Tourismus

Touristen bleiben Frankfurt fern

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Umsatzrückgang bis 35 Prozent in der Frankfurter City.

Der Einbruch beim Tourismus in Frankfurt am Main hat unmittelbare Folgen für den Einzelhandel. „Uns fehlen ganze Kundengruppen“, sagt Joachim Stoll, der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands in der Stadt. Der Wegfall von Hunderttausenden von Messegästen mache sich stark bemerkbar. „Die hatten normalerweise wenig Zeit, verfügten aber über ein gutes Einkommen.“

Auch die ausländischen Touristen, insbesondere aus China und Japan, fehlten den Geschäften. Stoll hat beobachtet, dass etliche Läden in der Innenstadt, die eigens für Kunden aus diesen Ländern geschaffen worden waren, geschlossen wurden und mittlerweile verschwunden sind. „Das hat keine zwei Wochen gedauert, dann waren die weg.“ Das gelte etwa für Angebote, die es speziell für Chinesen und Japaner entlang der Berliner Straße gegeben habe. „Da sind längst neue Mieter drin.“

Bemerkbar mache sich das Ausbleiben kaufkräftiger Touristen auch im Kaufhof an der Hauptwache. Das Kaufhaus hatte sich mit seinem Angebot auf kaufkräftige chinesische und japanische Kunden eingestellt. Es gab sogar eine Versandstelle im Untergeschoss, von der aus die Touristen ihre Einkäufe direkt in ihre Heimatländer verschicken konnten. Eigens eingestelltes Personal, das die jeweilige Landessprache beherrschte, kümmerte sich um die Touristen. All das, so Stoll, sei jetzt weggefallen.

Insgesamt bedeute der Wegfall der Touristen für den Einzelhandel in der Innenstadt einen Umsatzrückgang von 30 bis 35 Prozent. Hinzu komme noch das Fehlen von Pendlern, die inzwischen ihre Arbeit im Homeoffice erledigten. Nach Einschätzung des Fachmanns gehen für den Handel in der City hier noch einmal 20 Prozent des Umsatzes verloren. „Wenn ich nicht mehr ins Büro gehe, brauche ich auch keinen neuen Anzug und kein neues Kleid.“ So leide vor allem der Textilhandel, auch der Verkauf von Lederwaren und Schuhen.

Von der Corona-Pandemie profitiere dagegen der Lebensmitteleinzelhandel. Auch in Stadtteilen außerhalb der Innenstadt schlügen sich die Geschäfte recht gut. „Die profitieren sogar davon, dass die Leute davor zurückscheuen, in die City zu gehen.“ Mit Sorge schaut Stoll auf das beginnende Winterhalbjahr. Er geht davon aus, dass die Corona-Fallzahlen weiter steigen werden. Das treffe Läden wie Restaurants und Cafés. „Der Handel und die Gastronomie werden leiden, es wird auch Schließungen geben“, sagte der Sprecher der Einzelhändler voraus.

Die Corona-Pandemie verstärke und beschleunige Strukturveränderungen im Einzelhandel, die es ohnehin schon gegeben habe. Stoll forderte die Kommunalpolitik auf, sich mit dem Wandel insbesondere in der Frankfurter Innenstadt zu beschäftigen. Hier drohten „lange Leerstände“ von früheren Läden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare