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Thomas Feda (rechts) ist seit 2007 Geschäftsführer der städtischen Tourismus - und Congress GmbH. Er ist für die touristische Vermarktung der Stadt Frankfurt verantwortlich.

Interview

Besuchern Sicherheit vermitteln

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Frankfurts Tourismus-Chef Thomas Feda spricht über das Tourismus-Problem der Städte während der Pandemie und wie Frankfurt um Besucher kämpft.

Herr Feda, welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Tourismus in Frankfurt?

Wir haben große Rückgänge bei der Zahl der Übernachtungsgäste, mehr als 50 Prozent. Das zeigt sich deutlich bei der Zimmerauslastung, bei der Belegung der Hotels. Das sind dramatische Zahlen für den erfolgsverwöhnten Tourismusstandort Frankfurt am Main.

Die Menschen fahren nun wieder in den Urlaub, viele zieht es eher aufs weite Land als in die enge Stadt. Was hat Frankfurt den Gästen an Tourismus in Pandemiezeiten zu bieten?

Der Inhalt einer Stadt ändert sich ja nicht. Wir haben Kultur, wir stellen auch Shopping in den Vordergrund. Aber Events, die normalerweise in der Sommerzeit ein wichtiges Reisemotiv sind, finden nicht statt. Jetzt, mit Corona, gibt es ein anderes Reisemotiv. Bevor ich irgendwo hinfahre, schaue ich, wie dort die Hygienekonzepte sind. Wir vermitteln daher als Schwerpunkt: Man kann zu uns sorglos und sicher reisen. Unsere Hotels, unsere Gastronomie sind gut mit Hygienekonzepten, die Stadt Frankfurt professionell aufgestellt. Diese große Freiheit durchs Reisen wird vielleicht wieder zurückkommen. Aber jetzt nicht. Jetzt muss man Sicherheit vermitteln.

Chinesen, Amerikaner und Menschen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten können derzeit nicht kommen. Sie haben einen Großteil der Gäste ausgemacht. Muss man jetzt andere Zielgruppen erschließen?

Wir konzentrieren uns aktuell vor allem – nicht nur wir, die ganze deutsche Tourismusbranche – auf den Binnenmarkt und die europäischen Nachbarländer. Dort wollen wir inspirieren. Wir sind auch Teil der Sommerkampagne der Deutschen Bahn, die mit klassischen Skyline-Bildern à la ‚Wollten Sie schon immer nach New York? Das hier ist aber Frankfurt‘ den potenziellen Besucher über das Reisemotiv Stadtarchitektur abholen möchte. Das war erfolgreich und hat Übernachtungsgäste gebracht. Aber das ist nicht vergleichbar mit vergangenem Jahr, in dem 41 Prozent der Touristen ausländische Gäste waren.

Wie wichtig ist es, dass die Buchmesse – wenn auch in reduzierter Form – stattfinden soll?

Das hat eine Symbolwirkung. Es wäre dann wieder die erste größere Messe – und es ist eine Weltmesse – in Frankfurt. Die Standortfaktoren, die wir haben, sind unser Vorteil. Messe und Flughafen bringen uns in eine Pole-Position. Wir haben die größte Messe, den größten Flughafen, den Finanzstandort, der Geschäftsreisen mit sich bringt. Wir sind dadurch breiter aufgestellt als andere Städte, haben wegen des Flughafens nahezu die größte Auswahl an ausländischen Quellmärkten.

Aktuell ist der Binnenmarkt sehr wichtig. Wie beliebt ist denn Frankfurt bei den Deutschen?

Wir haben glücklicherweise seit zehn Jahren auf dem Binnenmarkt unheimlich viel investiert. Über die Hälfte unserer Gäste sind inzwischen Deutsche. Außerdem sind nun auch ein Drittel Privatreisende und nicht mehr fast 80 Prozent Geschäftsreisende wie noch vor zehn Jahren. Wir haben damit zwei Standbeine, das ist eine gute Voraussetzung, dass wir in den nächsten Jahren wieder zu alter Stärke zurückfinden werden.

Wann glauben Sie, werden die ersten ausländischen Gäste wieder kommen?

Aus dem europäischen Ausland haben wir schon wieder Gäste. Wann die Überseemärkte wieder zu uns reisen können, ist nicht absehbar. Kann sein, dass die ersten chinesischen und amerikanischen Gäste im November da sind, kann aber auch erst nächstes Jahr sein. Wir müssen auch jetzt schon überlegen, mit welchen Aussagen wir überhaupt in die Kataloge der Reiseveranstalter fürs nächste Jahr reingehen. Normalerweise sind die Feste wichtig für Städtereisen. Riskieren wir das? Alle Städte versuchen gerade mit Kultur und Shopping zu punkten. Das machen wir auch und stellen zudem unsere einzigartige Stadtarchitektur, unsere Skyline, in den Mittelpunkt.

Wie weit sind die Pläne für den Weihnachtsmarkt?

Wir sind dabei, ein Konzept zu erstellen. Nach der letzten Änderung der Landesverordnung können Weihnachtsmärkte wie Wochenmärkte organisiert werden. Sicherlich können wir den Weihnachtsmarkt nicht wie in den vergangenen Jahren aufbauen. Wir müssen wahrscheinlich Cluster bilden in der Stadt, es muss großflächiger werden. Was gibt es zudem für Grundregeln für gastronomische Bereiche? Finden wir Gastronomen, die die Auflagen dann erfüllen können? Das sind Fragen, die wir uns aktuell stellen müssen. Aber einen Weihnachtsbaum wird es auf jeden Fall geben. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommt er dieses Jahr aus Österreich.

Interview: Sandra Busch

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