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Tierschützer Watson auf freiem Fuß

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Sea-Shepherd-Chef Paul Watson.
Sea-Shepherd-Chef Paul Watson. © REUTERS

Der Tierschützer Paul Watson ist gegen eine Zahlung von 250.000 Euro frei gekommen - Costa Rica hatte ihn mit Haftbefehl gesucht. Jetzt entscheiden Richter, ob ein Auslieferungsverfahren in Gang gesetzt wird.

Der in Frankfurt inhaftierte Tierschützer Paul Watson kommt gegen Zahlung von 250.000 Euro frei. Nach Leistung der Sicherheit, die Watson selbst angeboten habe, werde er auf freien Fuß gesetzt, er dürfe Deutschland jedoch bis zum Abschluss des Auslieferungsverfahrens nicht verlassen, teilte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt mit.

Der 61-Jährige Watson war am vergangenen Sonntag am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Die hessische Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat beim Oberlandesgericht (OLG) einen vorläufigen Auslieferungshaftbefehl beantragt. Darüber werde frühestens in der nächsten Woche entschieden. Das letzte Wort über eine Auslieferung hat das Bundesjustizministerium.

Gegen den als militanter Walfanggegner und Haischützer bekannte Watson lag ein internationaler Haftbefehl aus Costa Rica vor. Dem Chef der internationalen Tierschutzgruppe Sea Shepherd (Deutsch: Meeres-Hirte), wird Eingriff in den Schiffsverkehr vorgeworfen. Hintergrund ist ein Vorfall aus dem Jahr 2002 in guatemaltekischen Gewässern. Dabei soll Watson die Crew eines Schiffes aus Costa Rica bedroht und mit einer Wasserkanone angegriffen haben. Nach Angaben von Sea Shepherd hatten die Aktivisten gegen das sogenannte Shark-Finning des Schiffs protestiert, bei dem Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt werden. Die Crew des Schiffs habe die Aktivisten beschuldigt, sie töten zu wollen.

Unterstützung bekommen die Tierschützer von den Grünen im Bundestag. „Es ist zu befürchten, dass Paul Watson in Costa Rica kein faires Verfahren erwartet“, sagte Volker Beck, Sprecher für Menschenrechtspolitik und Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, laut Mitteilung am Mittwoch. Es sei zumindest nicht unwahrscheinlich, dass die strafrechtliche Verfolgung Watsons in Costa Rica nach so langer Zeit auch politisch motiviert sei. In diesem Fall sei eine Abschiebung unzulässig.

Das OLG prüft zunächst, ob die Voraussetzungen für die vorläufigen Auslieferungshaft vorliegen - etwa ob die Watson vorgeworfene Straftat auch nach deutschem Recht strafbar ist und ob eine Auslieferung rechtsstaatlich zulässig wäre. Dabei spiele es keine Rolle, ob es zwischen Deutschland und Costa Rica einen Auslieferungsvertrag gibt. Falls das OLG die vorläufige Auslieferungshaft anordnet, habe Costa Rica drei Monate Zeit, ein förmliches Auslieferungsersuchen mit den vollständigen Unterlagen zu stellen, die den Tatvorwurf belegen. Mit einem zweiten Beschluss entscheidet das OLG anschließend über die förmliche Auslieferungshaft, in einem dritten über die Zulässigkeit der Auslieferung. Ob Watson tatsächlich nach Costa Rica ausgeliefert wird, entscheide nicht das OLG, sondern das Bundesministerium der Justiz. (dpa)

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