+
Der Autor auf Tour durch den Grüngürtel.  

Sport

Ferien zu Hause: Mit dem Fahrrad durch Frankfurts Grüngürtel

  • schließen

Auf dem Fahrrad geht es einmal rund um Frankfurt durch den Grüngürtel. Eine Fahrt an der Grenze zwischen Stadt und Land.

Diddi hatte Recht. An das Rollenlassen der Drahtesel ist bei der holprigen Piste gar nicht zu denken. Auf dem Grüngürtel-Radweg, der einmal um die gesamte Stadt Frankfurt herum führt, ist ausgerechnet der steilste Abschnitt von Bergen hinunter ins Enkheimer Ried mit groben und spitzen Schottersteinen gepflastert. Beide Bremsgriffe fest in den Händenn, tasten wir uns voran und holpern mehr schlecht als recht den steilen Pfad bergab. Mensch und Material wollen geschont werden. Schließlich liegen noch fast zwei Drittel der 64 Kilometer langen Rundfahrt vor uns.

Wir haben uns entschieden, die Stadt im Uhrzeigersinn zu umrunden, um den Berger Hang mit seinem strammen Anstieg von hinten über flachere, längere Passagen zu erklimmen. Nach dem Treffpunkt am Hausener Freibad führt die gut und vor zwei Jahren neu beschilderte Route immer wieder durch herrliches Grün, wie durch den riesigen Niddapark als ehemaliges Bundesgartenschau-Gelände oder entlang der Nidda, wo Wiesen ans Ufer münden und im Hintergrund die Ernst-May-Bauten der Römerstadt zu sehen sind. Im Süden sind es etwa die frisch geschnürten Heuballen auf den Schwanheimer Feldern, die besonders an ländliche Gebiete erinnern, im Norden die Streuobstwiesen bei Seckbach.

... und bunte Wiesen im Niddapark.

Im Kontrast dazu geht es an der Peripherie der City vorbei an urbanem Gelände, etwa dem Cassella-Farbwerk in Fechenheim und immer wieder über oder unter diversen Autobahnen hindurch, die sich um die Stadt schlängeln.

Von der Nidda hinauf nach Berkersheim

Im Ortskern von Bergen treffen wir auf Diddi Querfurt, der sich zunächst nur mit seinem Vornamen vorstellt. Er ist Inhaber einer Fahrradwerkstatt, die direkt an der Strecke neben einem Supermarkt liegt. Als er meine Kette nachspannt, kommen wir ins Gespräch - wie das so ist auf einer Fahrrad-Tour: Man ist nah an den Leuten dran und lernt sie schnell kennen. Nein, winkt er ab, in die Zeitung wolle er eigentlich nicht. Auch wenn seine Werkstatt so günstig am Grüngürtel liege und der Radweg entlang der Hohen Straße ebenfalls viele Radler hier vorbei führe. Ihm reiche die Kundschaft, die seinen Laden entdecke, der an der Hauptstraße etwas versteckt hinter hohen Bäumen liegt. Sein Einverständnis, mit Namen in der FR genannt zu werden, gibt Diddi aber dann doch.

Dunkle Wolken über Cassella in Fechenheim...

Beim Blick auf die Grüngürtel-Karte schüttelt er den Kopf. „Was, da wollt ihr runter?“. Naja, es ist ein Teilstück und natürlich: All die Höhenmeter, die wir von der Nidda abgebogen, hinauf nach Berkersheim, über den Eselsweg zum Heiligenstock und schließlich zum Lohrberg erstrampelt haben, können wir nun nicht in einer rauschenden Abfahrt genießen. Trotzdem entschädigt der Ausblick vom Berger Ortsrand über die Stadt und die Region. Fast dörflich wirkt der nördliche Stadtteil – wie so viele Frankfurter Quartiere weit abseits der Skyline – mit seinen Einfamilienhäusern und dem Ortskern mit Fachwerk. Der Blick in die Metropolregion kann weit schweifen und zeigt viel Industrie. Bis zum Kohlekraftwerk hinter Hanau reicht die Sicht.

Die Bodenbeläge sind, abgesehen vom Berger Hang, durchweg passabel. Wenn es nicht über asphaltierte Wege geht, wie am Offenbacher Mainufer oder an der Nidda entlang, führen gut geschotterte Pfade etwa durch den Stadtwald, den wir lange Zeit, von Oberrad über die Oberschweinstiege, am Waldstadion sowie Goldstein vorbei bis in den Schwanheimer Forst hinein durchfahren.

Ein Highlight: Die Schwanheimer Düne

Eine kostenlose „Grüngürtel-Freizeitkarte“ mit dem 64 Kilometer langen Rad- und dem 68 Kilometer langen Wanderweg gibt es bei der Touristeninformation im Hauptbahnhof (Montag bis Freitag von 8 bis 21 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr) oder von Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr bei der Bürgerberatung in der neuen Altstadt, Hinter den Lämmchen 6.

Durch die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr können ohne Problem auch Teilstrecken geradelt oder gewandert werden.

Nicht weit vom Stadion treffen wir Christine Conrad wieder. Die 62-Jährige aus Hochstadt hatte uns einige Stunden zuvor an der Brücke über die Friedberger Landstraße ganz im Norden angesprochen und sich von uns inspirieren lassen, den Radfahr-Figuren auf gelben-blau-grünem Hintergrund zu folgen, die den Grüngürtel-Radweg seit einer Weile symbolisieren.

Eigentlich habe sie ihren Bruder in Höchst besuchen wollen, berichtet die Frankfurterin. Schließlich habe sie am Heddernheimer Niddaufer zufällig eine alte Bekannte in deren Kleingarten getroffen und sei der Route des Grüngürtels bis in den Stadtwald gefolgt. „Schön“ findet sie die Tour. Sie hat auch einige Tiere gesehen: „Hasen, Eichhörnchen und einen Fischreiher“. Ein kurzer Plausch noch über die Begebenheiten an der Strecke. Dann steigen wir wieder auf unsere Velos und strampeln weiter in entgegengesetzten Richtungen.

Hinter der Schwanheimer Düne, den Höchster Industriepark zur Linken, führt uns die Beschilderung, mit der wir uns nur einmal kurz verfranzen, zur Mainfähre und über die Wörthspitze, wo Nidda und Main zusammen fließen, Richtung Rödelheim. Verschwitzt und verstaubt – bei dem trockenen Sommer kein Wunder – ist die Endstation wieder das Hausener Freibad. Ein Sprung ins erfrischende Wasser darf nach Ende dieser Tages-Tour nicht fehlen.

Geschichte auf einen Blick

Seit 1991 trägt der Grüngürtel die Bezeichnung eines „geschützten Freiraums“ mit eigener „Grüngürtel-Verfassung“, die die Stadtverordnetenversammlung damals beschlossen hat. Darin steht etwa, dass der Grüngürtel, der mit 80 Quadratkilometern rund ein Drittel der Stadtfläche einnimmt und zur Hälfte aus Wald besteht, als grüne Lunge geschützt bleiben soll.

Wörtlich heißt es : „Der grüne Freiraum ist wichtig als Erholungsgebiet für Menschen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, für den Naturhaushalt, ein gesundes Stadtklima und eine nachhaltige Stadtentwicklung. Er ist Teil eines Netzes von Grünverbindungen, die in die Stadt hinein und in die Region hinaus führen.“

Blick auf die Frankfurter Skyline mit dem Grüneburgpark im Vordergrund. Die vielen Bäume versorgen die Großstadt mit Frischluft. rolf oeser

Bereits um 1925 wollten Baustadtrat Ernst May und Gartenbaudirektor Max Bromme entlang der Nidda einen grünen Freiraum schaffen. Mit der Römerstadt-Siedlung gestalteten sie beispielsweise einen gelungenen Übergang zwischen Stadt und Landschaft. Im Rücken der Siedlung führt der Grüngürtel heute vorbei. 

Weitere Informationen zum Frankfurter Grüngürtel finden Sie unter www.gruenguertel.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare