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Da brennt der Hase: Sebastian Smieja (links) und Stephan Puma betrieben die Agentur Burnthebunny.

Werbebranche

Toter Hase für den Geistesblitz

Eine junge Agentur versucht sich als Trendsetter: Burnthebunny will Konzepte mit den Kunden gemeinsam entwickeln und am Ende an Umsatz und Gewinn des Produkts teilhaben. Ob das Zündeln mit frischen Ideen funktioniert? Eine Antwort gibt es vielleicht schon beim Art Directors Festival.

Von Jürgen Schultheis

Im Mai soll das Häschen richtig brennen. Lichterloh und so hell, dass einer, der gute Ideen sucht für sein Produkt, das neue Frankfurter Fanal gar nicht mehr übersehen kann. Mit dem Häschenfeuer wächst Frankfurt, die Stadt der Kreativen, um zwei neue Köpfe und eine Agentur.

Burnthebunny heißt die Ideenschmiede, die Sebastian Smieja (29) und Stephan Puma (38) am Untermainkai 29 in diesen Tagen aufbauen. Eine Agentur für „Venture Marketing“ soll es werden, ein Unternehmen, das Kunden mit der Begeisterung und Euphorie der Gründer für die Sache überzeugen und neue Formen von Honorierung und Gewinnbeteiligung erproben will.

Burnthebunny ist Trendsetter: Eine kleine Kernmannschaft mit drei Experten als Gravitationszentrum frei flottierender Ideen, ergänzt durch Spezialisten und Fachleute, die projektbezogen mitarbeiten. Eine Agentur, die Ideen und Konzepte bei und mit Kunden entwickeln will und am Ende teilhat an Umsatz und Gewinn des Produktes, für das Ideen ausgeheckt und Werbekonzepte entwickelt worden sind.

Da kommt das Art Directors Club Festival (ADC) gerade recht. Bis Sonntag, 8. Mai, werden sich vermutlich mehr als 10000 Kreative auch mit dem Thema Bezahlsysteme und der Frage beschäftigen, welcher Maßstab für Qualität von Kreativität entwickelt werden kann, sagt Jochen Rädeker, Vorstandssprecher des ADC. Was wunderlich klingen mag, hat einen ersten Hintergrund: Seit der Finanzkrise, sagt Rädeker, entscheiden nicht mehr die Fachabteilungen in den Unternehmen über kreative Konzepte, sondern Einkäufer. Einem Einkäufer aber zu erklären, was eine gute Kreation sei und was nicht, „das ist brutal schwer“.

Die Maßstäbe zu entwickeln, auch das sieht der ADC als seine Aufgabe in den nächsten Tagen. In der Messehalle 5, wo 9000 kreative Arbeiten hängen, werden die Preise für gestaltete Geistesblitze, brillanten Humor und feine Ironie vergeben. Und das in einer Branche, die laut Rädeker bundesweit mit mehreren hunderttausend Beschäftigten und 40000 Agenturen rund 60 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Allein in Frankfurt arbeiten mehr als 24000 Frauen und Männer in gut 7000 Unternehmen der Kreativwirtschaft an pfiffigen Ideen und schlagenden Konzepten. Jedes zweite Unternehmen in der Stadt ist in der Werbung tätig (54 Prozent), in den Bereichen Software/Games und Design sind neun beziehungsweise acht Prozent tätig. Bezogen auf die Zahl der Unternehmen liegt die Kreativwirtschaft in Frankfurt nach Handel und Consulting auf Platz drei der Wirtschaftszweige.

Die Werbebranche in Frankfurt zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Selbstständigen, Klein- und Kleinstunternehmen aus. In dieser Szene brennt auch das Häschen am Untermainkai 29. „Der Name war eine Schnapsidee“, sagt Sebastian Smieja. Eine Freundin litt unter Prüfungsangst, ein Thema, dass Smieja und Puma beschäftigt hat. Das Duo kam auf die Idee, einen Angsthasen zu schaffen mit Zettel, Kästchen und Feuerzeugbenzin. Die Freundin sollte ihre Ängste auf einen Zettel schreiben und das Papier zusammen mit dem Angsthasen verbrennen. Was funktioniert hat.

Unter dem Titel von „burnthebunny“ haben Smieja und Puma Photoshootings organisiert, einen Kurzfilm gedreht und ein Kurzfilmfestival unter gleichem Titel in Orfeos Erben gemanagt. Aus dem Spaß von damals ist ein ambitioniertes Programm der Gegenwart geworden: Angst loswerden, mehr zu machen, Mut aufbringen, eigene Ideen zu realisieren – das ist das Leitmotiv, die Geschäftsidee, die burnthebunny zugrunde liegt.

Dass der ADC in Frankfurt tagt, wertet nach Einschätzung von Stephan Puma die Stadt und die Agenturen in Frankfurt auf. Diese Einschätzung teilt auch Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Die Hochschulen der Region seien am Festival beteiligt, zum Teil Veranstaltungsort wie die HfG. „Die Netzreporter“ – Videojournalismus von Studierenden aus Darmstadt und Offenbach – haben das Festival schon 2010 betreut. Frankfurt mag den Kern bilden, das Festival insgesamt sei aber ein „Event der Region“, sagt Kracke.

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