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Simeon Pessima (links) wirbt für das Projekt Shelter.
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Simeon Pessima (links) wirbt für das Projekt Shelter.

Project Shelter

Der Traum von einem Haus

  • Marie-Sophie Adeoso
    vonMarie-Sophie Adeoso
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  • Claus-Jürgen Göpfert
    Claus-Jürgen Göpfert
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In der Stunde, bevor die Stadtverordnetenversammlung tagt, demonstrieren erneut Geflüchtete und Aktivisten von Project Shelter für ein selbstverwaltetes Zentrum für obdachlose Migranten.

In der Stunde, bevor die Stadtverordnetenversammlung tagt, steht am Donnerstagnachmittag ein Mann auf dem Römerberg und ruft Touristen und frisch Getrauten mit lauter Stimme zu: „I have a dream! Ich habe den Traum, dass die Stadt Frankfurt und ihr Oberbürgermeister uns mit einem Haus helfen – und zwar jetzt!“

Der Mann, der sich der berühmten Worte Martin Luther Kings bedient, heißt Simeon Pessima, kommt aus Sierra Leone und versucht seit sechs Monaten vergeblich, eine dauerhafte Bleibe in Frankfurt zu finden. Gäbe es das Project Shelter nicht, sagt Pessima, jene jungen Aktivisten, die auch an diesem Donnerstag wieder für ein selbstverwaltetes Zentrum für obdachlose Migranten streiten und ihm mal hier, mal dort einen Schlafplatz organisierten, dann, so Pessima, müssten er und rund 80 andere afrikanische Wohnungslose, darunter auch Familien mit Kindern, wieder auf der Straße schlafen. „Das ist nicht einfach“, sagt Pessima. „Ein Haus gäbe uns Stabilität, eine Adresse, um Arbeit finden zu können.“

Pessimas Rede ist Teil einer einberufenen Freiluft-Pressekonferenz des Project Shelter. Seit Dezember 2014 appelliert die Gruppe an die Stadt, etwas für jene Menschen zu tun, denen sie rein rechtlich nichts schuldet: Menschen, die aus afrikanischen Ländern nach Südeuropa migriert sind, dort zwar Aufenthaltspapiere, aber weder Arbeit, Wohnung, noch staatliche Unterstützung erhalten haben, und deshalb weiterzogen gen Norden.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Gruppe im Planungs- und im Sozialausschuss für ihr Anliegen geworben, dem sie zuvor bereits mit zahlreichen Aktionen, Gesprächsangeboten und schließlich einer Hausbesetzung auf der Berger Straße im Dezember Nachdruck verliehen hatte. Der von der Linken eingebrachte Antrag, dem Project Shelter eine Immobilie zur Verfügung zu stellen, fand nur die Unterstützung von SPD und Ökolinx und scheiterte folglich.

„Unsere Initiative sieht sich gezwungen, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zu ergreifen, um so schnell wie möglich ein geeignetes Objekt zu bekommen, in dem das Shelter Wirklichkeit werden kann“, verlas Aktivistin Alma Tomatzki nun eine Erklärung der Gruppe. Lisa Bogerts ergänzte, dies könnten, da in der auslaufenden Legislaturperiode „der Zug abgefahren“ sei, auf parlamentarischem Wege zu einer Lösung zu kommen, verschiedenste „kreative“ Aktionen sein. Man sei weiterhin gesprächsbereit. Auch eine erneute Hausbesetzung sei aber nicht ausgeschlossen. Bogerts kritisierte vor allem die Grünen, die der Gruppe vorgehalten hätten, eine Versorgungslücke von Migranten sei nicht ausreichend belegt. „Jeder, der frühmorgens am Mainufer entlangjoggt, kann die Menschen aus ihren Schlafsäcken steigen sehen“, sagte Bogerts.

In der Sitzung des Stadtparlaments versuchen die rechtspopulistischen Bürger für Frankfurt (BFF), politisches Kapital aus dem Project Shelter zu schlagen. Der Stadtverordnete Patrick Schenk fragt, warum sich der Magistrat nicht „für eine rechtskonforme Rückführung“ von Flüchtlingen einsetze, die von Obdachlosigkeit bedroht seien.

Ordnungsdezernent Markus Frank(CDU), sonst für seine langatmigen Ausführungen bekannt, lässt sich nicht provozieren und fasst sich ungewohnt kurz: „Der Magistrat verhält sich rechtskonform und hält sich an die geltenden Gesetze.“

Schenk setzt nach: „Ist dem Magistrat bekannt, dass dem Project Shelter zum Teil sehr linksradikale Kreise angehören?“ Frank kontert: „Der Magistrat hat alle wichtigen Informationen.“ Beifall von CDU, Grünen und SPD.

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) berichtet von rund 200 Familien, die in der Cordierstraße im Gallus in Wohnungen der städtischen ABG Holding untergekommen sind, die eigentlich zum Abriss bestimmt waren. Jetzt drohte die Räumung der Häuser zum 31. März. Birkenfeld erreichte aber in Verhandlungen mit der ABG, dass die Wohnungen nicht zu diesem Termin geräumt werden müssen.

Doch damit ist nur vorübergehend Zeit gewonnen. Das Sozialdezernat sucht deshalb jetzt eine neue Unterkunft für die Familien. Birkenfeld bekennt offen: „Es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Alternative auch im Gallus liegt.“ Auch müssten sich die Menschen darauf einrichten, nur noch in Containern zu leben. Birkenfeld: „Wir sind an der Grenze des Leistbaren.“

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