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Benedikt mit seinem Vater in der ehemaligen Festungsanlage.

Kasematten

Tief unter der Stadt Frankfurt

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Gang durch die Kasematten, ein Festungsgewölbe der „Frankfurter Bastion“, das nie genutzt wurde

Gedämpft klingen die Stimmen in dem unterirdischen ehemaligen Festungsgewölbe, als die Besuchergruppe am Sonntagnachmittag endlich die Kasematten erreicht hat. Ein „unterirdischer Galeriegang“ führt etwa 40 Meter durch das Kulturdenkmal. Es ist kühl und feucht in dem Kellergewölbe. Zur Führung durch die Kasematten hat das Archäologische Museum eingeladen. Sie gehörten einst zur „Frankfurter Bastion“, als Teil der barocken Frankfurter Befestigungs- und Wallanlagen. Die beiden Archäologen Petra Hanauska und Thorsten Sonnemann führen bei insgesamt zwei Führungen an diesem Tag je rund 30 Besucher in das Erdreich unter dem Gebäude der Stiftung Waisenhaus in der Bleichstraße. Das Paar weiß viel zu berichten, insbesondere über die Geschichte der Stiftung sowie den Bau der Festungsanlage im 17. Jahrhundert. 

Das Interesse ist groß. Auch ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks ist dabei. Während die Fassade vor dem Haus kaum moderner sein könnte – die Stiftung hat dort vor zehn Jahren ihr Verwaltungs- und Betreuungszentrum errichtet –, können die Besucher an diesem Nachmittag in eine Tiefe von neuneinhalb Metern hinunter steigen, um sich Einblicke zu verschaffen, wie die Festungsanlagen einst ausgesehen haben und so 300 Jahre alte Stadtgeschichte erleben. „Benutzt wurden sie nie“, sagt Petra Hanauska, die am Ende der Führung vor einer der rund einem Dutzend Schießscharten steht. Wegen eines Wassereinbruchs hätten die Festungsgewölbe nicht zur Verteidigung der Stadt eingesetzt werden können, fügt die 52-Jährige hinzu. Eine Besucherin will wissen, weshalb sie nun begehbar seien. „Das Grundwasser ist zurückgegangen“, antwortet Hanauska. Feucht sei es in dem Keller trotzdem noch. 

Die Tatsache, dass die Kasemattten nie genutzt wurden, ist übrigens nur eine von zahlreichen Unwägbarkeiten und Pannen, die zum Bau der 1667 fertiggestellten Festungsanlage gehören. Der Bau hatte sich rund vier Jahrzehnte hingezogen. Von eingestürzten Mauern und immensen Kosten, berichten Sonnemann und Hanauska bei ihrer Führung, die manch einen Besucher zum Lachen bringen. Lange wusste man nichts von den Kasematten. Erst als die Waisenhaus-Stiftung begonnen hat, an der Stelle in der Bleichstraße zu bauen, wurden die Gewölbe entdeckt. Die Stiftung habe daraufhin verzichtet, zwei Ebenen Tiefgaragen unter dem Gebäude zu errichten, um das Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, berichtet Thorsten Sonnemann, als er mit den Besuchern im Garten des Geländes steht. Er zeigt auf das Gewölbe, das aus Kalk-, Sand- und Buntsandstein besteht und über dem eine Terrasse errichtet worden ist. 

Hinter ihm quietscht eine U-Bahn der Linie 5, die gerade aus dem Tunnel fährt. Davor laufen Spaziergänger durch den Anlagenring. Sonnemann weist auf einen verkleideten Stahlträger hin, der das siebenstöckige Gebäude stützt und es ermöglicht hat, das Gemäuer darunter frei zu halten. „Sonst wäre es statisch problematisch geworden, wenn der Keller kleiner ist als das Gebäude“, sagt Sonnemann. 300 000 Euro habe die Stiftung allein der Stahlträger gekostet, fügt der 49-Jährige hinzu. Um die Mitarbeiter der Stiftung nicht zu stören, seien Führungen nur an Sonntagen möglich.

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