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Tragetasche und Rucksack in einem

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Von: Helen Schindler

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Lange gab es Notabag nur online, inzwischen auch im Oeder Weg. Renate Hoyer
Lange gab es Notabag nur online, inzwischen auch im Oeder Weg. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Adnan Alicusic hat mit seiner Marke „Notabag“ einen Laden im Oeder Weg eröffnet

Es ist ein kleiner, minimalistischer Raum im Oeder Weg, in dessen Mitte ein gewaltiger weißer Ladentisch steht, darauf zahlreiche Tragetaschen in verschiedenen Farben – das erste Geschäft des Frankfurter Taschenlabels Notabag. Nachdem Gründer Adnan Alicusic die Produkte knapp zehn Jahre lang nur online verkauft hat, ist die Marke nun sesshaft geworden. Ende November vergangenen Jahres hat der Laden im Oeder Weg 38-40 seine Türen geöffnet.

Notabag ist eine Kombination aus Tragetasche und Rucksack. Die Idee dafür kam Alicusic Ende 2012. „Ich war damals viel mit dem Fahrrad unterwegs, und die Tragetaschen an meinem Lenker haben mich gestört und behindert“, sagt der 39-Jährige. Die Modelle von Notabag sollten für solche Fälle Abhilfe schaffen: Mit einem Handgriff transformiert man die Tasche in einen Rucksack und hat die Hände beim Einkauf oder zum Fahrradfahren frei. Heute würden die Taschen aber nicht nur von Radfahrer:innen genutzt.

Die Taschen haben eine puristische Form, bestehen aus einem Stoffgemisch aus Baumwolle und Nylon, das leicht und wasserabweisend ist, haben keine Knöpfe, Reißverschlüsse oder sonstige Details. Integriert ist eine kleine Innentasche, in der man die gesamte Tasche kleingefaltet verstauen kann. 25 Euro kostet die „Notabag Original“.

Alicusic und sein Team entwickeln die Tasche immer weiter, jedes Jahr erscheinen zwei neue Kollektionen. Inzwischen gibt es ein Modell mit reflektierendem Stoff, das zusätzliche Sicherheit im Dunkeln und auf dem Fahrrad bieten soll, außerdem ein kleineres Modell für Kinder und seit Oktober eine Tasche aus recycelten Plastikflaschen.

„Wir machen auch viele personalisierte Notabags für Privatpersonen, aber vor allem für Firmen wie Google“, sagt Alicusic. Etliche Muster sind in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern entstanden, so zum Beispiel die Tasche „Hello World“. Die von „The City Works“, einer Souvenirmarke aus Wien entworfene Illustration bringe die ganze Welt auf eine Tasche, sagt Alicusic. Zu sehen sind zahlreiche Wahrzeichen aus internationalen Metropolen, wie der Eiffelturm oder das Empire State Building.

„Am Anfang waren die Taschen ein- und zweifarbig, dann kamen immer mehr Muster hinzu“, erzählt der Gründer. Knapp 40 Farben sind es heute, doch am besten verkaufe sich nach wie vor das Original in schwarz und marineblau. Ende 2019 kam ein neues Produkt hinzu, die Notabag-Dufflebag, eine größere Tasche für Sport oder Reisen, die sich ebenfalls in einen Rucksack verwandeln lässt.

Mit seinen Produkten hat Notabag den German Design Award, den Good Design Award und den hessischen Staatspreis für universelles Design gewonnen. Produziert wird in China, in Shipai in der Guangdong-Provinz in zwei kleinen Produktionsstätten. Sein Geschäftspartner lebe in China und sei täglich vor Ort, sagt Alicusic. Ein Prozent seines Jahresumsatzes spendet Notabag an gemeinnützige Umweltorganisationen.

Ebenso wie Alicusic selbst, der in Bosnien geboren wurde, mit neun Jahren nach Deutschland kam, dann viele Jahre in den USA lebte, um schließlich aus beruflichen Gründen wieder in die Bundesrepublik zurückzukehren, ist auch seine Marke international aufgestellt. Zu den Kunden zählen Museumsgrößen wie das Museum of Modern Art (Moma) und das Guggenheim-Museum in New York, mit dem er sogar eine eigene Kollektion entwickelt hat. „Unser größter Markt ist Deutschland, dann Japan, dann Amerika“, sagt der Gründer.

Mit dem Laden im Oeder Weg soll nun auch die Verbundenheit zu Frankfurt gestärkt werden. „Wir wollten mit dem lokalen Publikum in Kontakt treten“, erläutert Alicusic die Entscheidung. „Viele wissen gar nicht, dass wir aus Frankfurt kommen. Aber hier hat vor zehn Jahren alles angefangen.“

Das Ladenkonzept hat er gemeinsam mit dem Designer Steffen Eberhardt von Eberhardt-Objects entwickelt, der auch für die Designs des Elaine’s Deli und des Montana verantwortlich zeichnet. Die Ladentheke ist nicht nur Präsentationsfläche, sondern bietet auch massenhaft Stauraum; bis zu 1000 Produkte können Alicusic und sein Team dort lagern.

„Wir wollten nicht zu viel Schnickschnack, die Produkte sollen für sich sprechen“, sagt der 39-Jährige. „Aber mit den Farben wollten wir uns etwas hervorheben. Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig, deswegen die großen Bilder an der Wand.“

Die Wände sind dunkelorange gestrichen, an der hinteren hängen zwei große Bilder, auf denen man die Tasche einmal als Tasche sieht und einmal als Rucksack. Auf zwei Kleiderstangen werden weitere Taschen präsentiert.

In diesem Jahr feiert Notabag zehnjähriges Bestehen, dafür sind eine Zusammenarbeit mit lokalen Künstlerinnen und Künstlern und zwei weitere Produkte geplant. Details möchte Alicusic aber noch nicht verraten.

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