Thorsten Lieb ist Kreisvorsitzender der Frankfurter FDP.
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Thorsten Lieb ist Kreisvorsitzender der Frankfurter FDP.

Nach Kemmerich-Wahl

Frankfurter FDP-Chef über Thüringen-Wahl: „Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte“

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Der Frankfurter FDP-Chef Thorsten Lieb sieht im FR-Interview die Wahl seines Parteifreundes Thomas Kemmerich in Thüringen kritisch - zeigt aber auch Verständnis.

Am Mittwoch (05.02.2020) wurde in Thüringen Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten gewählt. Seinen überraschenden Sieg im dritten Wahlgang verdankt er den Stimmen der AfD. Das Entsetzen über den Ausgang der Wahl ist riesig, vor allem die FDP steht in der Kritik. 

Im FR-Interview äußert sich nun der Chef der FDP in Frankfurt zu den Entwicklungen.

Herr Lieb, wie gut kennen Sie Thomas Kemmerich?

Ich kenne ihn persönlich. Ich habe ihm nach seiner Wahl auch gratuliert und ihm eine gute Hand für seine Amtsgeschäfte gewünscht.

Wahl in Thüringen: Frankfurt FDP klar gegen Extremismus

Heißt das, Sie freuen sich über seine Wahl?

Ich bin zwiegespalten. Natürlich freue ich mich darüber, dass die FDP endlich wieder einen Ministerpräsidenten stellt. Aber es bleibt ein sehr schlechtes Gefühl, da Herr Kemmerich offenbar von der AfD ins Amt gewählt wurde. Das ist schwer erträglich. Er muss nun deutlich machen, dass er jede inhaltliche Zusammenarbeit mit diesen Extremisten ablehnt und sie in keiner Weise an der Regierung beteiligt. Ich habe mich selbst erst letzte Woche auf unserer Mitgliederversammlung mit Blick auf die Geschichte der Frankfurter FDP klar und deutlich gegen Extremismus positioniert und erwarte das auch von meinen Parteifreunden.

Aber hätte er die Wahl nicht ablehnen müssen?

Das ist eine schwere Frage. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte. Ich fand es erst einmal richtig, dass die FDP einen Kandidaten gestellt hat. Wenn man sagt, dass man Bodo Ramelow ablehnt, sollte man auch eine Alternative bieten. Da bestand natürlich die Gefahr, dass es zu so einer Situation kommt. Ich möchte ihm zumindest nicht vorwerfen, dass er die Wahl angenommen hat.

Thüringen: FDP-Chef in Frankfurt hat auch Verständnis

In gut einem Jahr stehen in Hesen Kommunalwahlen an. Können Sie ausschließen, dass FDP-Politiker danach mit den Stimmen der AfD in Ämter gewählt werden?

Definitiv. Wenn es keine stabile Mehrheit beziehungsweise Koalition – und zwar unter Ausschluss der AfD – für unsere Kandidaten gibt, werden wir uns an keiner Regierung beteiligen.

Im Sommer beginnt der Kommunalwahlkampf in Frankfurt. Wird die Wahl von Thomas Kemmerich in Thüringen der FDP schaden?

Das kann ich nicht ausschließen. Wenn es Herrn Kemmerich nicht gelingt, eine klare Abgrenzung zur AfD deutlich zu machen, besteht diese Gefahr. Ich glaube aber, dass er klare Kante gegen Extremismus, Nationalismus und Rassismus zeigen wird. So habe ich ihn kennengelernt.

Interview: Georg Leppert

In Erfurt kam es am Mittwoch (05.02.2020) nach der Wahl Kemmerichs zu Protesten. Auch in Frankfurt machten Teilnehmer bei Protesten und Mahnwachen die FDP für fatalen Signale der Thüringen-Wahl mitverantwortlich.

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