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Die Maß Bier gehört zum Oktoberfest wie Dirndl und Lederhosen.

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Oktoberfest in Frankfurt: Trachten und Tanz zwischen den Reihen

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Beim Oktoberfest am Waldstadion ist das Zelt oft ausverkauft. Die Veranstalter befürchten keinen Negativtrend, auch wenn die Zahl der Oktoberfeste zurückgehen sollte.

Die Straßenbahnen zum Waldstadion sind voll mit Menschen, die Dirndl, karierte Hemden oder Lederhosen tragen. Ihr Ziel an diesem Sonntag ist der Frühschoppen des Oktoberfestes. Ja, richtig gelesen: Seit 2009 gibt es das auch in Frankfurt.

„Anfangs haben wir hart gekämpft“, sagt Kai Mann, Partner der Festwirte Dennis und Patrick Hausmann. Schließlich seien Oktoberfeste damals noch kein Trend gewesen. Der kam erst vor sechs bis sieben Jahren auf – dann aber stieg die Nachfrage „extrem“. Das Festzelt wurde vergrößert, inzwischen bietet es 2500 Menschen Platz. Trotzdem sind die meisten Veranstaltungstage schon im Vorfeld ausverkauft.

Daniela Bastos und Hanna Winkelhahn haben das zu spüren bekommen: Die etwas über 20 Jahre alten Frauen wären lieber am Abend gekommen, jedoch gab es dafür keine Tickets mehr. Drinnen im Festzelt gefällt es ihnen. „Drumherum“ aber hätten sie mehr Stände erwartet, sagt Bastos. Dort steht neben einem kleinen Biergarten nur eine Hüpfburg und ein Werbeauto. Ein Grund, warum beide Oktoberfeste mögen, sind die Trachten. Schon im Mai haben sie sich bei einem Versandhändler eingedeckt.

Auf der Frankfurter Oktoberfest-Wiesn wird zu zünftiger Musik natürlich auch getanzt. 

Manns Erklärung für den Trend lautet, dass Menschen sich gerne verkleiden würden. Gleichzeitig sagt er: „Ich glaube, es wird sich wieder rückwärts entwickeln.“ Dann werde auch die Zahl der Oktoberfeste zurückgehen, wie sie in den letzten Jahren vielerorts entstanden sind. Nur die „authentischen“ würden überleben – wozu er sein eigenes Fest in Frankfurt zählt. Der Fokus liege hier nicht auf dem Alkohol, „sondern auf Party“. In der Tat stehen im Zelt schon am Mittag viele Menschen auf den Bänken, ohne dabei herunterzufallen.

Manche Paare wirbeln auch im Tanz durch die Reihen, als die Band „Die Trenkwalder“ den Rock’n’Roll-Klassiker „Schickeria“ von der Spider Murphy Gang anstimmt. Klaus und Heike Bös aus Selters zum Beispiel. Gemeinsam mit zwei weiteren Paaren ist es bereits ihr fünftes Jahr auf dem Frankfurter Oktoberfest. Die Stimmung finden sie prima, „sonst wären wir nicht so oft hier“.

Eine einmalige Sache könnte dagegen der Besuch von Greg und Cheryl Locher bleiben. Nicht, weil sie unzufrieden sind – im Gegenteil: „Es macht viel Spaß!“ Sondern, weil beide im amerikanischen Perrysburg, Bundesstaat Ohio, leben. Sie sind auf dem Rückweg aus Indonesien und haben in Deutschland einen zweitägigen Stopover eingelegt.

Vor dem Zelt steht eine junge Männergruppe um einen Stehtisch, der in der Mitte einen Mülleimer hat. Wenn nicht gerade Worte wie „Weiber“ und „Gaylords“ fallen, erklärt Manfred, wie praktisch das Loch zum Hineinkotzen sei. Seinen Nachnamen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen.

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