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200 machen mit: Tanzprojekt der Inklusion probt in Unterliederbach.

Kultur

Inklusives Tanzprojekt in Frankfurt

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Choreograf Zermeño probt mit 200 Laien für ein inklusives Tanzprojekt. Am 22. Mai ist die Aufführung.

Mit dem ganzen Körper ist Miguel-Angel Zermeño bei der Sache. Er gestikuliert, spricht und zeigt, wie er sich Szene um Szene vorstellt. Der Choreograf hat alle Hände voll zu tun, um mit mehr als 200 Akteuren das inklusive Tanzprojekt „Die Arche Noah – gemeinsam die Welt bewegen“ erstmals durchzuspielen.

Nach rund einem halben Jahr getrennter Proben treffen sich die Laiendarsteller – Kinder und Erwachsene – am Freitagmorgen erstmals gemeinsam in der Sporthalle der TG Unterliederbach, um in ihre Rollen als Tiere zu schlüpfen, die den Menschen die Probleme der Welt vor Augen führen: Mädchen und Jungen der Georg-Büchner-, Leibniz- sowie Weißfrauenschule, zwei Gruppen der Behindertenhilfe des Evangelischen Vereins für Innere Mission in Nassau sowie die Tanzgruppen „Flamenco Maurenza“ und „Dance in FFM“. Initiiert hat das Projekt die Lorenz-Stiftung, die 2016 schon das Stück „Die Schöpfung“ nach ähnlichem Konzept auf die Bühne gebracht hatte.

Johanna Griesfeller und Ulrich Völke, beide im Rollstuhl, haben gerade ihre Szene als Löwen vorgestellt. Völke zeigt sich von den „vielen Leuten, die alle zusammen spielen“ beeindruckt. Der 51-Jährige lässt seinen Blick durch die Halle schweifen. In der Mitte übt Regisseur Zermeño mit einer Gruppe von Mädchen, die Räder schlagen und zaghaft den Anweisungen des Regisseurs folgen. Drumherum stehen und sitzen Dutzende Darsteller und warten auf ihren Einsatz.

Griesfeller war schon bei der Schöpfungs-Geschichte dabei und ist ganz begeistert von Zermeño. Seine „Leichtigkeit und Lockerheit“ sprechen die 31-Jährige an. „Schauspielen ist meine Leidenschaft, auch wenn ich im Rollstuhl sitze“, sagt sie. Für ihn sei es selbstverständlich, Leute mit und ohne Beeinträchtigungen zusammenzubringen, sagt Zermeño. „Als Künstler begegne ich anderen Künstlern auf gleicher Ebene“, fügt der 55-Jährige hinzu. Mit Laiendarstellern zu arbeiten, sei „speziell“. Sie würden nicht professionell spielen, so der Mexikaner; ihr Spiel sei „gelebte Kunst“.

Efkan, Hamid, Marlene und Simka von der Georg-Büchner-Schule übernehmen gleich mehrere Tierrollen. Die Viertklässler der Sprachheilschule verkörpern Elefanten, Giraffen, Gorillas, Kängurus und Pinguine. Der zehnjährigen Marlene gefällt besonders die Rolle als Pinguin. „Wir machen den Leuten klar, dass wir zu viel Plastik verbrauchen und die Tiere daran sterben“, sagt das lebhafte Mädchen. Zur Veranschaulichung hänge an den Pinguin-Kostümen beim Auftritt dann auch Müll. Für den gleichaltrigen Hamid sei es anfangs „ein bisschen komisch“ unter so vielen Fremden gewesen. „Ich habe noch nie mit so vielen Menschen gearbeitet“, sagt er.

Stifter und Unternehmer Heinz-Jürgen Lorenz habe schon nach der Aufführung des ersten Stücks festgestellt, wie prägend die Proben und Aufführung für die Darsteller gewesen seien. „Das Erlebnis ist in ihnen drin“, sagt der 81-Jährige. Und was in ihnen steckt, werden die Hobby-Künstler im Mai auf großer Bühne herauslassen.

Am 22. Mai, 19.30 Uhr, wird „Die Arche Noah – gemeinsam die Welt bewegen“ im Sendesaal des Hessischen Rundfunks mit dem Sinfonieorchester des Senders sowie dem Gebärdenchor „Lukas 14“ und der Sängerin Laura Suad aufgeführt. Karten sowie Infos zu dem inklusiven Tanzprojekt gibt es auf: www.gemeinsam-die-welt-bewegen.de.  

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