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Tödliche Schüsse in Rödelheim

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Von: Oliver Teutsch

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Die Spurensicherung am Tatort in Rödelheim.
Die Spurensicherung am Tatort in Rödelheim. Foto: dpa © dpa

In einer Woche wurden im Frankfurter Westen zwei Männer auf der Straße erschossen

Nach dem zweiten Tötungsdelikt im Frankfurter Westen auf offener Straße innerhalb einer Woche geht ein bisschen die Angst um. Am Montagabend war im Stadtteil Rödelheim ein 56-Jähriger nahe der U-Bahn-Station Hausener Weg von mehreren Kugeln getroffen worden und noch am Tatort gestorben. Anwohnende hören kurz nach 20 Uhr mehrere Schüsse. Manche denken, es seien Jugendliche, die Böller abschießen, andere rufen die Polizei.

„Nach 20 Minuten war hier alles abgesperrt“, erzählt ein Anwohner. „Ich war joggen und konnte nicht nach Hause. Meine Frau hat mich angerufen, weil sie Angst um mich hatte, als überall so viel Polizei war. Es war gespenstisch. Fünf- oder sechsmal hat es ‚tak, tak, tak‘ gemacht.“ Der Schrecken steht dem Mann noch ins Gesicht geschrieben.

Zwischen 20 Uhr und 20.30 Uhr haben Nachbarn am Hausener Weg die Polizei gerufen. Auf dem Bürgersteig in einer Seitenstraße liegt ein verletzter Mann. Sie versuchen ihn noch zu reanimieren, vergeblich. Mit einem Hubschrauber wird nach dem flüchtigen Täter gefahndet, die gesamte Gegend penibel abgesucht. Schwer ausgerüstete Einsatzkräfte des Überfallkommandos streifen durch die Straßen. Das SEK wird angefordert. Bis 1.30 Uhr bleiben die weiträumigen Straßensperrungen bestehen. Gesucht und ermittelt wird die ganze Nacht lang. Jeder Busch, jeder Winkel, jede Mülltonne wird untersucht. „Ich hatte mein Auto innerhalb der Sperre stehen und konnte es nicht holen“, so ein Kioskbetreiber. „Ich wollte die U-Bahn nehmen. Sie fuhr lange nicht. Die Strecke war auch gesperrt.“

Am Morgen nach den Schüssen wirkt die Gegend fast normal. Eltern bringen ihre Kinder an der Hand in die Kita, Männer und Frauen kratzen Eis von ihren Autoscheiben. Nur dort, wo nachts die Forensiker gearbeitet haben, ist ein gelber Pfeil vor einem roten Kreis auf den Asphalt gemalt. Eine Markierung der Polizei. Im nahen Supermarkt ist die Tat auch Thema. „Drehen jetzt alle vor Weihnachten durch?“, fragt eine Frau. „Man traut sich im Dunkeln ja gar nicht mehr vor die Tür.“

Polizei und Staatsanwaltschaft hüllen sich am Dienstag weitgehend in Schweigen. Es sei „alles noch offen“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Täter sei flüchtig, ein Tatmotiv nicht bekannt. Der erschossene 56-Jährige soll zuletzt in Rödelheim gewohnt haben, heißt es nur. Die Sorgen im Stadtteil spiegeln sich auch in den sozialen Medien wider. „Passiert das jetzt jede Woche“, fragt eine Nutzerin in einem Forum, und eine andere bekennt, sie sei froh, nicht mehr in Rödelheim zu wohnen.

Natürlich gibt es auch Spekulationen, die Taten in Rödelheim und in Praunheim, wo vergangene Woche ein 38-Jähriger erschossen wurde, könnten zusammenhängen. Doch es gebe, so die Staatsanwaltschaft, „überhaupt keine Anhaltspunkte für eine Verbindung“. Anders als in Rödelheim, hatte sich der Täter auch nach der Tat direkt gestellt und festnehmen lassen.

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