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Schwerstarbeit für die Männer in Orange am zugemüllten Opernplatz.
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Schwerstarbeit für die Männer in Orange am zugemüllten Opernplatz.

Neujahr in Frankfurt

25 Tonnen Müll auf den Straßen

Der Tag danach: 25 Tonnen Müll sind nach Silvester in Frankfurt zu entsorgen. Die Ahmadiyya-Gemeinde hilft der städtischen Entsorgungs- und Servicegesellschaft FES beim Neujahrsputz am Mainufer.

Von Timur Tinç

Ein tiefer Nebelschleier hängt über der Frankfurter Skyline, ein leichter Nieselregen tropft in den Main, auf dem Schwäne mit ihren Jungen ihre Kreise ziehen. Bis auf einige schnell atmende Jogger herrscht auf der südlichen Mainuferseite absolute Stille. Dass es hier bis vor wenigen Stunden noch brechend voll und laut war, davon zeugen die Überreste der Silvesternacht. Aufgeweichtes Papier von Böllermagazinen, Batterien und Raketenstöcken liegt verstreut neben unzähligen Flaschen auf der Wiese, in Gebüschen oder auf der Straße. Unter den Füßen knirschen Scherben, Kronkorken und sonstiger Unrat.

Dennoch ist es weniger geworden, findet Naweed Mansoor. Der 30-Jährige muss es wissen. Schließlich kommt er seit Jahren mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) zum großen Neujahrsputz ans Mainufer. Rund 70 Jugendliche und Männer kehren, fegen, sammeln Flaschen und die Überreste der Feuerwerkskörper auf und schmeißen sie in blaue Müllsäcke, die von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zur Verfügung gestellt werden. „Die Sauberkeit ist ein essenzieller Bestandteil der Religion“, erklärt Mansoor die alljährliche Hilfsbereitschaft. Das habe der Prophet Mohammed in mehreren Überlieferungen, den sogenannten Hadithe, den Gläubigen deutlich gemacht. Deshalb seien die bundesweit 225 Ahmadiyya-Gemeinden, zum 19. Mal aufgerufen worden zu helfen.

„Wir sind jetzt im 15. Jahr dabei“, sagt Mansoor. Zunächst wurde das Morgengebet in der Nur-Moschee in Sachsenhausen verrichtet, anschließend wurde ein Frühstück für die freiwilligen Helfer am Eisernen Steg organisiert. „Wir haben um 8 Uhr mit dem Aufräumen angefangen“, sagt Mansoor und blickt sich um. Mehr als eine Stunde später „sieht es schon besser aus“.

Eine Absprache mit der FES sei gar nicht mehr nötig. Es ist selbstverständlich geworden, dass die Ahmadiyya-Gemeinde an der nördlichen Mainuferseite den Müll entfernt und die FES nur das ganze Material wie Greifzangen, Müllbeutel und Besen stellt. So kann sich die FES auf die übrigen Gebiete konzentrieren.

Die Männer in den orangenen FES-Overalls sind am Neujahrsmorgen überall verstreut im Stadtgebiet unterwegs. Der Römer ist gegen 9.30 Uhr schon fast wieder müllfrei, eine Kleinkehrmaschine saugt den zusammengekehrten Müll nur noch auf, alles andere müssen drei FES-Mitarbeiter mit der Hand aufsammeln. „Es ist jedes Jahr das gleiche“, sagt einer der Männer achselzuckend. Er hat mit seinen Kollegen schon um sieben Uhr begonnen. Ob nach dem Museumsuferfest oder eben Silvester, „wir haben immer viel zu tun“.

Der Aufruf der FES „verantwortungsvoll“ mit dem eigenen Abfall umzugehen ist hingegen einmal mehr verpufft. Zwar wird die FES bis heute das Gröbste von den Straßen, Wiesen und öffentlichen Plätzen entfernt haben, bis alles komplett sauber ist, wird es allerdings noch ein paar Tage dauern. Allein in den zentralen Bereichen am Mainufer, dem Römerberg und den zentralen Plätzen in den Stadtteilen rechnet die FES mit 25 Tonnen Silvesterabfall.

Navid Mansoor und seine Truppe ist sich für die Arbeit nicht zu schade. „Es gibt keine schlechte Arbeit“, sagt Mansoor, der einen Müllbeutel hält während zwei Mitstreiter den zusammengekehrten Unrat einfüllen. Das sei eben „unsere Art zu feiern und für das Land da zu sein“.

Das weiß auch die Polizei zu schätzen. Eine Streife, die gerade am Untermainkai an der Ampel Halt macht, schaut sich das rege Schaffen an, einer der beiden Polizisten greift zum Lautsprecher und ruft: „Danke schön!“

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