmen regelrecht. „Das ist auch mal schön zu sehen, was wir geleistet haben“, sagt Gebhardt verschmitzt. Unipräsident Enrico Schleiff attestiert der Japanologie, „Brücke in die weite Welt“ zu sein, die der Hochschule bei der Internationalisierung helfe. Immerhin unterhält der Fachbereich Verbindungen mit drei Partnerunis – in Osaka, Kyoto und Tokio.

Auch Gebhardt ist voll des Lobes – für die Studierenden. „Sie stellen sich Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen, müssen eine schwere Sprache lernen, sich fremde Kontexte erschließen.“ Rund 600 sind eingeschrieben. „Das ist viel für so ein kleines Fach.“ Das seien kreative Menschen, „aber keine Träumer“, sagt Gebhardt. Eigeninitiative brächten sie mit, erschließen sich eigene Karrieren. Wer Japanologie studiert, landet in der Kreativbranche, in den Medien, Agenturen, Fernsehen, bei Verlagen, in der IT, im Tourismus; sie übersetzen, oft im technischen Bereich, oder starten durch in einer der vielen japanischen Firmen in Frankfurt und Umgebung.

Das sei eine ermutigende Botschaft, findet Gebhardt. Dass auch mit einem kulturbezogenen Studium etwas zu erreichen ist. Wo derzeit doch viele Studierende die Flügel hängen ließen und nicht wüssten, was die Zukunft brächte.

Die wiederum beginnt oft mit einem Trend aus Japan. Um die Jahrtausendwende ist es die Prekarisierung der Gesellschaft gewesen, 2011 die Nuklearkatastrophe von Fukushima und der damit verbundenen Wiederkehr des Nachdenkens über die Atomkraft an sich. Mit der „Textinitiative Fukushima“ hat der Fachbereich sogar ein deutschlandweit beachtetes Nachschlagewerk geschaffen - mit Übersetzungen der atomkritischen Stimmen aus Japan.

Aktuell ist wegen der Pandemie erneut ein Gesellschaftsmodell im Blick, das es in Japan bereits länger gibt. Das sich selbst isolierende Einzelsubjekt, das Kontakte beschränkt. Vielleicht mit einem virtuellen Partner oder mit einer Puppe zusammen lebt.

In Japan gibt es auch das Phänomen der Mietmenschen. Wer einsam ist, kann sich über eine Agentur für einen Nachmittag Freund oder Freundin ausleihen oder gleich eine Familie. „Es gibt viele, die das ethisch fragwürdig finden“, sagt Gebhardt. Aber der Service floriert. Und er geht in gewisser Weise auch pragmatisch auf die Nöte der Menschen ein.

Vereinsamt und in Not fühlen sich die Ostasienwissenschaften nicht, versichert Gebhardt. Obschon Sinologen wie Japanologen noch im Juridikum auf dem alten Campus Bockenheim logieren. Ein Umzug auf den neuen Campus ist schon lange im Gespräch, bislang aber noch Zukunftsmusik. „Wir fühlen uns hier wohl“, sagt Gebhardt dazu nur. Die Lage sei gut, sehr zentral und urban.

Festseite: https://jubilaeumvierzigjahre japanologiefrankfurt.de/

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare