Wenig los auf der Frankfurter Zeil.
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Wenig los auf der Frankfurter Zeil.

Lockdown

Tote Hose auf der Zeil

Weil kaum noch Kunden kommen, schließen die Läden früher.

Viele Geschäfte auf der Zeil reduzieren ihre Öffnungszeiten. Der Grund: Es kommen keine Kunden, die Läden stehen leer. „Das ist so seit Beginn des Lockdowns vor einer Woche“, berichtet Joachim Stoll. Der Vertreter Frankfurts im hessischen Einzelhandelsverband kann sich gut vorstellen, dass außer ihm weitere Geschäftsleute reagieren werden. „Auch wir haben verkürzte Öffnungszeiten“, sagt er. Sein Geschäft, Koffer 24, liegt etwa 100 Meter von der Zeil entfernt.

„Es ist ja nichts mehr los. Nachmittags ist niemand auf der Zeil“, sagt Stoll. Vormittags eigentlich auch nicht. Und mittags, zu der Zeit, zu der sonst viele Berufstätige ihre Pause im Bistro verbringen? Das Bistro hat zu. „Es kommt niemand außer den paar Leuten, die in der Mittagspause kommen, um gezielt einzukaufen.“

Am Samstag hingegen sei die Zeil noch halbwegs voll. Nicht so voll wie im Vorjahr, aber immerhin. Der Einzelhandelsvertreter hat beobachtet, dass mancher Kunde die Weihnachtsgeschenke schon jetzt besorgt. „Man weiß ja nicht, wie es im Dezember weitergeht. Und niemand will im wirklich dicken Trubel einkaufen.“ Also lieber jetzt, solange noch Platz ist und die Coronaviren keine Chance haben.

Also: Wer jetzt auf der Zeil ist, will auch etwas kaufen. Die vielen Schaufensterbummler hingegen bleiben weg. Und in zahlreichen Geschäften werden die Türen früher als sonst abgeschlossen. Peek & Cloppenburg beispielsweise hat nur noch bis 18 Uhr geöffnet, Appelrath-Cüpper schließt an allen Tagen um 19 Uhr, also eine beziehungsweise zwei Stunden früher als üblich. Juwelier Christ macht um 18.30 Uhr Feierabend, Herrenmode Eckerle um 19 Uhr. Dies allerdings schon seit April.

Die meisten anderen Läden hatten gestern auf ihren Webseiten noch die üblichen Öffnungszeiten – 10 bis 20 Uhr – genannt. Dies bestätigt man auch bei MyZeil: „Die absolute Mehrheit der Einzelhändler schließt erst um 20 Uhr“, sagt Centermanagerin Annett Gurczinski. Durchgehend geschlossen sind in dem Einkaufszentrum zurzeit fünf der Gastronomiebetriebe, zwei Nagelstudios, das Fitnessstudio Fitness First, die Astro-Film Lounge und das Museum Trick Art. „Das Museum wird auch nicht mehr öffnen“, sagt Gurczinski. Der Mietvertrag sei ausgelaufen.

Für den Einzelhandel ist Corona eine Katastrophe. Bernhard Schiederich, Fachbereichsleiter Einzelhandel der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, erinnert daran, dass sich viele Flughafenmitarbeiter:innen in Kurzarbeit befinden. Die Folge: „Die Leute sind sparsamer, weil sie nicht wissen, was noch kommt“, die Umsätze brechen ein. Frank Diergardt vom Verein Neue Zeil sagt: „Auf der Zeil fehlen die Touristen.“ Auch aufs Weihnachtsgeschäft sollten die Händler keine großen Hoffnungen setzen. Stoll ist nicht ganz so pessimistisch. „Es gibt Branchen, die profitieren, und es gibt welche, die leiden“, sagt der Einzelhandelsvertreter.

Zu den Profiteuren mit steigenden Umsätzen zählten gerade jetzt, da die Restaurants geschlossen sind, die Lebensmittelhändler. „Gut geht auch immer noch das Einrichtungsgeschäft, der Baumarkt, alles, was mit Haus und Garten zu tun hat.“ Leidtragende hingegen seien Modeketten, Schuhgeschäfte, Lifestyle-Produkte. Genau jene also, die auf der Zeil weit überproportional vertreten sind. Entsprechend schlecht ist die Laune.

Gewerkschafter Schiederich berichtet, dass die schwierige Situation im Einzelhandel bislang noch keine Auswirkung auf die Beschäftigung habe. „Soweit ich weiß, ist wegen des neuen Lockdowns bislang keine Kurzarbeit beantragt worden.“ Das sei im Frühjahr anders gewesen. „Das Ladenschlussgesetz erlaubt eine Öffnung bis Mitternacht. Wie sinnvoll das ist, müssen die Geschäfte selbst entscheiden.“

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