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Rolf Janßen ist Geschäftsführer des Mieterschutzvereins.
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Rolf Janßen ist Geschäftsführer des Mieterschutzvereins.

Wohnen in Frankfurt

„Tolle Häuser – aber nur für Reiche“

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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Mietervertreter Rolf Janßen spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über sinnvolle Bautrends, bezahlbare Mietwohnungen und Wahlkampf-Druck.

Mehr als 2500 Passivhäuser hat die ABG schon gebaut. Nun hat der städtische Konzern im Gutleutviertel ein Aktiv-Stadthaus errichtet – ein Gebäude, das mehr Energie erzeugt als verbraucht. Die Nassauische Heimstätte geht ähnliche Wege. Sie hat auf dem Riedberg ein Effizienzhaus Plus geschaffen. Der DMB-Mieterschutzverein sieht in dem Trend nicht nur Positives.

Herr Janßen, freuen Sie sich, dass die öffentlichen Wohnungsunternehmen solche Pionierarbeit leisten?
Das sind tolle Häuser. Es erstaunt mich trotzdem etwas. Die ABG soll dafür sorgen, dass Menschen aus allen Gesellschaftsschichten bezahlbaren Wohnraum bekommen. Wenn die Mieten in diesen Projekten aber bei 13 Euro pro Quadratmeter beginnen, wird man, obwohl Warmwasser, Wärme und Strom inbegriffen sind, bei einer 80 Quadratmeter großen Wohnung samt Nebenkosten mit 1300 Euro Miete rechnen müssen. Wer sich das leisten will, sollte mindestens 3000, besser aber 4000 Euro netto zur Verfügung haben. Das haben aber nicht viele Frankfurter.

Ist es nicht prinzipiell richtig, etwas teurer aber energieeffizient zu bauen, um für steigende Energiekosten gewappnet zu sein?
Der Ansatz, so viel Energie wie möglich einzusparen, ist sicherlich richtig. Zur Zeit sind die Liegenschaften, die in dieser Weise gebaut werden, aber eben nur für die allerwenigsten erschwinglich. Die ABG muss sich fragen ob es zielführend ist, sehr hochwertigen aber auch sehr teuren Wohnraum bereitzustellen.

Bei der ABG heißt es, es sei in Frankfurt nicht möglich, für unter 12,50 Euro Quadratmeter zu bauen.
Man muss schauen, welche Töpfe geöffnet werden können, um die Preise niedriger zu halten. Stadt, Bund und Land könnten auch Vorschriften reduzieren, damit das Bauen preiswerter wird. Es ist richtig, dass gebaut und gebaut und gebaut werden soll. Aber nicht nur für Reiche. Es müssen so viele Wohnungen, wie es geht, mit Mieten von deutlich weniger als zehn Euro pro Quadratmeter zur Verfügung gestellt werden. Die Hälfte der Frankfurter Haushalte lebt von weniger als 2000 Euro im Monat.

Bis 2019 will die ABG 6181 Wohnungen bauen, davon 37 Prozent im geförderten Bereich.
Das ist zu loben. Es wird schon viel gemacht. Nun bewegt sich auch bei den Bestandsmieten etwas. Erst hieß es, man könne auf keinen Fall Mieterhöhungen ausschließen. Jetzt kann man die Erhöhungen wenigstens in Teilbereichen reduzieren. Da kam sicherlich auch in Hinblick auf den anstehenden Wahlkampf Druck rein.

Sollte die ABG vom Passivhausstandard abrücken?
Nein, sie sollte weiterhin Wohnhäuser bauen, die zukunftsweisend sind. Der Passivhausstandard ist kein moderner Trend, sondern absolut sinnvoll.

Die ABG will auch Bestandsimmobilien so umbauen, dass sie mehr Energie erzeugen als verbrauchen.
Vom Grundsatz her, ist das richtig. Es kommt aber darauf an, was das für eine Belastung für die dort schon lebenden Mieter mit sich bringt. Wenn ein Mieter der ABG zum Beispiel bisher sieben Euro pro Quadratmeter zahlt und dann möglicherweise acht oder neun zahlen soll, ist das für viele Mieter schlicht nicht bezahlbar. Selbst wenn er die Heizungs- und Warmwasserkosten weitestgehend einspart.

Sie wollen auf energetische Sanierungen verzichten?
Nein. Allgemein sollte aber nicht nur der Mieter die Kosten tragen. Von einer Energieeinsparung profitieren schließlich auch der Vermieter und die Gesellschaft selber, die Allgemeinheit. Man könnte also die Kosten dritteln. Zudem könnte die energetische Verbesserung als mietsteigerndes Merkmal im Mietspiegel abgebildet werden.

Interview: Christoph Manus

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